"Seien Sie froh, dass Sie keine bayerische Fahne angezündet haben. Da verstehen wir noch weniger Spaß", schimpft Dr. Claus Reiter (Gerd Anthoff). Und so wie er das sagt, meint er es tatsächlich ziemlich ernst. Denn es geht um eine schwerwiegende Sache, zumindest sieht das der Leiter des Kommissariats für Amtsdelikte so. Denn der, den Reiter da so anfaucht, hat es doch tatsächlich gewagt, die deutsche Fahne anzuzünden. Verunglimpfung von Hoheitszeichen gemäß § 90a StGB ist das, weiß Reiter. Für Max Wemmer (Ulrich Noethen) ist die Tat aber vielmehr ein Protest – gegen eine Bundeswehr, die seinen Sohn auf dem Gewissen haben soll. Brisanter Stoff für "Verschlusssache", den 29. Film der "Unter Verdacht"-Reihe.

Nach seiner Standpauke will Reiter den Fall eigentlich schnell zu den Akten legen. Denn die Sache ist für ihn klar, gibt es doch sogar ein Video von der frevelhaften Tat. Eva Maria Prohacek (Senta Berger) aber will der Sache auf den Grund gehen – und ermittelt bald auf ungewohntem Terrain. Wemmers Sohn Thorsten war nämlich während einer Bundeswehrübung mit neuartiger Munition plötzlich mitten durch die Schusslinie gelaufen und wurde direkt getroffen. Seitdem liegt er, schwer verwundet, im Koma. Selbstmord?

Ob es sich um Wuchtmunition gehandelt habe, will Prohaceks Kollege Langner (Rudolf Krause), offenbar ein Experte auf dem Gebiet, von den Verantwortlichen wissen. Doch die mauern, wie sich das für solch konspirative Settings gehört. Der Film fährt in der Folge schwere Geschütze auf. Da geht es um Steuergelder, die für Werbeauftritte von Waffenherstellern missbraucht werden, verbotene Streumunition und, wie so oft in dieser Reihe, um die schmutzigen Finger der bayerischen Politik. Reiter gibt bei all dem keine gute Figur ab. Er macht einmal mehr auf gut Freund mit den Granden aus der Staatskanzlei. Nur lässt er sich diesmal mit der Falschen ein. Das wird ihn nicht nur viel Geld kosten, sondern auch ein Stück vom guten Ruf. Irgendwann steht dann auch noch der Militärische Abschirmdienst auf der Matte.

Einmal fällt im von Ulrich Zrenner routiniert inszenierten Film (Buch: Mike Bäuml) der Satz, man befinde sich derzeit ja in unruhigen Zeiten. Das sagt natürlich ein Waffenhersteller, der so auch die diskursive Marschrichtung des Films vorgibt. Keiner mag Waffen, klar, aber beschützt werden vor dem Bösen da draußen will man dann doch. Dass eine etwa dauerempörte Prohacek, die im Claudia-Roth-Modus durch den Film schreitet, die Dinge dennoch arg vereinfacht, verzeiht man der Dame mit dem ausgeprägten inneren Moralkompass. Sie ist eben eine Gute, auch wenn manchmal nicht ganz klar ist, was das eigentlich bedeutet.


Quelle: teleschau – der Mediendienst