ZDF-Doku "Personenschützer – im Angesicht der Gefahr"

"Das In-die-Schussbahn-Werfen ist durchaus realistisch"

von Christopher Schmitt

Wie realistisch ist das Bild der Personenschützer, das wir aus Hollywood-Filmen kennen? Die spannende Doku "Personenschützer – im Angesicht der Gefahr" zeigt den Alltag von Menschen, die im Worst Case bereit sind, ihr eigenes Leben aufs Spiel zu setzen.

Das Szenario auf dem Bildschirm mutet erschreckend an, fast wie in einer dieser hyperrealistischen neuen Actionserien: Als zwei Fahrzeuge der PSA-Einheit ("Polizeiliche Schutzaufgaben Ausland der Bundespolizei") in einen Checkpoint einfahren, entdecken die Fahrer eine Person, eingehüllt in eine himmelblaue Burka, unter der beige Outdoor-Stiefel herauslugen. Ein Mann mit landestypischer irakischer Tracht, Bundeswehr-Hose und Sonnenbrille nähert sich dem Wagen der Personenschützer und bringt blitzschnell eine Bombe an. Es folgt die geistesgegenwärtige Reaktion der Spezialisten: Raus aus dem betroffenen Auto, die zu schützende Person sicher und schnell in den anderen Wagen bringen und sich hinten an das zweite Gefährt hängen ... – Was hier mit der Kamera eingefangen wurde, war lediglich eine Übung auf einem Stützpunkt in Hangelar, Nordrhein-Westfalen. Aber schon bald darauf gehören lebensgefährliche Situationen in der irakischen Hauptstadt Bagdad zum Berufsrisiko der Übungsteilnehmer.

Die spannende Dokumentation "ZDF History: Personenschützer – im Angesicht der Gefahr" (Sonntag, 19. Juli, 23.45 Uhr, ZDF) zeigt eindrücklich den Alltag einer nur selten beleuchteten Berufsgruppe und verdeutlicht, dass Personenschutz im Zweifel heißt, das eigene Leben für ein anderes aufs Spiel zu setzen.

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"Ohne Schutz würde ich nicht da rausfahren wollen", so der deutsche Botschafter in Bagdad, Ekkehard Brose. Natürlich handelt es sich für die PSA-Einheit bei einem dreimonatigen Aufenthalt in einem Land, in dem jährlich zwischen 8.000 und 10.000 Menschen nur durch Anschläge ums Leben kommen, um ein ganz besonders gefährliches Aufgabengebiet. Ist man vor Ort nicht dauerhaft nervös? "Sobald das nicht mehr gegeben ist, ist die Routine eingekehrt, und die kann tödlich sein", bekennt ein Bundespolizist im Film.

In vielen Fällen verrichten Personenschützer allerdings kühl und besonnen ihren Auftrag – insbesondere bei geringer Gefahrenlage. Was ist also dran an dem Bodyguard-Mythos des aufopferungsvollen Einzelkämpfers, wie man ihn aus Hollywood kennt? "Bodyguards sind die, die frisch von der Sonnenbank kommen, und der Personenschützer ist der, der mit Taktik, Intelligenz und Strategie-Empfinden seinen Auftrag durchführt", beschreibt GSG9-Personenschützer Dieter Fox seine Arbeit – die grundsätzlich im Team erfolgt – eher nüchtern. Dass der Einsatz im Zweifel einen hohen Preis fordert, kann und will Fox allerdings nicht abstreiten: "Das In-die-Schussbahn-Werfen ist durchaus realistisch", wenn es wirklich brenzlig wird.

Die Sicherheit kann selbstredend nicht immer garantiert werden – dafür gibt es prominente Beispiele. Von vermeintlich harmlosen Aktionen, wie dem Farbbeutel-Wurf auf Joschka Fischer, über den folgenschweren Anschlag auf Wolfgang Schäuble, bis hin zu tödlichen Dramen wie den Attentaten der RAF, oder – prägend für die gesamte Geschichte des Personenschutzes – der Mord am damaligen US-Präsidenten John F. Kennedy. Die Doku bietet – wie für "ZDF History" üblich – einen Überblick über die Entwicklung des Berufsbilds und liefert eine historische Einordnung. Waren Personenschützer für den ersten Kanzler der Bundesrepublik, Konrad Adenauer, mehr oder weniger bewaffnete Kofferträger, änderten sich die Anforderungen rapide.

Personenschützerinnen sind jedoch nach wie vor eine verschwindend geringe Minderheit. Kerstin G. vom Bundeskriminalamt, früher zuständig für den Schutz des damaligen Außenministers Joschka Fischer, konstatiert: "Man ist schon ein kleiner Exot" – aber ein wichtiger Teil des Teams.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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