Alle waren lieb zueinander am Dienstagabend. Genauso gemütlich, kuschelig und sympathisch wie gewohnt hat an dem Tag die fünfte Staffel von "Sing meinen Song – Das Tauschkonzert" begonnen. Hier wird niemand vorgeführt. Warum auch? Sämtliche Teilnehmer – darunter diesmal auch eine Schlagersängerin – sind seit Langem im Showbusiness und gestandene Musiker. Vielleicht brauchen einige von ihnen diese Sendung, um wieder etwas bekannter zu werden. Aber darüber sehen wir und die Kollegen auf der Couch, die wieder in Südafrika steht, großzügig hinweg.

Rea Garvey, Leslie Clio und ihre Kollegen nahmen sich gegenseitig feste in den Arm, nachdem sie die Lieder von Revolverheld-Frontmann Johannes Strate gecovert haben. Sie sagten einander, was für tolle Musik sie machen. Das geht bei ihnen runter wie Öl, und wenn die Stars nacheinander die Bühne betraten, zogen sie eine dünne Schleimspur hinter sich her. Aber das ist schließlich das Konzept und Erfolgsrezept der Show: Während auf allen Sendern die Ehrgeizigen um die Wette singen, tanzen, kochen und modeln, lehnen sich die Stars bei "Sing meinen Song" entspannt zurück. Sie haben der Welt bereits bewiesen, dass sie wer sind. Sie wollen jetzt einfach nur, dass das ein schöner Abend wird.

Mark Forster ist als Moderator knuffig und langweilig

Fast ein bisschen zu nett war es zum Auftakt dieser Staffel mit dem neuen Gastgeber und Moderator Mark Forster. Der Mann ist so glatt und harmlos, dass es langweilig ist. Den Liebeslied-Fachmann Johannes Strate fragte er etwas vorhersehbar, ob er Tipps für eine gute Beziehung hat. Am Anfang jeder Folge macht er ab jetzt ein Gruppenselfie. Forster ist schließlich jung und hipp, das sieht man auch an seinem schräg sitzenden Käppi. Immerhin ist zum Ausgleich die übrige Besetzung diesmal spannend: Mit Mary Roos, die Forster knuffig findet, ist zum ersten Mal eine waschechte Schlagersängerin dabei. Wie die wohl die wohl die Hits von Alphaville-Sänger Marian Gold ("Foreeeeever Young") interpretieren wird?

Die Gäste dürften sich ruhig mehr trauen

Die Kombi der Gäste ist gut, aber mutig waren die ersten Coverversionen am Dienstagabend trotzdem noch nicht. Sehr nah am Original trällerte Rea Garvey auf Deutsch und Englisch gemischt "Lass uns Gehen" von Revolverheld, Leslie Clio brachte selbstbewusst etwas mehr Schwung in den Deutschpop. Die gebürtige Hamburgerin ist die jüngste Teilnehmerin dieser Staffel. Zwar ist ihre Nase noch nicht so bekannt in Deutschland, aber dafür ihr Song "I Couldn't Care Less".

Immerhin wagte Judith Holofernes, die ehemalige Frontfrau von Wir sind Helden, etwas mehr und dichtete "Ich lass für dich das Licht an" kurzerhand um. In ihrer neuen Version des Revolverheld-Klassikers verriet sie unter anderem, dass sie für ihren Mann sogar den gemeinsamen Hund Wolfgang nennen würde. Besonders süß war das, weil klar war, dass das Lied eine Liebeserklärung an Holofernes Ehemann und ehemaligen Bandkollegen Pola Roy ist – die beiden haben einen gemeinsamen Sohn, der Friedrich heißt.

Völlig zu Recht gestand Johannes Strate der Holofernes den Sieg des Abends zu. Auch wenn es einen Sieger des Abends eigentlich gar nicht gibt, denn bei "Sing meinen Song" ist jeder Sieger, jeder kann seine neue Platte ein bisschen bewerben, wird ein bisschen in den Arm genommen und bekommt ein bisschen warmtriefendes Lob.