08.06.2020 Hannes Jaenicke im Interview

"Was in Lachsfarmen passiert ist schockierend"

von Lara Hunt

Am 16. Juni zeigt das ZDF "Hannes Jaenicke: Im Einsatz für den Lachs". Um die Missstände auf Lachsfarmen aufzudecken, ist der Schauspieler nach Alaska und Norwegen gereist.

TV-TIPP

"Hannes Jaenicke: Im Einsatz für den Lachs"

Dienstag, 16. Juni

22.15 Uhr

ZDF

Herr Jaenicke, wie gehen Sie mit der Corona-Krise um?

Hannes Jaenicke: Im Gegensatz zu vielen anderen geht es mir gut, ich genieße den Luxus, mal Zeit zu haben. Ich war 2019 über elf Monate ununterbrochen unterwegs und hatte so viele Projekte, dass ich für die unfreiwillige Verschnaufpause jetzt dankbar bin. Und mal wieder am Klavier herumklimpern und ausschlafen kann.

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Für Ihre Doku-Reihe "Im Einsatz" haben Sie schon über Eisbären, Haie und Gorillas berichtet. Jetzt ist der Lachs dran. Warum haben Sie den ausgewählt?

Ich wollte das Thema schon vor Jahren machen, aber das war nicht so einfach: Der Lachs ist kein schnuckeliges Kuscheltier, da musste ich erst mal ein bisschen Überzeugungsarbeit leisten. Trotzdem wollte ich das unbedingt machen, weil das Thema Meeresverschmutzung und Überfischung immens wichtig ist. Und der Lachs ist eben nicht das tolle omega-3-reiche Superfood,das uns ständig angepriesen wird. Im Gegenteil: Was in den Lachsfarmen passiert ist schockierend, und das muss man den Leuten zeigen.

Wie sind Sie auf das Thema aufmerksam geworden?

Ich war 2005 mit "Voxtours extrem" in Yukon und Alaska, und dort haben mir die Ureinwohner mit Tränen in den Augen erzählt, dass kein einziger Lachs mehr ihre Flüsse hinaufwandert, weil sie entweder gnadenlos überfischt werden oder die Lachsfarmen mit all ihren Krankheiten und Parasiten sie vernichten. Und es stimmt, wir haben bei unserem Dreh sowohl in Norwegen als auch Kanada ehemals Lachs-reiche Flüsse gefilmt, in denen kein einziger Wildlachs mehr herumschwamm.

Was hat Sie bei Ihrem Dreh am meisten erstaunt?

Wie die Lachsfarmen das marine Ökosystem zerstören. Eine Lachsfarm – das ist krasse Massentierhaltung, bei der es nur so von Krankheitserregern und Parasiten wimmelt. Auf den Farmen werden die Fische medikamentös behandelt, um sie am Leben zu halten. Aber die Farmen liegen alle auf den Migrationsrouten der wilden Lachse, und jeder Fisch, der dort vorbeischwimmt, holt sich alle Krankheiten, die es dort gibt. Und in freier Wildbahn stirbt er daran.

Sie selbst essen keinen Fisch, sondern ernähren sich vegan. Wie viel Zeit steckt man da in die Auswahl von Lebensmitteln?

Nicht viel, ich finde es relativ einfach. Statt Milch kaufe ich Hafermilch und statt Joghurt Sojajoghurt. Und das gibt es ja mittlerweile in jedem Supermarkt. Nur ist in Bayern, wo ich lebe, das Restaurant-Angebot außerhalb der Städte immer noch ziemlich bescheiden. Wenn man da nach einem veganen oder vegetarischen Gericht fragt, bekommt man freundlich einen Kartoffelsalat mit Speck oder eine Forelle blau angeboten.

Wie konsequent sind Sie in Sachen nachhaltige Ernährung? Achten Sie darauf, dass Ihre Hafermilch aus regionalem Anbau kommt?

Das wäre schön, wenn ich Hafermilch aus der Region hätte, aber so weit gehe ich nicht. Man kann es auch übertreiben. Ich trage auch noch Lederschuhe. Die hatte ich schon vorher, und die schmeiße ich jetzt nicht weg, auch, wenn ich mir jetzt keine mehr kaufen würde. Ich bin da nicht besonders streng. Meine größte Sorge bei der Umstellung auf vegane Ernährung war, dass es keine gute vegane Schokolade gibt. Schokolade ist für mich ein Grundnahrungsmittel. Aber zum Glück gibt es hervorragende vegane Schokolade. Wenn man die Augen zumacht denkt man es sei normale Milch-Schokolade.

Was wollen Sie mit Ihren Natur-Dokus erreichen?

Natürlich ist da immer die Hoffnung, ein bisschen was zu verändern. Einige Filme haben nichts bewirkt, wie zum Beispiel der über Eisbären, wo wir gezeigt haben, wie schädlich SUVs und der von uns verursachte CO2-Ausstoss fürs Klima sind. Beim Film über Haie hatten wir mehr Erfolg, es hat ein Umdenken eingesetzt. Ganze Ladenketten haben sämtliche Hai-Produkte aus dem Regal genommen. Ich hoffe das wird bei den Lachsen ähnlich. Das Ziel wäre es zu erreichen, dass die Menschen für das Thema sensibilisiert werden und ihr Konsumverhalten überdenken. Und vielleicht auch die Politiker denken: Hoppla, da muss etwas gemacht werden. Ich bin sicher, die Bereitschaft ist bei vielen da, oft kennen sie die Probleme nur noch gar nicht oder sind völlig falsch informiert.

Auch als Schauspieler sind Sie weiter aktiv. Zum Beispiel in der der Thriller-Serie "Mirage – Gefährliche Lügen", eine internationale Produktion des ZDF mit France Télévisons und der italienischen RAI. Wie war der Dreh?

Es ist nicht das erste Mal, dass ich bei einer internationalen Produktion dabei sein durfte. Aber es war ein Riesenspaß, schon beim Casting in Paris. Der Regisseur Louis Choquette ist absolut großartig, ebenso sein Kameramann Ronald Plante. Beide sind Kanadier und kommen aus Montreal. Wir hatten eine Top-Crew und konnten auf hohem internationalen Niveau gearbeitet. Ob die Welt Spionagethriller braucht, ist Geschmackssache, aber mir hat es viel Spaß gemacht, auch wenn die Rolle des Lukas für mich befremdlich war.

Warum?

Er ist ein liebevoller, fürsorglicher Ehemann, Vater und Profikoch, der seiner Frau nach Dubai hinterhergezogen ist. Das passt nicht wirklich auf mich. Ich bin weder Ehemann noch Vater und habe noch nie eine warme Mahlzeit zubereitet.

Sie haben tatsächlich noch nie gekocht? Konnten Sie dann in Ihrer Rolle als Profikoch etwas lernen?

Nein, gar nicht. Aber ich kann es sehr gut faken, zu kochen und mache das vor der Kamera auch gerne. Ich habe auch schon mal einen Pizzabäcker gespielt und konnte danach Teig kneten und schleudern wie ein alter Italiener. Leider habe ich das mittlerweile aber wieder verlernt. Sowas muss man wohl regelmäßig machen, und dazu bin ich zu viel unterwegs.

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