"Reinigendes Gewitter"

Warum TV-Koch Alexander Herrmann in der Corona-Krise auch Positives sieht

Besonders die Gastronomie hat unter der Corona-Krise zu leiden. In der NDR-Talksendung "DAS!" erklärte Sternekoch Alexander Herrmann, warum er dem Lockdown und der Krise auch gute Seiten abgewinnen kann.

Sie zählen zu den größten wirtschaftlichen Opfern der derzeitigen Corona-Krise: Seit Anfang November bleiben Restaurants, Hotels und Veranstaltungshäuser erneut bis mindestens Januar geschlossen. Wie gravierend ist die Lage wirklich? Das wollte Moderator Hinnerk Baumgarten in der NDR-Talkshow "DAS!"am Mittwoch von seinem Gast, dem Koch Alexander Herrmann, wissen.

Die Versprechungen der Regierung seien zunächst einmal gut, erklärte Herrmann: Mit den versprochenen "70 beziehungsweise 75 Prozent" des Umsatzes sei seiner Branche wirklich geholfen, vor allem, da diese Hilfen nun bis zum 20. Dezember verlängert wurden. Probleme entstünden erst, wenn die Hilfen erst im Januar ausgezahlt würden: "Dann reden wir davon, dass du im Grunde drei Monate Löhne und Co. vorlegen musst", erklärte der 49-Jährige. "Da wird's dir schon schwindelig", so der Koch im Hinblick auf seine 120 Mitarbeiter.

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Auch die Frage, warum Restaurants trotz funktionierender Hygienekonzepte nun erneut geschlossen würden, sah Herrmann kritisch: "Ich hatte uns auch in der Gastronomie und Hotellerie eigentlich als Teil des Hygienekonzepts Deutschlands gesehen." Eine Verweildauer von ein bis drei Stunden im Restaurant sei überschaubarer als jene, wenn man sich zu Hause trifft. Weiter fügte der Gastronom hinzu: "Ich glaube auch nicht, dass es überproportional große Coronafälle von Servicepersonal oder Küchenmitarbeitern gab." Dennoch könne er die Entscheidung der Regierung insofern verstehen, dass sie die Geschäfte in der Innenstadt geöffnet ließen. Würden diese in der Hauptgeschäftszeit im November und Dezember nun erneut geschlossen, wäre das fatal.

Zuletzt sprach Baumgarten mit seinem Gast über die Alternativen, die Restaurants während des Lockdowns blieben. Laut Herrmann gingen die bis ins Unermessliche: "Wir haben so viele Alternativen, das kann man sich nicht vorstellen". Zufrieden sei er damit allerdings trotzdem nicht: "Du hast die zehnfache Arbeit für Alternativen: Take away hier, da liefern, wir haben einen Gourmetautomaten aufgestellt ..."

Wirklich glücklich sei er nur über die Dinnerboxen, die er mit seinem Team schon während des ersten Lockdowns entwickelt hatte: Seine Kunden bekommen dabei ein Drei-Gänge-Menü auf Sterne-Niveau geliefert, welches sie anschließend zu Hause nur noch finalisieren müssten. Das entsprechende Konzept dahinter habe er seit Ende des ersten Lockdowns perfektioniert und es solle auch nach der Pandemie weiter bestehen bleiben. Alles in allem sei die Krise somit auch wie ein "reinigendes Gewitter" gewesen: "Man hat viele Dinge hinterfragt".

Allerdings sei diese Krise trotzdem "ein Kraftakt", sowohl emotional als auch mental. Die Ängste, die sich innerhalb seines Teams entwickelten, versuchte der Koch immer wieder aufzufangen. Als "psychologischer Notdienst" zu fungieren sei für Herrmann in diesem Jahr kein Problem, erklärt er augenzwinkernd.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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