In der ZDF-Talkshow "Maybrit Illner" sprach sich der Virologe Christian Drosten nicht klar für Schulschließungen aus. Er erklärte, wir schwierig es selbst für Forscher ist, das Coronavirus richtig einzuschätzen.

"Ich bin nicht für generelle Schulschließungen, sondern für wohlüberlegte Schulschließungen, wenn sie denn sein müssen", diese Meinung tat Christian Droste, Virologe an der Berliner Charité, in der gestrigen Ausgabe der ZDF-Talkshow "Maybrit Illner" kund. Tatsächlich gebe es Argumente für, aber auch gegen diesen drastischen Schritt: "Da kann man keinen einzelnen Experten fragen, da kann man auch kein einzelnes Fach fragen in der Wissenschaft, sondern da muss man wirklich Argumente gegeneinander halten und auch Berechnungen gegeneinander laufen lassen." Viele Auswirkungen derartiger Entscheidungen seien aus heutiger Sicht auch noch nicht absehbar.

Bei dem Virus, so erklärte Droste, seien nach aktuellen Erkenntnissen alle Altersgruppen "ziemlich gleichmäßig betroffen". Angesichts der Tatsache, dass die "Schulbevölkerung bis hin zu den ganz Kleinen" nur rund 20 Prozent ausmache, könne man argumentieren, dass durch eine Schulschließung nicht viel herauszuholen sei. Ebenfalls gegen die Schulschließung spreche die zusätzliche Belastung der Eltern: "Wir verlieren auch Menschenleben, wenn zum Beispiel Krankenschwestern oder Ärztinnen und Ärzte, die Kinder zu Hause haben, nicht mehr zur Arbeit gehen können und einfach nicht mehr erscheinen", so Droste.

Auf der anderen Seite, so der Virologe, haben Schüler auch mit älteren Menschen zu tun. Sie seien eine "Brückenfunktion in sozialen Netzwerken". Das wiederum könne für eine Schließung sprechen.

Im Gegensatz zu dieser vagen Aussage zur Schulschließung, äußerte sich Droste zur Absage von "Spaßveranstaltungen" wie Konzerten oder Festen relativ konkret: "Man muss nicht immer Spaß haben, wenn's wirklich nur Spaß ist." Somit könnten Schulschließungen "in Kombination mit Veranstaltungsstopps sehr effektiv bei der Eindämmung" des Virus sein. Prinzipiell, so empfiehlt der Virologe, gelte es abzuwägen: "Sind persönliche Begegnungen und Veranstaltungen notwendig oder nicht notwendig?"

Bemerkenswert: Drosten, der auch die Bundesregierung in Fragen der Coronakrise berät, räumte nicht nur eigene Fehleinschätzungen ein ("Das Update zu meiner anfänglichen Einschätzung ist, dass Corona weniger empfindlich gegen Temperaturunterschiede ist"), sondern machte ein generelles Wissensdefiizit seitens der Forschung transparent. "Das ist ein Virus, das kein Mediziner nachvollziehen kann", räumte der Wissenschaftler ein. Mit Blick auf die dramatische Lage in Italien entgegnete er im Gespräch mit Maybrit Illner: Man sei in Deutschland "ein paar Wochen voraus. Genauer kann ich das jetzt nicht sagen."

Aufgrund des Coronavirus fand die ZDF-Sendung "Maybrit Illner" am Donnerstag erstmals ohne Studiopublikum statt. Neben Christian Drosten waren Bundesfinanzminister Olaf Scholz, VDA-Präsidentin Hildegard Müller und die Publizistin Svenja Flaßpöhler zu Gast.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH