Die neue Saarland-Krimireihe legt nach: Ein junges Mädchen verschwindet – und die Spuren nach ihrem Mörder führen ins Drogen- und Cybersex-Milieu.

Als das ZDF im November 2017 mit "In Wahrheit: Mord am Engelsgraben" eine neue Samstagskrimi-Reihe einführte, die im Saarland spielt, war das inhaltlich kein besonders weiter Wurf – zu klischeebelastet und betulich wirkte das Geschehen. Immerhin wurde das Schaffen der charismatischen Hauptkommissarin Judith Mohn (Christina Hecke) im Grenzland-Revier ausnehmend stimmungsvoll in Szene gesetzt. Mit weit über sechs Millionen Zuschauern war das Debüt ein großer Zuschauererfolg, an den man nun mit "In Wahrheit: Jette ist tot" (2018) anknüpfen möchte. Im neuen Fall geht es um ein junges Mädchen, das von einer Rave-Party verschwindet und als blutüberströmte Leiche ausgerechnet im Kofferraum eines belgischen Drogendealers wieder aufgefunden wird. Trotz psychologischen Einfühlungsvermögens überzeugt auch der zweite Fall nicht gänzlich.

Als die Kommissarin, die erneut auch mal wieder private Probleme, nämlich Sorgen um den Fortbestand ihrer Ehe, plagen, die Leiche im Blümchenkleid zu sehen bekommt, durchfährt sie ein Schock: Natürlich kennt sie Jette Mertens (Franziska Brandmeier), sie ist die Tochter enger Bekannter. Schlimmer noch: Am Vorabend hatte die Ermittlerin, die damals privat unterwegs war, die junge hübsche Frau noch nachts auf der Party gesehen und sie dazu überredet, allein mit dem Fahrrad nach Hause zu fahren. Dort kam Jette nie an.

Getrieben von Schuldgefühlen und dadurch im Umgang mit ihrem Team eher unkollegial kratzbürstig macht sich Judith Mohn auf die Täterjagd. Dass es der Drogen-Verkäufer, den die Polizei in Gewahrsam genommen hat, vermutlich doch nicht gewesen sein kann, wird nicht nur ihr immer deutlicher. Spuren führen in ein örtliches Jugendzentrum, in dem ebenfalls mit Crystal Meth gedealt wird. Und dann poppen auf dem Handy von Jettes jüngerer Schwester immer wieder ziemlich unzweideutige Chat-Botschaften auf.

Sarah (Emilie Neumeister) scheint deutlich mehr zu wissen, als sie den Ermittlern verraten möchte. Zum Glück gibt es mit dem pensionierten Ex-Kriminaler Markus Zerner (Rudolf Kowalski, bekannt aus den ZDF-Krimiserie "Stolberg" und "SOKO Leipzig") einen väterlichen Ratgeber, an den sich Mohn in ihrer Not immer wieder wenden kann.

Regisseur Matthias Tiefenbacher hat aus dem Drehbuch von Mathias Schnelting eine auf jugendlich getrimmte, dennoch ziemlich routiniert und eher überraschungsfrei abgespulte Krimierzählung gemacht, die mit den aktuell so brisanten Phänomenen von Cyber-Verführung, Stalking und der Manipulierbarkeit hormonell noch nicht allzu gefestigter Teenager spielt. Da steckt viel drin, dennoch wirkt vieles aufgesetzt. Und die Ermittlungen schlagen dann doch wieder sehr gewohnte Familiendrama-Wege ein.


Quelle: teleschau – der Mediendienst