Südkoreaner

Meisterregisseur Kim Ki-duk nach COVID-19-Infektion gestorben

Trauer um Kim Ki-duk: Laut übereinstimmenden Medienberichten ist der renommierte südkoreanische Regisseur am frühen Freitagmorgen in der lettischen Hauptstadt Riga gestorben. Kim soll einer Infektion mit dem Coronavirus erlegen sein.

Kim Ki-duk wurde 1960 in der Stadt Bonghwa geboren. Nach einer schweren, von Gewalt geprägten Kindheit begann er Anfang der 90er-Jahre mit einem Kunststudium und kam so schließlich zum Film. In nur wenigen Jahren entwickelte sich Kim zu einem der bedeutendsten koreanischen Regisseur der Gegenwart. Die Gewalt unter Menschen und die Grausamkeit der Natur waren die Themen seiner Werke.

In "Seom – Die Insel" (2000) durchleben eine Prostituierte und ein Mörder, die auf kleinen Flößen auf einem abgelegenen See leben, den Horror der Selbstzerstörung und die Heilung der Liebe. Ebenfalls auf einem See spielt "Frühling, Sommer, Herbst, Winter... und Frühling" (2003). Inmitten atemberaubend schöner Natur lässt Kim Ki-duk seine Charaktere in den unvermeidlichen Kreislauf der Gewalt rennen.

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Im mit dem Silbernen Bären ausgezeichneten "Samaria" (2004) erzählt Kim von einer Schülerin, die anschaffen geht, um sich und ihrer Freundin eine Europareise zu finanzieren, und dabei ums Leben kommt. "Moebius, die Lust, das Messer" (2013), Kims wohl umstrittenster Film, handelt von einer inzestuösen Beziehung zwischen einem Vater und seinem Sohn. In Kims südkoreanischer Heimat durfte das brutale Werk erst in den Kinos gezeigt werden, nachdem mehrere Szenen entfernt worden waren.

Kims Filme waren trotz ihrer rauen Brutalität stille Meisterwerke, ohne viele Dialoge, dafür mit teils atemberaubend schönen Bildern. Die Geschichten, die er erzählte, waren tief in der südkoreanischen Kultur verwurzelt, aber dennoch universell. Noch vor Bong Joon-ho ("Parasite") und Park Chan-wook ("Oldboy") brachte Kim einem westlichen Publikum das moderne südkoreanische Kino nahe. Dafür wurde er auf die größten Festivals geladen, er gewann in Cannes ("Arirang"), Venedig ("Pieta") und Berlin ("Samaria").

Um das Jahr 2010 herum verfiel Kim in eine schwere Depression, die er später in dem Dokumentarfilm "Arirang" verarbeitete. Im selben Jahr stellte er das sperrige, intime Werk auf dem Filmfest in München vor. Zur Premiere erschien er mit einer Kappe auf dem Kopf, wie so oft. Warum er ständig ein Baseball-Cap trage, wollte eine Frau im Publikum wissen. "Ich schäme mich", sagte Kim. "Deswegen trage ich die Kappe, damit man mich nicht sieht." Kim Ki-duk wurde 59 Jahre alt.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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