Karla Eckhardt soll ein psychiatrisches Gutachten über einen mutmaßlichen Serienvergewaltiger erstellen und wird mit ihrem eigenen Trauma aus der Kindheit konfrontiert.

Wieder ein Psychokrimi, wieder mit Julia Koschitz. Diesmal ist es nicht der hartnäckig geführte Kampf ums Kind nach unverschuldeter Trennung ("Weil du mir gehörst", ARD, 12.02.), sondern das Duell mit einem möglichen Frauenvergewaltiger und Serientäter, den Julia Koschitz als psychiatrische Gerichtsgutachterin Karla Eckhart in einer Wiener geschlossenen Untersuchungsanstalt zu bestehen hat. "Im Schatten der Angst" ist durchaus packend, bekommt es die Psychologin doch mit einem angesehenen Erfolgsarchitekten zu tun, der just in dem Moment vom Ex-Freund des Opfers im Keller seines Hauses ertappt wird, als sich der Übergriffige mit Champagner und klassischer Musik, aber auch mit Klebeband und Fesselung an einem Opfer zu schaffen macht.

Dass an der Täterschaft des Architekten Carsten Spanger, dessen Zurechnungsfähigkeit geprüft werden soll, überhaupt ein Zweifel bestehen kann, ist dem sphinxhaften Spiel des Koschitz-Partners Justus von Dohnányi zu verdanken, der mit teils tieftraurigen, teils verschlagenem Blicken durch die Brille allerlei geschickte Winkelzüge macht. Spanger redet sich – psychologisch mindestens ebenso so gewieft wie sein Gegenüber – aus allen Vorwürfen heraus. Er habe keineswegs vorgehabt, die geknebelte Frau zu vergewaltigen. Vielmehr habe er nur versucht, seine Entdeckung in letzter Sekunde zu verhindern.

Zudem bläst Spanger, darin nicht unähnlich seinem grausameren Vorbild Hannibal Lecter im "Schweigen der Lämmer", zum Gegenangriff. Ja, er habe Defizite, sie führten weit in seine Kindheit zurück. Streng sei die Mutter gewesen – nicht zuletzt, weil sie seinetwegen die eigene Schauspielkarriere aufgeben musste. Ein von der Psychologin besichtigtes Video, auf dem die Mutter den eigenen Sohn zum Spielpartner nimmt, soll hingegen beweisen, dass sie in Wahrheit einfach eine "schlechte" Schauspielerin gewesen sei, so zumindest das Urteil der Psychologin. Andererseits, so Spangers Argument: Habe nicht auch die Gerichtspsychologin ihre versteckten Traumata? Fürchte sie nicht die Außenwelt und ziehe sich in ihre Anstalt zurück, um sich nicht mit der eigenen Vergangenheit auseinandersetzen zu müssen?

Das alles steht auf einigermaßen tönernen Füßen, ist aber Dank des famosen Duos Koschitz / von Dohnányi ein recht spannendes Kammerspiel, das von Geheimnissen und Unwägbarkeiten lebt. Als dann aber die Psychologin und ihre polizeilichen Helfer die Ahnung überkommt, dass womöglich mehrere unlängst in der Donau aufgefundene Leichen Spanger anzulasten seien, kennt die Phantasie keine Grenzen mehr. Das Kammerspiel wendet sich zum hektischen Thriller, der kaum noch Überraschungen bereit halten kann.

So schwankt der intensiv inszenierte Psychostoff (Regie: Till Endemann) letztlich zwischen penibler psychologischer Erkundung und Serienkillerei. Mehr sei nicht verraten. Nur so viel noch: dass es nicht schaden kann, ein gutes Wörterbuch der Psychiatrie unter dem Arm zu halten. Wer soll schon wissen, was beispielsweise eine "affektive Impulskontrollstörung" ist? Und die jeweils im Zwischentitel genannte "Exploration" ließe sich sicher auch mit dem Wort "Untersuchung" ganz gut umschreiben.

Im Schatten der Angst – Mo. 16.03. – ZDF: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH