Sabine Postel hört 2019 beim "Tatort" auf eigenen Wunsch auf. Warum die Schauspielerin diese Entscheidung getroffen hat und wieso sie in der "Kanzlei" die Stellung hält, verrät die 63-Jährige im Interview.

Sabine Postel, 63, ist eine Marke im deutschen Fernsehen, speziell im Bremer "Tatort", den sie zusammen mit Oliver Mommsen als Ermittlerduo Lürsen und Stedefreund seit vielen Jahren prägt. Kürzlich jedoch das: Postel verkündet ihren Rücktritt aus dem Krimi-Format, 2019 ist Schluss. Immerhin: Neben Herbert Knaup ist sie weiterhin in der Anwaltsserie "Die Kanzlei" zu sehen. Das Erste zeigt neue Folgen ab 10. Oktober 2017, immer dienstags, 20.15 Uhr. Im Gespräch bekennt sich die meinungsfreudige Schauspielerin zu ihrer "hypermotorischen" Art und wirft den Senderverantwortlichen einen fahrlässigen Umgang mit der "Tatort"-Reihe vor.

prisma: Frau Postel, die neuen Folgen von "Die Kanzlei" werden ausgestrahlt. Wieder im Mittelpunkt: die lustigen Bürokonflikte, die Sie mit Ihrem Kollegen Herbert Knaup spielen. Machen diese Szenen auch besonders viel Spaß oder denken Sie auch manchmal: "Nun ist aber gut mit Klamauk?"

Sabine Postel: Diese Szenen machen vor allem Spaß. Ich finde auch nicht, dass Klamauk das richtige Wort ist.

prisma: Sondern?

Postel: Humorvoll finde ich passender, und humorvolle Geschichten dürfen in diesem Format meiner Meinung sogar gerne noch mehr Platz einnehmen. Was wir versuchen zu zeigen ist, dass sich Humor und Skurrilität oft aus ernsthaften Situationen ergeben.

prisma: Haben Sie und Knaup abseits der Serie einen ähnlichen Humor?

Postel: Ja, schon. Müssen wir ja auch, sonst könnten wir gar nicht über einen so langen Zeitraum zusammen arbeiten. Wir sehen uns ja öfter als viele Ehepartner (lacht). Wenn man da nicht einen gemeinsamen Humor hat, wird es anstrengend.

prisma: Was ist das für ein gemeinsamer Humor?

Postel: Ein trockener, sehr englischer. Oft ironisieren wir das, womit wir konfrontiert sind.

prisma: Haben Sie ein Beispiel?

Postel: Wir sagen nicht: "Oh, Mist, schon wieder zwölf Stunden am Stück drehen." Sondern: "Oh, wie schön, schon wieder zwölf Stunden am Stück! Dann müssen wir heute Abend ja doch nicht essen gehen und haben gar keinen Feierabendstress, herrlich!" (lacht)

prisma: Gibt es auch mal Konkurrenzgefühle?

Postel: Ich war und bin niemand, der einen Kollegen oder eine Kollegin wegbeißt. Eigentlich bin ich durch und durch ein sozialer, freundlicher Mensch. Das liegt an meiner Erziehung. Herbert Knaup und ich begegnen uns auf Augenhöhe, sind nicht mehr in der Not, uns beweisen zu müssen – allein aufgrund unserer Erfahrung. Und wenn man gemeinsam etwas machen und schaffen kann, also an einem Strang ziehen kann, finde ich das generell wunderbar. Das ist mit Herbert Knaup genauso wie mit Oliver Mommsen beim "Tatort".

prisma: Apropos "Tatort": Wenn Sie in anderthalb Jahren aufhören, hinterlassen Sie eine ziemliche Lücke im Programm.

Postel: Wie schön, dass Sie das sagen! Das tut mir gut!

prisma: Nur: Warum hören Sie eigentlich auf?

Postel: Tja, so genau weiß ich das auch nicht (lacht). Nein, im Ernst: Ich mache das jetzt schon seit 22 Jahren, Olli seit 15. Und nachdem wir im vergangenen Jahr die zweite Doppelfolge gedreht hatten, haben wir uns die Zeit genommen, um mal zu reden. Das mag blöd klingen, aber wir hatten tatsächlich beide das Gefühl, dass man aufhören sollte, wenn es am schönsten ist – und das war es zu dem Zeitpunkt.

prisma: Sie waren also nicht ausgepowert, sondern haben sich aus einem Bauchgefühl heraus für den Rücktritt entschieden?

Postel: Klar, Stress hat es während der "Tatort"-Arbeit auch gegeben, schließlich haben wir lange Drehtage. Da war man schon auch mal ein bisschen ausgeblutet.

prisma: Viel Zeit zum Durchschnaufen haben Sie allgemein nicht, denn neben dem "Tatort" gab und gibt es ja immer noch "Die Kanzlei".

Postel: Ich bin seit elf Jahren tatsächlich so was von eingekreist von diese beiden Formaten, dass ich nicht mal mehr zum Urlaubmachen komme. Ich drehe und drehe und drehe, Frau Postel brettert immer durch (lacht). Aber das ist schon auch in Ordnung, ich bin ja gesund und fit. Das Einzige, was ich habe, ist die Sehnsucht, neben den beiden Formaten auch mal einen ganz anderen Film zu drehen. Die Anfragen sind schließlich da.

prisma: Kennen Sie auch eine Sehnsucht nach Nichtstun?

Postel: Nein, ich bin da eher hypermotorisch. Bis ich runterkomme, muss ich schon wieder drehen (lacht). Und wenn ich mal nichts mache, also nicht arbeite, fahre ich zehn Tage nach Barcelona – natürlich mit dem vollen Kulturprogramm (lacht). Dabei kann ich dann die Seele baumeln lassen.

prisma: Vielleicht können Sie das ja auch beim "Tatort"-Schauen. Welchen Stellenwert hat der in Ihren Augen heute?

Postel: Sie sprechen da etwas Wichtiges an: Der "Tatort" ist kein Ritterschlag mehr für Schauspieler, wie er es einmal war. Die Rollen werden zwar immer noch mit sehr guten Schauspielern besetzt, aber das Ganze ist längst inflationär angelegt. Das finde ich schade. Jede Stadt möchte mittlerweile ein eigenes Team haben, und manchmal überleben diese Teams nicht sehr lange.

prisma: Was genau machen die Programverantwortlichen falsch?

Postel: Es wird nicht mit eingerechnet, dass ein Großteil des ARD-Publikums nach wie vor älter als 40 Jahre ist und sich über Kontinuität freut.

prisma: Können Sie sich vorstellen, den Bremer "Tatort" auch ohne das bewährte Lürsen/Stedefreund-Team im Fernsehen zu verfolgen?

Postel: Ja, ich gucke alle "Tatorte" grundsätzlich voller Sympathie und garantiert ohne Neid. Mich interessiert einfach, was die Kollegen da so machen. Ich bin eine der konservativen "Tatort"-Guckerinnen, die sonntagabends unbedingt auf dem Sofa sitzen wollen.

prisma: Dann sind Sie sicher auch froh, dass die Sommerpause vorbei ist.

Postel: Absolut, ich freue mich immer auf das Ende der Sommerpause. Dass wochenlang nur Wiederholungen gezeigt werden, finde ich fast fahrlässig.


Quelle: teleschau – der Mediendienst