Es geht gegen Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit, gegen Hetze und Rechtsruck, und ganz konkret geht es auch gegen die AfD: Unter dem Titel "Künstler mit Herz" hat sich in München eine Initiative kunst-, kultur- und medienschaffender Menschen gegründet, die im Vorfeld der Bayerischen Landtagswahl am 14. Oktober für eine weltoffene Gesellschaft eintritt.

Neben zahlreichen Prominenten, darunter Schauspielstars wie Michaela May, Hannes Jaenicke, Luise Kinseher, Johanna Bittenbinder, Eisi Gulp, Harry Helfrich und Sepp Schauer, haben sich schon weit über 100 Personen der stetig wachsenden Gruppe angeschlossen. Und wie es sich für ein breites Bündnis mit besten Absichten gehört, haben die "Künstler mit Herz" sogar schon ein eigenen Song produziert.

"Mia Ned!" heißt der Titel. Der dazugehörigem Videoclip dreht nun in Windeseile seine viralen Runden. Das "Mia Ned!"-Video wurde binnen weniger Tage über 1,6 Millionen-mal angeklickt.

Die Story zum fröhlich schwingenden Ohrwurm liegt auf der Hand: Angeführt vom Münchner Liedermacher Roland Hefter zieht eine immer größer werdende Karawane mit vielen bekannten Gesichtern durch die Bayerische Landeshauptstadt, um am Ende ausgelassen zu tanzen und in den gut gelaunten Chor einzustimmen: "Wer ah auch bei der AfD mal schnell sei' Kreizl macht, der hat, warum auch immer, a bissl wenig nachgedacht. Der soll sich aber bitte ganz genau mal überleg'n: Wui'a in a'm Bayern wie's die AfD mag, leb'n? – Mia Ned!"

So locker-flockig die Melodie auch ist, der Hintergrund ist hochseriös. "Das Ziel ist, die Menschen zu ermutigen, am 14.10. zur Landtagswahl zu gehen und ihre Stimme denjenigen Parteien zu geben, die mit beiden Beinen auf dem Boden des Grundgesetzes stehen – und das darf keinesfalls die AfD sein", heißt es in einer unter anderem auf Facebook geposteten Erklärung der "Künstler mit Herz".

Die Initiatoren wünschen sich, "dass jeder, der hier lebt, egal ob hier geboren oder zugezogen, aus vollster Überzeugung sagen kann: 'Des is mei Bayern, und do bin i dahoam!" Beim Einsatz für ein soziales Miteinander gehe es "auch um Altersarmut, bezahlbares Wohnen, Bildung für alle oder den Pflegenotstand", so die Verantwortlichen. "Menschen, die ihr Zuhause durch Krieg oder Umwelteinflüsse verlieren und in fremde Kulturen flüchten müssen, brauchen unser aller Unterstützung. Die Fluchtursachen müssen bekämpft werden, nicht die Flüchtlinge." Die Botschaft werde nun "mittels Liedern, Clips, Kinotrailern, Posts und Tweets" bis zur Landtagswahl in die Welt getragen. Jeder der sich anschließen wolle, sei herzlich eingeladen, sich unter kmh@künstlermitherz.de zu melden. Die Facebookseite wird unter "@wirsindmehra" verlinkt.

"Wir wollen, dass Bayern bunt, tolerant und weltoffen bleibt und das jemand wie ich, also ein Zugroasta, sagen kann: Do bin i dahoam", betont auch Andreas Weinek, einer der Urheber von "Künstler mit Herz". Der aus der Steiermark stammende Medienmacher, Chef des Münchner Pay-TV-Senders History, hat vor drei Jahren mit seinem Kumpel, dem aus der BR-Serie "Dahoam is Dahoam" bekannten Schauspieler Harry Blank, die Mundart-Combo BlankWeinek gegründet. In den Songs der Band geht es immer wieder auch um den Heimat-Begriff, den Weinek auf seine eigene Weise interpretiert: "Heimat ist ein Gefühl, das wie jede Emotion Schwankungen unterliegt. Heimat verändert sich. Ich zum Beispiel lebe seit 20 Jahren in Deutschland. Heute würde ich sagen, dass ich Deutschland als Heimat empfinde. Aber das kann sich schon morgen ändern", so Weinek. "In unseren Liedern dreht sich fast alles irgendwie um Heimat, aber wir stellen den Begriff ständig in Frage. Weil er hinterfragt werden muss! Denn uns ist bewusst, was im Namen eines falsch verstandenen Heimatbegriffs Schlimmes geschehen ist – und neuerdings wieder geschehen könnte, wenn wir nicht aufpassen."

Auch weil die Fehler, die aus seiner Sicht in seinem Heimatland gemacht wurde, sich in Deutschland nicht wiederholen dürften, erhebe er in der "Künstler mit Herz"-Initiative nun seine Stimme, erklärt Andreas Weinek: "Wir Ösis haben blöd g'schaut nach der Wahl. Aber das war nur wieder typisch für den österreichischen Verdränger – von wegen: 'Geh, es wird scho' net so schlimm werden!' Das hat uns kalt erwischt." Inzwischen trobt freilich auch im Alpenland eine Art Kulturkampf. Zuletzt hatten in Österreich prominente Künstler wie etwa Wolfang Ambros, Rainhard Fendrich oder Hubert von Goisern mit Vehemenz ihre Ablehnung gegen rechtsgerichtete Politik kundgetan.


Quelle: teleschau – der Mediendienst