Der fünfte Teil im "Conjuring"-Universum entführt den Zuschauer in die finsteren Hallen eines rumänischen Klosters. Das Setting ist gruselig, die Geschichte aber erschreckend formelhaft.

Mit dem Spukstreifen "Conjuring – Die Heimsuchung" legte Schock-Experte James Wan ("Saw", "Insidious") 2013 den Grundstein für eines der erfolgreichsten Horrorfilmuniversen aller Zeiten. Neben einer direkten Fortsetzung, die 2016 in die Kinos kam, erblickten auch das Spin-off "Annabelle" und dessen Prequel "Annabelle 2" das Licht der Welt und ließen die weltweiten Einspielergebnisse des Horrorfranchise insgesamt auf mehr als 1,2 Milliarden Dollar ansteigen. Angesichts dieses durchschlagenden Erfolges muss es nicht verwundern, dass die Macher rund um Mastermind Wan ihren Gruselkosmos weiter ausbauen. Das neueste Kapitel trägt den Titel "The Nun" und erzählt von den Ursprüngen einer dämonischen Ordensschwester, die bereits in "Conjuring 2" kurz in Erscheinung trat.

Der von Corin Hardy (debütierte mit dem folkloristischen Schauerbeitrag "The Hallow") inszenierte und von Gary Dauberman ("Annabelle", "Annabelle 2") geschriebene Horrorthriller entführt den Zuschauer in das Jahr 1952, in dem sich eine junge Nonne in einem abgeschiedenen rumänischen Kloster das Leben nimmt. Um die Hintergründe des mysteriösen Freitods zu erforschen, entsendet der Vatikan den traumatisierten Priester Burke (Demián Bichir, "A Better Life") und die Novizin Irene ("American Horror Story"-Dauergast Taissa Farmiga), die in Kürze ihr Gelübde ablegen soll. Bei ihren Untersuchungen stoßen die beiden auf ein düsteres Geheimnis und müssen sich schließlich gegen einen bösen Geist zur Wehr setzen, der in Gestalt der titelgebenden Nonne (Bonnie Aarons) Angst und Schrecken verbreitet.

Für Schlagzeilen sorgte Hardys zweite Regiearbeit bereits Mitte August, als YouTube sich gezwungen sah, einen gruseligen Werbe-Teaser zu "The Nun" nach massiven Nutzerbeschwerden aus dem Programm zu nehmen. Der fertige Film wartet zweifelsohne mit einigen wirkungsvollen Schockmomenten auf, bei denen vor allem Genre-unerfahrene Zuschauer zusammenzucken dürften. Handwerklich bietet der fünfte Eintrag in der lose verbundenen "Conjuring"-Reihe solide Horrorkost, wenngleich die Macher im Bestreben, eine unheilvolle Stimmung zu erzeugen, manchmal – Stichwort: Nebelschwaden – etwas dick auftragen.

Das abgelegene, heruntergekommene Kloster mit seinen verwinkelten, schummrig ausgeleuchteten Gängen ist ein angemessen unheimlicher Schauplatz, in dem sich jedoch eine ernüchternd formelhafte Geschichte entspinnt. Weder der Ursprung der furchteinflößenden Antagonistin noch der Handlungsverlauf sind, von kleinen Ausnahmen abgesehen, sonderlich überraschend oder originell. Vielmehr bedient sich Drehbuchautor Dauberman bevorzugt altbekannter Klischees und zeigt noch dazu wenig Interesse für die Hintergründe seiner Protagonisten. Sowohl Irene als auch Burke kämpfen mit inneren Dämonen, die durch ihre Ermittlungen neue Nahrung bekommen. Statt tiefer zu graben, um die Bindung zum Publikum zu forcieren, belässt es der Film aber bloß bei Stichworten und zeichnet eine recht holzschnittartige Figurenentwicklung an die Wand. Ein starker emotionaler Nachhall ist dadurch nicht gegeben. Und das, obwohl mit Taissa Farmiga und Demián Bichir zwei versierte Darsteller vor der Kamera standen. Angesichts der dürftig ausgearbeiteten Rollen kann man ihnen allerdings keinen großen Vorwurf machen.

Den Eindruck eines grob gestrickten, uninspiriert zusammengebastelten Horrorbeitrags verfestigt auch die einseitige Darstellung des rumänischen Handlungsortes, der an einer Stelle sogar explizit als mittelalterliche Provinz beschrieben wird. Besondere Nuancen darf man von einem Franchise-Film wie diesem sicher nicht erwarten. Der Hollywood-typische Hang zur Schwarz-Weiß-Malerei stößt aber doch ein wenig säuerlich auf.


Quelle: teleschau – der Mediendienst