"Das Pubertier" geht in Serie – und ist dank einer treffsicheren Romanvorlage, einem witzigen Drehbuch und starken Darstellern eine Familien-Comedy, die sich hinter internationalen Sitcom-Perlen keineswegs verstecken muss.

Es fängt an mit Stimmungsschwankungen und seltsamen Streits. Wenig später werden diese Phasen zum stressigen Dauerzustand zwischen entsetzten Eltern und genervten "Pubertieren". Eben lief noch die Verfilmung von Jan Weilers Bestseller "Das Pubertier" mit Jan Josef Liefers und Heike Makatsch als Eltern (Regie: Leander Hausmann) im Kino, nun startet die gleichnamige TV-Serie. Newcomerin Mia Kasalo spielt die Titelrolle, Pasquale Aleardi und Chiara Schoras sind die – auf dem Papier – Erziehungsberechtigten.

Übellaunig aggressives kleinen Monster

Jan Maybacher (Pasquale Aleardi) ist von Beruf Autor. Er lebt von seinen Kolumnen über das Familienleben. Seinen Kindern, der 13-jährigen Carla (Mia Kasalo, "Amlie rennt") und dem zehnjährigen Nick (Levi Eisenblätter), ist der Mittvierziger ein guter Vater aus Leidenschaft. Zudem schätzt er sich glücklich, immer noch mit seiner großen Liebe Sara (Chiara Schoras) verheiratet zu sein. Zwei Umstände, die Jans Leben über lange Jahre krisensicher machten. Doch nun ist bei Carla die Pubertät ausgebrochen. Verträge über "Zimmer aufräumen" oder "Flaschen wegbringen" hin oder her, die Eltern trauen sich kaum noch in den Wohnbereich ihres abhängenden, übellaunig aggressiven kleinen Monsters hinein.

Eines Morgens scheinen sich die Probleme Jan Maybachers ins Unermessliche zu steigern: Er findet im Bad einen positiven Schwangerschaftstest. Und damit nicht genug: Seine Eltern (Gisela Schneeberger, Dietrich Hollinderbäumer) wollen sich im Rentenalter scheiden lassen. Dazu steht Jans hysterische Single-Schwester (Henriette Richter-Röhl), die als chronisch erfolglose Architektin gerade das Haus des großen Bruders baut, mal wieder kurz vor dem Nervenzusammenbruch.

Moderne Familienunterhaltung

Na klar, "Das Pubertier" lebt von Überzeichnung und Zuspitzung. Zwei erzählerische Werkzeuge, ohne die Mainstream-Komödien nun mal nicht funktionieren. Der große Unterschied zwischen dieser und anderen deutschen Komödien und leichten Serien, die auf ein großes Publikum schielen: Hier stimmt die Qualität in Sachen Dialoge, Timing und Darstellung. Die Serie "Das Pubertier", deren sechs Teile das ZDF immer donnerstags, um 20.15 Uhr, ausstrahlt, ist im besten Sinne moderne Familienunterhaltung.

Situativ so schräg und mit Wortgefechten zum Zungeschnalzen ausgestattet, dass auch anspruchsvolle Konsumenten – vor allem jene mit Jugendlichen im Familienhintergrund – ihre helle Freude haben dürften. Andererseits ist diese neue ZDF-Familie mit ihrer hellen Tonalität, der temporeichen Erzählweise und viel Popmusik auch mainstreamig genug, dass sowohl Pubtertiere wie auch deren Eltern Spaß an dem viereinhalb Stunden langen Parforceritt durch die stressigste Zeit des Familienlebens haben könnten.

Chapeau, ZDF. Wenige Dinge im Fernsehen sind schwieriger als anspruchsvolle Komödien herzustellen. Zumal solche, die auch in der breiten Masse verstanden und gemocht werden. Das Angebot stimmt, nun müssen die Zuschauer entscheiden, ob sie das derzeit schmissigste Produkt des Senders in Sachen Komödie annehmen.


Quelle: teleschau – der Mediendienst