23.12.2018 Neuer Fall aus Freiburg

"Tatort: Damian": Die Heimat schrulligster Figuren

von Florian Blaschke
Fantastisch aufspielendes Paar: Lena Klenke und Thomas Prenn
Fantastisch aufspielendes Paar: Lena Klenke und Thomas Prenn  Fotoquelle: SWR

Im Schwarzwald stolpern Franziska Tobler und Luka Weber von einem Fall zum nächsten – dabei wäre es endlich an der Zeit, mal wieder zu schlafen.

TV-Tipp

"Tatort: Damian"

Sonntag, 23. Dezember

20.15 - 21.45 Uhr

ARD

Dass Ermittler in Krimis nicht vorankommen, ist nicht selten. Doch in Freiburg, da wird die bleierne Schwere greifbar, die sich über die Wochen angesammelt hat, in denen Franziska Tobler (Eva Löbau) und Luka Weber (Carlo Ljubek) in dem Doppelmord an einem Liebespärchen ermitteln. Übermüdet und gereizt irren die beiden jedoch nicht nur durch diese Ermittlungen, sondern schon zum nächsten Fall – einer in einem Unterstand verbrannten Leiche. Sie irren von Spur zu Spur, von Verhör zu Verhör und mit jedem Schritt fällt es Ihnen schwerer, ihre Motivation aufrecht zu erhalten.

Der Zuschauer aber, er stochert genauso im Dunkeln wie die beiden Ermittler – mehr noch: Er wird darüber hinaus verwirrt von dem, was um einen gewissen Damian Rombach (Thomas Prenn) herum passiert, von seinem nervösen Verhalten. Wobei nervös noch untertrieben ist. Der junge Mann scheint Stimmen zu hören, sich verfolgt zu fühlen, unter enorm hohem Druck zu stehen. Nicht nur aufgrund seines fordernden Jurastudiums.

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Dieser Tatort, er ist schwer auszuhalten. Nicht nur aufgrund der Staubigkeit, die über allem liegt – über dem Präsidium, der Landsmannschaft, in der dieser Damian Mitglied ist, den Milieus, in denen Tobler und Weber ermitteln, den Schlagern, die aus den Radios plätschern. Selbst Cornelia Harms (Steffi Kühnert), eine Kollegin aus der polizeilichen Beratergruppe, die in der Abteilung der Kripo nach dem Rechten schauen und die Arbeitsweise durchleuchten soll, wirkt eher wie eine übereifrige Version der Prusseliese aus Pippi Langstrumpf.

Auch das Personal ist nur erträglich, weil im Hintergrund ein zarter Spannungsbogen alles zusammenhält, die Geschichte vorantreibt, wenn auch quälend langsam. So quälend, wie auch das Schauspiel eines Thomas Prenn, dem dieser Damian in seiner ersten großen Rolle gleich alles abverlangt, der diese Herausforderung jedoch nicht nur meistert, sondern eine Glanzleistung abliefert.

Oder das, was Johann von Bülow in seinen Peter Trelkovsky hineinlegt, einen weiteren Verdächtigen, der in diese Geschichte tritt und aus dem Schwarzwald um Freiburg herum die Heimat schrulligster Figuren macht, deren Leben aus Sex und Suff besteht, aus Biederkeit und dem Versuch, daraus auszubrechen. Und dann wäre da auch noch Lena Klenke, die als Damians Freundin Mia Korf so etwas wie ein Gegengewicht darstellt, die irgendwo zwischen dem Sog der Gesellschaft und einer spürbaren Freiheit pendelt – und der das Drehbuch gerne etwas mehr Tiefe hätte zugestehen können. Lena Klenke hätte sie verdient gehabt.

Das alles ist teils anrührend, teils verstörend, zu keinem Zeitpunkt aber alltäglich. Und zum Ende hin, da wird es tragisch und so schmerzhaft wie vieles in dieser Geschichte auch für die Protagonisten ist. Denn das Leben kann verdammt schwer auszuhalten sein. So wie mancher Krimi auch.

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