Die Corona-Krise könne langfristig betrachtet positive Auswirkungen haben – diese These vertrat zumindest Zukunftsforscher Matthias Horx in der ZDF-Talkshow von Markus Lanz.

"Ein paar tolle Ideen" und "ein paar ermutigende Nachrichten" – etwas lieblos fasste Markus Lanz die ersten rund 60 Minuten seines ZDF-Talks am Mittwochabend zusammen. Enthusiasmus war in der Tat nicht angebracht, hatten Lanz und seine Gäste (Jungpolitiker Philipp Amthor, Virologin Professor Melanie Brinkmann, Kriminalkommissar Sebastian Fiedler und – zugeschaltet – Wirtschaftsminister Peter Altmaier) doch nicht wirklich Neues zu sagen zur Corona-Krise. Spannend wurde es erst auf den letzten Metern, als sich Zukunftsforscher Matthias Horx per Schalte aus Wien in die Debatte einbrachte.

Horx, 65 Jahre alt, veröffentlichte unlängst auf seiner Internetseite den Text "Die Welt nach Corona", einen Artikel, der Hoffnungen machen will auf eine bessere Zukunft nach der Pandemie. Der Text (Lanz: "Bisschen lang, aber der geht so weg") wurde millionenfach geklickt – in anderen Zeiten würde man wohl sagen: Er ging viral.

Bei Lanz machte Horx seinen Standpunkt noch einmal deutlich. "Wann wird es wieder so wie früher? Nie!", so die Zukunftsprognose des Forschers. Corona könne alles verändern – und das sei nicht einmal schlecht. Die Pandemie unterscheide sich "massiv" von den Krisen der Vergangenheit, etwa von der Finanzkrise des Jahres 2008, die im Gefühl der Menschen immer weit weg war. Man befände sich heute in einer Situation, "wo die Zukunft ihre Richtung ändert", analysierte Horx. "Irgendwas ist im Gange, das unser Hirn, unsere Existenz verändert." Konkret hätten sich etwa bereits die Kulturtechniken geändert – Telefon statt WhatsApp, Nähe – zumindest gefühlte – statt Distanz, wir alle seien "auf existenzielle Weise mit uns selbst konfrontiert".

Von Markus Lanz auf Politiker wie Donald Trump angesprochen, konstatierte Horx: "Verschwörungstheorien haben keinen Marktwert mehr." Der Zukunftsforscher äußerte stattdessen die Hoffnung, dass der blinde Technikglaube, der die Menschheit in den letzten Jahren erfasst habe, mit der Corona-Krise ein Ende finde. Natürlich sei die Technologie wichtig, etwa, um ein Mittel gegen das Coronavirus zu finden, nur: Technik allein werde die Probleme der Menschheit nie lösen können.

Die Corona-Krise werden zu einer "Entschleunigung der Menschheit" führen. Schon jetzt führen weniger Autos, flögen weniger Flugzeuge – das komme auch dem Klima zugute. Die Pandemie, so Horx, sei eine "Vorübung" für das, was uns in Zeiten des Klimawandels noch drohe. "Wenn das ein Virus kann", so Horx über die Abnahme von Flugverkehr und Co., "können wir das nicht auch?"

Den Einwurf von Markus Lanz, nach der Krise könne die "Party erst so richtig wieder losgehen", wollte Matthias Horx nicht gelten lassen: "Man fühlt sich komisch, wenn man in Zukunft an ein Flugzeug denkt", glaubt er. Die Katastrophe als Chance – ein tröstlicher Gedanke.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH