In einer zum Verkauf stehenden Edelvilla auf Sylt wird eine Leiche entdeckt, ausgerechnet die junge Maklerin gerät in Verdacht. Letzter Film mit Robert Atzorn als Kommissar Clüver.

"Ich liebe das Format 'Nord Nord Mord', aber Kriminalkommissare gehen in der Regel mit 65 in Pension, und um bei der Wahrheit zu bleiben, ich bin da schon lange drüber": So hatte es Robert Atzorn, 72, Hauptkommissar im Team der ZDF-Krimireihe "Nord Nord Mord", bereits im Sommer des vergangenen Jahres bekannt. Nun wird mit der Folge "Clüver und der leise Tod" der achte und letzte Film mit Atzorn ausgestrahlt. Ein sanfter Abgang – unspektakulär und wohl überdacht, wie es scheint. Mit Peter Heinrich Brix steht bereits ein Nachfolger für die Rolle im Regionalkrimi bereit. Im Film wird der Neue Carl Sievers heißen.

Was nun Atzorn wirklich zu seinem Abschied bewegt haben mag, darüber darf gerätselt werden. Vielleicht ist es ja ganz so wie im Film: Da sieht man ihn bei seiner privaten Abschiedsparty im Garten am Schlagzeug sitzen, zwischen Grillgut und Kindertoben (ach ja, die Enkel!). Er wolle "ein bisschen an seiner Work-Life-Balance arbeiten", hatte er davor noch kundgetan. Und die Band spielt live dazu was vom Meer und vom Strand, der "weit, weit hinter mir" liegt. Kein großes Lied, kein starker Abgang. Eher so sanft, wie es sanfter nicht mehr geht. Ein Abschied gar mit Längen: auch eine Südkoreareise wird angedacht. "Oder doch bei den Enkelkindern bleiben?"

Ein bisschen viel Abschied für einen Reihen-Auftritt, der zwischen reetgedeckten Villen, viel Möwengeschrei, dekorativen Sylter Strandkörben und Sanddünen spielt – eben dort, wo das Böse stets hinter der Idylle lauert. Auch diesmal wieder: Ein eher simpler Mord und eine gemächliche, brav mehrzopfige Aufklärung. In einer zum Verkauf stehenden Riesenvilla (23 Millionen hatte der Nachbar seinerseits gekrallt) wird ein Toter im Müllsack gefunden. Sehr zum Verdruss der resoluten Maklerin, die nun um den Verkauf der Villa fürchten muss, zumal die örtliche Presse von der Mordvilla bereits ausführlich Fotos schießt.

Hat etwa die Maklerin ihren Auftraggeber umgelegt, der immerhin als Vorsitzender im Deutschen Nudistenverein fungierte, vulgo FKK? Kann eigentlich nicht sein, denn ganz wie Clüver hatte die Maklerin von einem neuen Leben geträumt, zu dem ihr der erhoffte Provisionsbatzen hätte verhelfen sollen. Gehilfe Feldmann (Oliver K. Wnuk) klemmt sich trotzdem an sie ran und sorgt für einigen Witz, als Klüver den innig die Maklerin Umarmenden nach durchliebter Nacht anruft: "Bist du noch an ihr dran?" Jule (Ina Behrendsen) verfolgt indessen ein paar trampende Musiker, die ihre Nächte in aufgebrochenen leerstehenden Villen verbringen. Nun, ja.

Mag sein, dass man das alles durch eine leicht getrübte Abschiedsbrille sieht, aber es schleppt sich in seinen Parallelmontagen und seinem ewigen Klimper-Score. Umwerfend sind die Sätze nicht, die Clüver neben allerlei Abschiedssentenzen zu sagen hat. Krimikost, wie sie sich Kommissare gerne auf der Zunge zergehen lassen: "Schicken Sie ihn in die Toxologie!" (über den Leichnam), oder "Schauen Sie sich in der Nachbarschaft um." Solche Sachen. Die Erfüllung der Erwartungen an Landschaft und Krimiklischees mit ein wenig, aber nicht sehr viel Augenzwinkern als Dreingabe brachte stets sieben Millionen Zuschauer vor den Schirm. – Vielleicht hatte Atzorn ja doch einfach genug davon. Die Übergabe an den Comic-affinen Heimat-Darsteller Peter Heinrich Brix ist da jedenfalls keine gar so schlechte Idee.


Quelle: teleschau – der Mediendienst