Liebeskomödie in der ARD

"Liebe verjährt nicht": Per Anhalter nach Venedig

von Hans Czerny

Piet, der Börsenguru, und Vero, die Kunsthändlerin, treffen sich viele Jahre nach ihrer Liebelei per Zufall wieder. Eine Reise per Anhalter nach Venedig bringt alte Gefühle zurück.

ARD
Liebe verjährt nicht
Komödie • 28.03.2020 • 20:15 Uhr

Wenn sich einstmals Verliebte nach 20 Jahren wiedertreffen, dann ist bei Pilcher und Co. das Happyend vorprogrammiert. Dann gibt es am Ende die Heirat, die man damals versäumte. So geschehen zuletzt im ZDF-Herzkino bei "Inga Lindström" unter dem selben Titel wie hier: "Liebe verjährt nicht" (Sonntag, 22.03., 20.15 Uhr) hieß es auch dort. Ja, sie verjährt nicht. Dass im ARD-Film vieles anders ist, zeigt schon der Vorspann, der so düster daherkommt wie sonst nur ein Schwedenkrimi: Ein bärtiger Heino Ferch, noch dazu mit langen Haaren, räumt da im schummrigen Licht eines Tresorraums Wertsachen aus ...

Was dann folgt, ist dennoch kein Krimi, sondern zugleich Romantic Comedy und Roadmovie der besonderen Art. Es begegnen sich nämlich – nach besagten 20 Jahren – der mittlerweile mittellose Börsenmakler Piet N. Schneller (Ferch) und die Auktionatorin Veronika Trost (Tanja Wedhorn), die mit alten Meistern, das Stück nicht unter 500.000 Euro, handelt. Beide verbindet eine alte, offensichtlich heftige Liebe, die der Börsenmensch, ein rechter Filou und Lebemann, dermaleinst leichtsinnig unterbrach. Jetzt fährt er als Hartz IV-Empfänger für die "Hamburger Tafel" Lebensmittel aus – kurz vor dem Verfallsdatum von Wohlhabenden für Ärmere "sozialisiert", wie er meint.

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Das Schicksal will es, dass Veronika, neu in der Stadt an der Alster, von einer reichen Kunstsammlerin und Spießgesellin das "wahre Leben", sprich die die Bedürftigen, gezeigt bekommt und dass unser Broker, verurteilt zu immerhin 23 Monaten auf Bewährung, bei der Lebensmittelverteilung auf sie trifft. Noch hält sie ihn für den reichen Filou von einst und er sie für ein armes Mäuschen – zweifellos eine Konstellation, bei der sich jeder Hollywoodautor die Hände reibt. Hat man dann noch komödientaugliche Stars im Cast, kann eigentlich nichts mehr daneben gehen. Und ein Happyend, schnöde sei es verraten, gibt es dann auch.

Vor dieses Glück hat Amor allerdings den Schweiß einer beschwerlichen Reise quer durch Europa – oder wenigstens Deutschland – gesetzt. Als sich Piet und Vero im einst hauseigenen Sternerestaurant des Börsenschnösels zum Dinner treffen – im "Truffaldino", wie man sich auf der Zunge zergehen lassen muss -, beschließen sie sogleich, an den Ort ihrer früheren Liebe zurückzukehren, nach Venedig – wohin auch sonst. Zwar wird es bei diesem amourösen Reset nie mehr so frivol zugehen wie beim Psycho-Versteckspiel im Sternerestaurant, wo er Dank seiner schon früher seltenen Anwesenheit noch immer den Chef spielen kann und sie das Mäuschen, das den Nachtisch im Doggybag verstauen lässt. Doch die Trampreise nach Venedig (alles wie damals!) bringt derart fabelhafte Begegnungen mit sich, dass man über den vielleicht nicht ganz so süffigen Liebesplot zweier längst vom Leben gestählter Raubeine gar nicht böse sein kann.

Das reicht vom Polizisten, der das Pärchen auf der Autobahn derart zusammenscheißt, dass die beiden schon wie die berühmten zwei Ameisen von Altona kurz nach Hamburg ihre Reise abzubrechen drohen, bis hin zum kasachischen Robbentransporteur im polnischen Truck, dessen Fracht Vero zum sofortigen Ausstieg zwingt, als sie davon erfährt. Eine holländische Restfamilie, Großeltern und Helikopterenkel im Camper auf der Fahrt ins Blaue, wissen alles übers Aktiengeschäft (die Enkel) und über Streitereien (die Großeltern), welche stets eine intakte Liebe belegen. Ein polnischer Pilgerbus, der während der Fahrt pünktlich zum Angelus die Stimmen zum Gesang erhebt, ist da schon fast des Guten zu viel. Doch der Zuschauer wird dann durch einen Versöhnungstanz im nächtlichen Regen versöhnt.

Es ist also alles in allem eine große, unterhaltsame filmische Nummernrevue, die hier der Autor Wolfgang Limmer ("Silikon Walli", "Eine Liebe im Allgäu") und der Regisseur Sebastian Hilger genüsslich servieren. Broker-Sprüche, wie: "Eine Million kannst du nicht ehrlich verdienen!" inklusive. Das mit der Läuterung des Börsenspekulanten und mit der allfälligen Wiederherstellung der Liebe von damals ist dann eine ganz andere Geschichte – und die Frage, ob Piet und Vero je in Venedig ankommen werden, natürlich auch. Wie so oft im Leben, so ist auch hier wieder einmal der Weg das Ziel. Dass so was wie die wieder erwachende Liebe klappen kann, haben Pilcher und Co. unter defizitärer Verwendung aller Klischees und garantiert ohne Humor ohnehin längst erwiesen.

Liebe verjährt nicht – Sa. 28.03. – ARD: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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