Hektische Szenen leiten den 20. Stuttgarter Tatort ein: die Szenen nur kurze Fetzen. Alles wirkt verstörend. Kurzatmig und aufbrausend zugleich. Und obendrauf gibt es dann auch noch eine Leiche: Ein 14-jähriges Mädchen wurde tot am Rande einer Fahrbahn in einer Wohngegend aufgefunden.

Fahrerflucht oder vorsätzliche Tötung? Schnell sollte es jetzt gehen, darüber sind sich die Ermittler Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare) einig. Doch da kommt die Stadt im Feierabendstau zum Erliegen. Leichentransporter, Gerichtsmediziner, Psychologe – sie alle sitzen fest. Die Ermittlungen stehen buchstäblich still. Einziger Lichtblick: Auch der Täter muss in der Kolonne ausharren.

Unbeirrt macht sich Lannert zu Fuß auf den Weg durch die Wagenschlange, um den Gesetzesbrecher zu fassen, bevor sich der Stau auflöst. Er begegnet kiffenden Berufsfahrern, schlägt sich mit spitzzüngigen Pensionisten herum und trifft erstaunlich oft auf resolute Damen der Extraklasse. Währenddessen spielt Kommissarkollege Bootz Kinderpsychologe und Ersatzdaddy zugleich – denn der einzige Zeuge ist drei Jahre alt und hat außer einer Kiste voll Spielzeugautos nur wenig Mitteilungspotenzial. Statt handfester Phantombilder gibt’s diesmal also nur Kleinkindkritzelei.

Langsam macht sich Unmut und Streitlust in der Kolonne breit. Wird der Stau zugunsten der Ermittlungen absichtlich aufrechterhalten? Und was ist eigentlich passiert? Mit überzeichneten, aber durchaus amüsanten, freiheitskämpferischen Charakteren wird der Zuschauer auch noch gegen Ende bei Laune gehalten. Allen voran ein vom Autodach Grölender, der die ganze Szenerie dann doch etwas skurril erscheinen lässt.

Neuartig, charismatisch und frech. Summa summarum ist der erste Stuttgarter Tatort nach der Sommerpause aber vor allem eines: mitreißend trotz Stillstand.