Die neue Amazon-Serie "The Widow" dient vor allem ihrem Star Kate Beckinsale als Vehikel zum sechsstündigen Schaulaufen. Die 45-jährige Britin spielt die titelgebende Witwe auf der Suche nach ihrem totgeglaubten Mann im Kongo.

Dass immer mehr Namen von Hollywood-Stars bei Streaming-Diensten für Abos und Klicks sorgen (sollen), daran hat man sich bereits gewöhnt. Nun hat sich auch die schöne Britin Kate Beckinsale ("Underworld") beim Pantoffelkino "on demand" verdingt. Im achtteiligen Thriller "The Widow" spielt die 45-Jährige eine Trauernde, deren Mann (Matthew Le Nevez, "Offspring") drei Jahre zuvor bei einem Flugzeugabsturz in der Demokratischen Republik Kongo ums Leben kam.

Als die zurückgezogen in Wales lebende Witwe Georgia Wells den Totgeglaubten plötzlich in einem Nachrichtenbeitrag aus dem Kongo zu erkennen glaubt, ist auf einen Schlag die Agonie aus dem Leben des Trauerkloßes gewichen. Mithilfe des kongolesischen Journalisten Emmanuel Kazadi (Jacky Ido) reist sie in den afrikanischen Dschungel, um nach ihrer verlorenen Liebe zu suchen.

Acht Folgen umfasst das von Amazon und dem britischen Privatsender ITV produzierte Unterhaltungskonstrukt, das ab Freitag, 1. März, den Kunden des Streamingdienstes in deutscher Synchronversion oder als Original mit Untertiteln zur Verfügung steht. Weil ein Handlungsstrang – die Suche der Witwe – für ein etwa sechsstündiges Programm ein bisschen wenig ist, schrieben die Drehbuchautoren Harry und Jack Williams ("The Missing", "Fleabag") der konstruiert wirkenden Serie noch ein paar andere Handlungsstränge ins Programm. So lernt der Zuschauer den blinden Isländer Ariel Helgason (Ólafur Darri Ólafsson, "Emerald City") kennen. Wie sich herausstellt, gilt er als einziger Überlebender jenes Flugzeugabsturzes, bei dem Georgia Wells' Mann gestorben sein soll. Des Weiteren im Figuren-Portfolio: eine verzweifelt durch den Dschungel marodierende Schar von Kindersoldaten, heimtückisch dreinblickende Warlords und weitere undurchsichtige Strippenzieher des zentralafrikanischen Chaos.

Die Schauwerte stimmen zunächst. Auch die Plot-Idee erscheint zunächst keineswegs reizlos. Kate Backinsale, makellos schöne 45 Jahre alt, wandert trauernd durch walisische Weiten oder kämpft sich akkurat verschwitzt – aber dennoch mit perfekten Makeup – durch den Dschungel. Woran es "The Widow" jedoch schon ab Mitte der ersten Folge mangelt, ist ein soghaftes Geheimnis, das den Zuschauer in seinen Bann zieht.

Das Basisrätsel scheint nach gängigen Thrillermustern zusammengenäht, auch die Nebenfiguren und deren Erzählstränge scheinen allzu durchsichtig. Eigentlich erstaunlich, denn das schreibende Brüderpaar Harry und Jack Williams wurde für Serien wie "The Missing" oder "Fleabag" mit zahlreichen Preisen geehrt und zu Recht gefeiert. Mit "The Widow" schufen sie nun einen actionorientierten Polit-Drama-Thriller, der vor afrikanischer Kulisse vor allem dem Schaulaufen seines Stars dient. Kate rennt, Kate leidet, Kate kämpft, Kate sieht bei all dem vor allem gut aus. Ein bisschen mehr darf es in Zeiten der Qualitätsserie aber doch gerne sein.


Quelle: teleschau – der Mediendienst