Lena Gräfin von Mahlenberg (Maria Furtwängler) flüchtet 1945 vor der Roten Armee in Richtung Westen. "Die Flucht ist" großer Stoff mit einer großen Hauptdarstellerin.

Es war der erfolgreichste Fernsehfilm des Jahres 2007: Mehr als elf Millionen Zuschauer sahen den ARD-Zweiteiler "Die Flucht" bei der TV-Premiere im Ersten. Das Drama von Kai Wessel, das 3sat nun wiederholt (Teil zwei folgt am Freitag, 20. März, um 20.15 Uhr), war von Anfang an auf "großes Fernsehen" angelegt.

Maria Furtwängler spielt Lena Gräfin von Mahlenberg, die 1944, acht Jahre nach der Geburt ihres unehelichen Kindes, in ihre Heimat zurückkehrt, um sich um ihren kranken Vater (Jürgen Hentsch) zu kümmern. Doch der sture Alte kann ihr nicht verzeihen. Weitere persönliche Konflikte werden angerissen: Da ist Heinrich Graf von Gernstorff (Tonio Arango), dem Lena einst versprochen war. Doch zur Ehe kam es nie. Auf dem Hof arbeitet zudem der französische Kriegsgefangene François (Jean-Yves Berteloot) mit seinen Männern. Zwischen ihm und Lena entwickelt sich eine emotionale Bindung. Doch es ist Autorin Gabriela Sperl hoch anzurechnen, dass sie aus der "Flucht" keine schnöde Liebesgeschichte werden ließ. Viel mehr im Mittelpunkt stehen politische Verblendungen, persönliche Hoffnungen und bald schon schlicht die Angst, die Heimat zu verlieren.

Es dauert etwas zu lange, bis die eigentliche Flucht beginnt. Erst am Ende von Teil eins wird sich Lena und mit ihr die gesamte Belegschaft des Anwesens auf den Marsch machen in eine unbestimmte Zukunft. Teil zwei erzählt dann von dem Weg selbst, zeigt, wie die Menschen mit Wagen und Pferden über das Haff zogen. Es kommt zu Begegnungen mit russischen Soldaten und Nazis gleichermaßen.

Die heute 53-jährige Maria Furtwängler macht ihre Sache gut, wurde sie doch von dem präzise arbeitenden Regisseur Kai Wessel wie all ihre Kollegen ebenso genau auf die Herausforderungen eingestellt. Die Charaktere stehen hier, anders als etwa noch beim Zweiteiler "Dresden", deutlicher im Dienste der Geschichte und damit in einer besonderen Verantwortung, leben doch bis heute Millionen in Deutschland, die von der Flucht direkt oder indirekt betroffen waren. Sie alle dürfen sich sicher sein, dass "Die Flucht" angemessen und realitätsbezogen mit ihrem Schicksal umgeht. Eine Tatsache, die auf Kosten des sogenannten Event-Charakters ging. Wirklich spektakulär ist der Film nur an wenigen Stellen.

Die Flucht – Fr. 13.03. – 3sat: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH