Charly Hübner spielt mal wieder den kleinen, unbeugsamen Mann. In einer Komödie über das Leben in einer abrissbedrohten ostdeutschen Provinzplatte.

"Am Ende wird alles gut", hat der Heinz immer gesagt. "Und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende." Jener Heinz, der im Film "Anderst Schön" (2015), den das Erste nun wiederholt, vom Schweriner Plattenbau-Hausmeister Roger Müller (Charly Hübner) zitiert wird, schwebt wie ein guter Geist über der Komödien. Und auch wenn "der Heinz" nie selbst in diesem Film auftaucht, so gibt er doch dessen Haltung vor: Nie aufgeben und dabei locker bleiben – so lautet die Devise im Hartzer-Land. Hätte man vor ein paar Jahren prophezeit, dass in einem Degeto-Film ein dicklicher Hausmeister mit alkoholkranker Mutter ein Ensemble ostdeutscher Loser-Figuren anführt, wäre man für verrückt erklärt worden. In der überaus lakonischen Komödie von Kinoregisseur Bartosz Werner ("Preußisch Gangstar") passiert allerdings genau das.

Auch ein Hausmeister braucht Liebe. Vor allem, wenn er schon um die 40 ist und immer noch mit seiner trinkenden Mutter (Renate Krößner) zu zweit in einer kleinen Hochhaus-Wohnung lebt. Irgendwo nahe der Ostseeküste steht sie noch – jene Plattenbausiedlung, die gerade nach und nach abgerissen wird. Dass die Rest-Bewohner dieser Häuser gegen das Verschwinden ihres Lebensraums protestieren, stört außerhalb des tristen Viertels wohl niemanden. Nur Roger wird nicht müde, sich in dem seiner dem Ende entgegentaumelnden Platte wie ein Vater um die Hausgemeinschaft zu kümmern und natürlich auch der vielleicht letzten neuen Mieterin des Gebäudes noch die fehlende Kachel über der Badewanne zu erneuern.

Jene neue Mieterin ist die alleinerziehende Mutter Ellen Bahlow (Christina Große), die mit Teenie-Tochter Jill (Emilie Neumeister) in die ostdeutsche Provinz geflohen ist. Eine Kneipe will sie hier übernehmen. Roger, der sofort amouröse Gefühle für die neue Mitbewohnerin hat, kann mit seiner unbeholfenen Art erst mal nicht bei Ellen punkten. Man sollte jedoch niemals die Beharrlichkeit des kleinen Mannes unterschätzen, den Charly Hübner hier mal wieder mit großer Authentizität verkörpert.

So etwas wie Aufbruch

Wolfgang Stauch, dessen dritter Rostocker "Polizeiruf" ("Einer für alle, alle für Rostock") Anfang des Jahres im Fernsehen lief, schrieb diesen Film nach einer Idee von Edda Leesch. Man mag das betont liebenswerte Ensemble der Hochhausbewohner manchmal ein wenig konstruiert finden: das trinkende Ex-DDR-Schlagersternchen (Steffi Kühnert), den liebenswerten Türken (Kida Khodr Ramadan), dessen Sohn Nazi-Symbole ins Treppenhaus schmiert, "weil es eben hier sonst keine andere Gang gibt, wo man mitmachen kann" ... – Unter dem Strich schafft es "Anderst Schön", in dieser tristen "Halbe Treppe"-Atmosphäre tatsächlich so etwas wie Aufbruch zu vermitteln. Dies passiert allerdings betont langsam, leise und feinsinnig.


Quelle: teleschau – der Mediendienst