Alle sprechen von "Babylon Berlin". Dabei spielen mindestens zwei weitere deutsche Formate aus den letzten sechs Monaten in der Champions League des Serienfernsehens mit. Zum einen Hans-Christian Schmids leises und doch so eindringliches Provinzdrama "Das Verschwinden". Im Oktober 2017 lief es im Ersten. Und nun "Bad Banks", eine fiebrig stylische Hochfinanz-Ballade. Mit selten gesehener Intensität taucht "Bad Banks" in die manische Welt des Investment-Bankings ein. Kurz vor Ausstrahlung beim ZDF (als Dreiteiler, ab Samstag, 3. März, 21.45 Uhr) kann man das Werk von Regisseur Christian Schwochow am 1. und 2. März, 20.15 Uhr, bereits bei ARTE sehen.

Die blutjunge, hochtalentierte Jana Liekam (Paula Beer) verliert ihren Job bei einer Luxemburger Großbank, weil sie die Autorität ihres kaum älteren Chefs Luc (Marc Limpach) überging. Mithilfe von Christelle Leblanc (Désirée Nosbusch), einer einflussreichen Grande Dame des Finanzgeschäfts, erhält Jana jedoch bald ein neues Engagement bei der Frankfurter Global Invest. Obwohl sie den Job nur als Übergangslösung sieht – Jana will möglichst schnell zurück zu ihrem Freund und dessen Tochter nach Luxemburg –, engagiert sich die Mittzwanzigerin in einem hochkomplexen Finanzprodukt, das unter großem Zeitdruck zusammengezimmert werden muss. Dabei treibt der charismatische Gabriel Fenger (Barry Atsma), neuer Investment-Chef der Frankfurter, sein junges Team zu schwindelerregenden Höchstleistungen an.

Im Rausch aus Arbeit und schnellem Lebens zeigen sich erste Risse in den Persönlichkeiten von Jana und ihren ebenfalls jungen Teamkollegen Thao Hoang (Mai Duong Kieu) und Adam Pohl (Albrecht Schuch). Während die Task Force der Global Invest andere Banken bei der Finanzierung eines großen Leipziger Städtebauprojektes ausstechen will, droht im Hintergrund ein krimineller Deal aufzufliegen, der das gesamte Finanzsystem im Schieflage bringen könnte.

Bärenstark konstruiertes Ensemble

Warum ist "Bad Banks" so gut? Im Gegensatz zur typischen deutschen TV-Serie wird hier nicht, wie man beim Lesen annehmen könnte, aus Sicht einer jungen, unbefleckten Heldin erzählt. Hauptfigur Jana ist komplex, ambivalent und – wie alle Banker in der Serie – durchaus für haltlose Überraschungen gut. Die fantastisch spielende Paula Beer (Nachwuchsdarsteller-Preis in Venedig für François Ozons "Frantz") fügt sich in ein bärenstark konstruiertes Ensemble von etwa zehn Hauptfiguren ein, deren Geschichten das brutale Geschäft, in dem sie arbeiten, auf unterschiedliche Art spiegeln. Dennoch schafft es Regisseur Christian Schwochow, auch Sog und Faszination des Finanzgeschäfts einzufangen.

"Viele der Filme über die Finanzkrise 2008", analysiert der 39-Jährige, "erzählen aus einer gesicherten Position heraus: Sie betreiben Banker-Bashing. Das ist langweilig. Klar, wir berichten aus einer kranken Welt. Aber einer, die zunächst sexy ist und erst mal viel Spaß macht." Geschrieben wurde "Bad Banks" vom jungen Autor Oliver Kienle, der 2016 bereits als Co-Autor des grandiosen Wettmafia-Films "Auf kurze Distanz" mit Tom Schilling auffiel. Schwochows bärenstarke Regie tut ein Übriges.

Der dreifache Grimme-Preisträger schafft es, die fast schon beängstigende Authentizität seines NSU-Films "Die Täter – Heute ist nicht alle Tage" mit Anna Maria Mühe als Beate Zschäpe auch auf die glitzernde Welt der Hochfinanz zu übertragen. Schwochow verwandelt Frankfurter Bankentürme in Spielflächen, die sich für eine deutsche Serie ungewohnt echt anfühlen.

Dies dürfte auch an der vorurteilsfreien Herangehensweise Schwochows liegen. "Das ist meine Arbeitsweise. Ich habe einen journalistischen Hintergrund und will erst mal etwas herausfinden und verstehen. Und dazu gehört es auch, die Verführung und das Faszinierende an diesen dunklen Parallelgesellschaften zu beschreiben. Ich bin neugierig und ich finde es langweilig, wenn ich Absicht und Haltung der Macher in einem Film ab der ersten Minute kenne."

Der Mensch als Aktie

Auch in Sachen Bildsprache bleibt das Werk eigen. Schwochows Banker bewegen sich nicht durch kühle, blaugraue Architekturen. Viele Filme, sagt er, würden unreflektiert das Seriosität vorgaukelnde, kühl-klare Corporate Design der Banken selbst übernehmen. Bei "Bad Banks" dominieren hingegen die Farben Gold und Silber – und das mit Kalkül. "Innerhalb der Bank ist der Mensch selbst wie so eine Art Aktie" erklärt Schwochow. "Mal fällt, mal steigt sie. Manche Aktien sind immer oben. Andere gehen in den Keller und werden entsorgt. Dafür wollte ich in der Serie eine Übersetzung mit Farben finden. Mit Gold, das sich immer wieder in den Gesichtern spiegelt. Dabei geht es um die Sexyness des Geldes, die sich direkt in Wert und auch Selbstwert unserer Protagonisten übersetzen lässt."

Serienfans und Cineasten dürfen sich "Bad Banks" wie Mischung aus der gelobten dänischen Politerzählung "Borgen" und dem intensiven Thrillerkino des Amerikaners Michael Mann ("Heat", "Insider") vorstellen. Mit anderen Worten: ziemlich fantastisch. Sollten die aus dem fiktionalen Jahresprogramm des öffentlich-rechtlichen Fernsehens deutlich herausragenden knapp sechs Stunden in Sachen Quote reüssieren, ist eine Fortsetzung geplant.

Erst bei ARTE, dann im ZDF

ARTE zeigt die ersten vier Episoden "Bad Banks" am Donnerstagabend (1. März, 20.15 Uhr) am Stück. Die Folgen fünf und sechs gibt es einen Tag später (Freitag, 2. März, 20.15 Uhr). Das ZDF hingegen traut dem Serien-Volltreffer die beste Sendezeit offenbar nicht zu. Weswegen die Mainzer drei Doppelfolgen "Bad Banks" in der sogenannten "Second Primetime" zeigen: Nach dem Auftakt am Samstag, 3. März, 21.45 Uhr, folgen die Fortsetzungen am Sonntag, 4. März, 22 Uhr, und Montag, 5. März, 22.15 Uhr.


Quelle: teleschau – der Mediendienst