Die Fortsetzung des Grusel-Schockers "Conjuring – Die Heimsuchung" macht keine Gefangenen.

Die Masse ödester Horror-Produktionen ist erdrückend, die glänzenden Perlen hingegen rar gesät. Eine dieser seltenen Ausnahmen erblickte das Publikum 2013 in James Wans Erfolgsfilm "Conjuring - Die Heimsuchung". Basierend auf wahren Ereignissen widmete sich der klassisch konzipierte Schocker im Retro-Stil einem renommierten Geisterjäger-Paar, das in den 70er-Jahren tatsächlich Spukhäuser von Dämonen zu befreien suchte. Nach dem Ableger "Annabelle", der 2014 die Geschichte der gleichnamigen Stoffpuppe aus dem Film erzählte, greift "The Conjuring 2" (2016) die ursprüngliche Handlung wieder auf. Abermals stützt sich Horror-Meister Wan dabei auf Geschehnisse, die tatsächlich stattfanden. ProSieben zeigt sein Werk zu später Stunde in einer TV-Premiere.

Zugegeben, es gibt bereits etliche Poltergeist-Filme und auch "The Conjuring 2" ist im Grunde nichts anderes: Das historisch reale Ehepaar Ed (Patrick Wilson) und Lorraine Warren (Vera Farmiga) verbringt die Jahre nach dem ersten Spuk damit, weiteren von Geistern und Dämonen heimgesuchten Familien zu helfen. Dabei stolpern die beiden auch über den berühmten Amityville-Horror, der sie vor ihre bislang größte Aufgabe stellt. Ein Dämon verfolgt die Warrens danach, sogar bis in ihre eigenen vier Wände.

Im Londoner Stadtteil Enfield terrorisiert währenddessen ein Geist die Familie Hodgson, ergreift immer wieder Besitz von der jüngsten Tochter Janet (Madison Wolfe). Die alleinerziehende Mutter Peggy (Frances O'Connor) und ihre vier Kinder werden Tag und Nacht heimgesucht. Das Problem: Die Kirche und vor allem die Wissenschaftlerin Anita Gregory (Franka Potente) glauben, die Kinder würden einen Streich spielen und verweigern die Hilfe.

Regisseur James Wan inszeniert diesen Horror-Schocker in einem außergewöhnlichen Stil: Oft fliegt die Kamera frei durch das Haus, Schnitte werden gekonnt versteckt, Wände oder Fenster ignoriert. Es fühlt sich fast an, als wäre man selbst ein Geist, der im Haus der Hodgsons herumfliegt.

Wan ist im Horrorgenre schon lange kein Neuling mehr, drehte moderne Klassiker wie "Saw" und "Insidious". Mit "The Conjuring 2" liefert der Meister aber seinen bislang homogensten und geradlinigsten Film ab. Da ein Poltergeist-Film selten Neues birgt, wiederholen sich auch hier dieselben Genreklischees und Konventionen. Das ist allerdings so clever, modern und furchteinflößend inszeniert, wie selten zuvor – oft genug will die Hand vor die Augen schnellen! Auch wenn die entspannenden Passagen zwischen den intensiven Horrorszenen Gefahr laufen, sich im Kitsch zu verlieren, ist "Conjuring 2" ein toller Schocker mit starken Charakteren.

2017 folgte eine erfolgreiche Fortsetzung zu "Annabelle", diesen Sommer avancierte "The Nun" zum bislang lukrativsten Teil des "Conjuring"-Universums, das mittlerweile fünf Filme zählt. Mit den dritten Teilen zu "Annabelle" (Juli 2019) und "Conjuring" (September 2020) stehen bereits zwei weitere Grusler in den Startlöchern. James Wan wird dem Franchise als Produzent und Autor treu bleiben. Als Regisseur tritt er derzeit wieder in Erscheinung – am 20. Dezember startete seine langersehnte DC-Comic-Verfilmung "Aquaman" mit Jason Momoa in den Lichtspielhäusern.


Quelle: teleschau – der Mediendienst