"Strategische Grundsatzentscheidung"

ProSiebenSat.1 baut eine eigene Nachrichtenredaktion auf

von Frank Rauscher

ProSiebenSat.1 macht eine "strategische Grundsatzentscheidung" öffentlich: Die Seven.One Entertainment Group baut ihre eigenen Produktionsaktivitäten weiter aus und stellt in Unterföhring eine Nachrichtenredaktion zusammen.

Diese News wird in der Nachrichtenbranche für Furore sorgen: Die Seven.One Entertainment Group gab am frühen Dienstagnachmittag bekannt, dass sie am Standort Unterföhring eine eigene Nachrichtenredaktion aufbauen wird. Ab Anfang 2023 sollen dort etwa 60 Mitarbeiter sämtliche News-Formate für ProSieben, SAT.1 und kabel eins produzieren. Bislang steuerte das Team des in Berlin ansässigen Senders Welt (vormals N24), der zum Axel-Springer-Konzern gehört, den Content für die Nachrichten der drei großen ProSiebenSat.1-Sender bei.

Auf dem sogenannten "New Campus", dem neuen, im Bau befindlichen Firmensitz von ProSiebenSat.1, werde derzeit "ein hochmoderner, crossmedialer Newsroom inklusive State-of-the-art-Studio entstehen", hieß es in einer Mitteilung. In Berlin sei darüber hinaus ein neues Hauptstadtbüro geplant. Auf Nachfrage erklärte Diana Schardt, Sprecherin der Seven.One Entertainment Group, dass das "SAT.1-Frühstücksfernsehen" nicht umziehen wird. Die Sendung werde auch künftig von der Produktionsfirma "Maz & More" in Berlin hergestellt wird.

HALLO WOCHENENDE!
Noch mehr TV- und Streaming-Tipps, Promi-Interviews und attraktive Gewinnspiele: Zum Start ins Wochenende schicken wir Ihnen jeden Freitag unseren Newsletter aus der Redaktion.

Wolfgang Link, Vorstand ProSiebenSat.1 Media SE und CEO Seven.One Entertainment Group, sprach am Dienstag von einer "strategischen Grundsatzentscheidung" und einer "großartigen Nachricht". Link: "Wir bekräftigen mit diesem Schritt einmal mehr unser Selbstverständnis, die Menschen auf allen Plattformen zu informieren und zur Meinungsbildung in Deutschland beizutragen. Neben unseren zahlreichen Public-Value-Inhalten ist auch diese Entscheidung ein klares Signal, dass sich ProSiebenSat.1 seiner hohen gesellschaftspolitischen Verantwortung bewusst ist und bereit, diese noch stärker wahrzunehmen."

Zudem sieht Link in der Maßnahme die "konsequente Fortsetzung unserer Strategie, eigenen relevanten und lokalen Content zu produzieren". Sie reihe sich "nahtlos ein in erfolgreiche Factual-Produktionen" wie Thilo Mischkes Reportagen und die in Unterföhring eigenproduzierten Magazine "taff", "Galileo", "akte", "Abenteuer Leben" oder "red" sowie den Corona-Spezial-Formaten. "Wir stärken damit weiter unsere Informationskompetenz und schärfen unser journalistisches Profil", betonte der Vorstand. "Mit der neuen Inhouse-Nachrichtenredaktion werden wir in der aktuellen Berichterstattung flexibler agieren und die Inhalte über all unsere Plattformen ausspielen können. In Zeiten von Fake News, Verschwörungstheorien und Info-Bubbles der sozialen Medien liegt eine seriöse und unabhängige News-Berichterstattung mehr in unserer gesellschaftlichen Verantwortung als je zuvor." Es freue ihn besonders, "dass diese Aufgabe künftig in unseren eigenen Händen liegt und wir sie noch effektiver wahrnehmen können".

Wolfgang Link: Eigener News-Channel "derzeit kein Thema"

Laut Link sei "das Bedürfnis der Menschen nach unabhängigen und vor allem zuverlässigen Informationen spürbar gestiegen". Die Entwicklung der Marktanteile, gerade in Zeiten der Pandemie, zeige, "dass sich unsere Zuschauer diese Informationen gerne bei uns holen und großes Vertrauen in uns setzen". Das habe die ProSiebenSat.1 -Verantwortlichen "bestärkt, die Pläne für eine eigene Newsredaktion, an denen wir schon seit mehreren Jahren arbeiten, nun mit umso mehr Nachdruck umzusetzen".

Die neue Inhouse-Nachrichtenredaktion sei indes nicht als ein Zwischenschritt auf dem Weg zum eigenen News-Sender zu interpretieren, stellte Link klar. Ein News-Channel sei "noch mal eine ganz andere Hausnummer und derzeit kein Thema für uns".

Sven Pietsch, Chefredakteur der Seven.One Entertainment Group, nahm die gewichtige Hausmitteilung mit Freude zur Kenntnis. "Die zentrale Nachrichtenredaktion ermöglicht uns völlig neue Möglichkeiten in der aktuellen Berichterstattung, vor allem in puncto Flexibilität und der crossmedialen Ausspielung über alle Plattformen", gab er zu Protokoll. "Nach dem Aufbau der neuen 'akte.'-Redaktion in Unterföhring bündeln wir unsere Informationskompetenz und unser journalistisches Know-how mit der Inhouse-Nachrichtenredaktion und den bestehenden Magazinredaktionen noch stärker unter einem Dach."

In die gleiche Kerbe schlägt Henrik Pabst, Geschäftsführer der Seven.One Entertainment Group: "Wir bauen damit die Themen Aktualität, Information und Relevanz signifikant aus und setzen unsere erfolgreiche Strategie konsequent fort, lokalen Content aus eigener Hand zu produzieren." Er zeigte sich davon überzeugt, dass "eine hochwertige und unabhängige News-Berichterstattung" in einer "immer komplexer werdenden Welt mit auf Algorithmen basierten Informationsflüssen wichtiger denn je" ist.

Bereits seit zwei Jahren hat das ProSieben-Gelände im Osten Münchens Züge einer Baustelle. Der Umbau mündet in ein ehrgeiziges Projekt: Auf rund 26.000 Quadratmetern entstehen etwa 1.700 hochmoderne Arbeitsplätze, die zuvor auf mehrere Gebäude verteilt waren. Dem Spatenstich wohnte im September 2018 auch der Bayerische Ministerpräsident Dr. Markus Söder bei.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
Das könnte Sie auch interessieren