Seit 2010 spielt Ulrich Tukur den exzentrischen Wiesbadener "Tatort"-Ermittler Felix Murot. Ein Job, dem der Schauspieler nur zu seinen Bedingungen treu bleiben möchte. Im Gespräch mit "Bild am Sonntag" drohte der 60-Jährige jetzt unverhohlen mit seinem Ausstieg.

"Wenn die Ansage von oben käme, die Drehbücher abzumildern, dann würde ich mich herzlich für acht tolle Filme bedanken und Herrn Murot an seinem Hirntumor sterben lassen", gab Tukur zu verstehen: "Ich liebe das Team um den 'Tatort', aber ich habe auch keine Angst vor Trennungen."

Hintergrund dieser starken Worte ist die Ankündigung der ARD-Verantwortlichen, künftig nur noch zwei "experimentelle" Sonntagskrimis pro Jahr zu gestatten. Zuletzt hatten gegen den Strich gebürstete Krimis überhandgenommen, was sich augenscheinlich negativ auf die Quotenentwicklung auswirkte. "Tatort"-Folgen, in denen es um ein Spukhaus ging oder die im spröden Dogma-Stil gedreht wurden, kamen beim Publikum in der Regel weit weniger gut an als konventionell gestrickte Mörderrätsel.

"Jede Zensur an meinem 'Tatort' ist inakzeptabel"

Zwar räumt auch Ulrich Tukur ein, er könne "die Sorge der ARD ein bisschen nachvollziehen". Was seinen eigenen "Tatort" angeht, zeigt sich der Schauspieler, der in einer surrealistischen Episode einmal seiner eigenen Kommissarsfigur "begegnete" ("Wer bin ich?", 2015), aber nicht kompromissbereit. "Jede Zensur an meinem 'Tatort' ist inakzeptabel", stellte er klar. "Wenn Redakteure, die Angst um ihren Posten haben und nicht unbedingt mit künstlerischer Kompetenz glänzen, anfangen, in die Stoffe hineinzureden und dann auch noch mit der unsäglichen Quotenkeule kommen, wird der 'Tatort' schnell so beliebig und mittelmäßig werden wie der große Rest der Fernsehlandschaft." Tukur weiter: "In dem Moment, wo ein überzeugendes Drehbuch aus senderpolitischen Gründen abgelehnt oder massiv verändert wird, steige ich aus."

Vielen Fernseh-Redakteuren stellte der kunstsinnige Star ein verheerendes Zeugnis aus. "Da kommen Einsprüche und Ratschläge, die derartig an den Haaren herbeigezogen sind, dass man aus dem Staunen nicht herauskommt." Tukurs Einschätzung: "Verantwortungsträger ohne Kompetenz und Erfahrung sind ein typisches Phänomen unserer Zeit."


Quelle: teleschau – der Mediendienst