In Wien ging ein Serienmörder um: Er stilisierte die Leichen, die allesamt aus ehemaligen Ostblockländern stammten, auf seltsame Weise. Die Frage, mit der sich Bibi Fellner (Adele Neuhauser), Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) zunächst beschäftigten, lautete: Ist er ein Triebtäter, ein religiöser Eiferer oder einer, der auf infame Weise Rache übt? Doch dann offenbarte sich in "Tatort: Die Faust" ein durchaus stimmig konstruierter politischer Hintergrund und der Krimi avancierte beinahe zum Spionage-Thriller. Aber war das nicht wieder mal viel zu viel des Guten?

Was war los?

Ein Phantom ging um in Wien: offensichtlich ein Serientäter, der mit viel Phantasie mordete und dann die Leichen an öffentlichen Orten drapierte – mal in einer Unterführung ans leuchtfarbene Kreuz genagelt, mal in einer öffentlichen Toilette erhängt oder mitten in einer Bootsausstellung obszön als Galionsfigur auf den Schiffsbug gesetzt. Weil auch noch Sperma, aber keinerlei DNA-Muster hinterlassen wurden, glaubten sich die Wiener Kommissare Bibi Fellner und Moritz Eisner in ihrem 17. gemeinsamen Fall natürlich sofort einem wahnsinnig gewordenen Triebtäter auf der Spur. Doch bald kam zum Vorschein: Alles falsch. Der Täter war ein ehemaliger Revolutionär und Geheimagent, der von den Opfern aufgedeckt werden sollte.

Wie realistisch ging es zu?

Die Opfer stammten allesamt aus ehemaligen Ostblock-Ländern, in denen es vor einiger Zeit zu sanften Revolutionen gekommen war, im Film aus Serbien, Georgien und der Ukraine. Behauptet wird in der fiktiven Tatort-Story, dass all das von Geheimdiensten unterwandert war und dass der Mörder selbst ein CIA-Agent gewesen sein könnte. Ein Plot, der aus den Tagen des Kalten Krieges zwischen Ost und West zu stammen scheint, der aber einige Aktualität für sich in Anspruch nehmen kann, wenn man an die Revolution der Rosen in der Ukraine denkt, aber auch an den arabischen Frühling in islamischen Ländern.

Ergab die Story Sinn?

Das alles wurde zunächst bewusst grotesk und kaum glaublich erzählt. Der Täter wurde als Genie und Untier zugleich eingeführt. Umso überraschenden dann die Wendung. Ein Politprofessor stand hinter den Morden, der zunächst die Rosen und die Titel-"Faust", das Zeichen serbischer Studenten unterstützt hatte und dann als Agent geoutet werden sollte. Die Story von Mischa Zickler (Regie: Christopher Schier) hätte samt ihrer Grausamkeiten sicher auch einem Autor wie Henning Mankell alle Ehre gemacht. Spione und V-Leute sterben leider niemals aus.

Wie waren die Ermittler in Form?

Ganz groß. Dabei half allerdings ein Running Gag, der wie von selber lief. Der Chef im Innenministerium verfiel nämlich auf die Idee, eine neue zusätzliche Mordkommission (MK2) zu gründen, um "näher an den Bürgern zu sein". Eisner musste befürchten, dass sich Bibi für den Direktionsjob bewerben würde. Tat sie dann auch, gegen überehrgeizige männliche Konkurrenz. Am Ende dann die doppelte Pointe: Eisner hatte Bibi insgeheim für den neuen Job empfohlen, wie rührend. Doch Bibi entschied sich gegen den Law-and-Order-Auftrag. Und Geld dafür war letztlich sowieso nicht da, wie der Ministerialbeauftragte zugeben musste.

Ist Spionage in dieser Form noch denkbar?

Staatsschutz und Spionage haben auch heute noch Hochkonjunktur. Allerdings eröffnet sich für sie heutzutage besonders in der Internetüberwachung ein weites Feld. "Die CIA war es nicht", behauptete Eisner, als Bibi bei der Suche nach dem Mörder auf die CIA verfiel, "die haben ja nicht einmal den Snowden umgelegt!" – Snowden genießt allerdings glücklicherweise zurzeit russisches Asyl.

Wie gut war der "Tatort"?

Die Ösis fallen einmal mehr aus dem Rahmen. Der "Tatort: Die Faust" war groß gedacht und tatsächlich großartig inszeniert. Stoff, aus dem heute Serien gemacht werden! Weil's allerdings auch wieder mal fast zu viel des Guten war, vergeben wir nicht die Bestnote, sondern eine glatte zwei!


Quelle: teleschau – der Mediendienst