Erst Polizist, dann der Held in "K11", heute Gastronom: Michael Naseband – Star des prisma-TV-Spots.

Im deutschen Fernsehen gibt es einige wenige Karrieren, die sind anders. Darin findet sich keine Schauspielschule, keine Theater-Vergangenheit, dafür aber sehr viel von dem, was man Lebenserfahrung nennt. Joe Bausch ist so ein Fall, der Mediziner, der durch den Tatort berühmt wurde. Oder Michael Naseband, der Polizeibeamte mit dem markanten Glatzkopf, der erst echten Raubtätern nachjagte und dann 2003 durch die Sat.1-Erfolgsserie "K11 – Kommissare im Einsatz" bekannt wurde.

Heute hat Naseband mit der Schauspielerei nur noch wenig zu tun. Anders als Bausch hat er dem Genre wieder den Rücken gekehrt. Stattdessen findet man den 1965 geborenen Schauspieler in seiner eigenen Bar, mit der er sich einen lang gehegten Traum erfüllt hat: dem "Naseband's" in der Düsseldorfer Altstadt (www.nasebands.de) – zwischen längster Theke der Welt und Kunstsammlung NRW.

"Natürlich macht es immer noch Spaß, vor der Kamera zu stehen"

Für Kunst hat auch der gebürtige Düsseldorfer etwas übrig. Von den Gemälden an der Wand bis zu den Heizungskörpern hat Naseband die Gestaltung seiner Bar dem Künstler Markus Tollmann überlassen. Und noch andere ungewöhnliche Einfälle hat er umgesetzt – wie beispielsweise die Doppel-Kabine auf dem Damen-WC. "Frauen gehen ohnehin oft gemeinsam auf Toilette, da habe ich mir gedacht: Warum nicht gleich eine Kabine für zwei installieren?" Die Idee kommt an: An kaum einem anderen Ort im Naseband's werden häufiger Fotos gemacht.

Zwischendurch aber zieht es den gebürtigen Düsseldorfer dann doch noch vor die Kamera – so etwa kürzlich für den Werbespot zur neuen prisma-TV-App. "Das war ein sehr professioneller Dreh – und sehr angenehm", sagt er rückblickend.

"Und natürlich macht es immer noch Spaß, vor der Kamera zu stehen und zu spielen. Aber noch mal so eine Tretmühle wie K11? Das kann ich mir nicht vorstellen, auch wenn ich dem Team sehr dankbar für alles bin."

Stattdessen kümmert er sich heute lieber um seine Gäste, und das in einem waschechten Familienbetrieb: Freundin Tanja kümmert sich um die Buchhaltung, Sohn Mike ist für die Musik zuständig – und so genießen Freunde und Fremde die Atmosphäre, die irgendwo zwischen Kneipe und Club liegt. Der ein oder andere ehemalige Kollege schaut hier auf ein Bier vorbei, Nachbarn treffen sich nach Feierabend zum Klönen – und am Wochenende sorgen DJs für Party-Stimmung.

"Alt mit Schuss" – Naseband ermittelt in seinem eigenen Roman

Genau so hat sich Naseband seinen eigenen Laden immer vorgestellt – schon als er eine Kneipe gleichen Namens in seinem Buch "Alt mit Schuss" beschrieb, in dem er quasi selbst in seiner Düsseldorfer Heimat ermittelt. "Alles, was mir an einer Kneipe gefällt, habe ich einfließen lassen, sowohl in das Buch als auch in meinen Laden", sagt Naseband.

Ganz losgelassen hat ihn die Krimi-Welt also doch noch nicht – auch wenn K11 lange hinter ihm liegt und ihm der Tatort heute zu ernst geworden ist. "Zu viele private Probleme der Ermittler", sagt er und schaut sich dabei lächelnd in seiner Bar um. Scheint, als habe er mit so etwas derzeit überhaupt nicht zu kämpfen.