Sein Männermoden-Geschäft in der Maximilianstraße war weit über München hinaus bekannt. Der Modezar Rudolph Moshammer aber war eine schillernde Figur – belächelt und geliebt. Im Film "Der große Rudolph" spielt ihn Thomas Schmauser kongenial.

Wer war dieser Modemacher namens Rudolph Moshammer, dessen Nachname sich so herrlich verballhornen ließ, den zu Lebzeiten die breite Masse schmunzelnd verachtete, während sich Neureiche und Adelige von ihm nach der Devise "Kleider machen Leute" ausstaffieren ließen? Modemacher, Menschenfischer, ein geschickter Kaufmann? Ein Wohltäter der Armen oder doch bloß ein Eulenspiegel, der den Schein mit dem Sein vertauschte?

Der 45-jährige Thomas Schmauser, gebürtiger Franke, verkörpert den Parademünchner in Alexander Adolphs zwischen Fakten und Fiktion, zwischen Groteske und Melodram changierendem Fernsehfilm "Der große Rudolph" (Mittwoch, 19. September, 20.15 Uhr, ARD) auf grandiose Weise, ohne letzte Antworten zu geben. Es ist die Momentaufnahme eines schillernden Charakters im konsumgäubigen München der frühen 80er-Jahre.

prisma: Rudolph Moshammer war ein Paradiesvogel und Modemacher ohne Schneiderlehre, der zu Lebzeiten belächelt, aber nach seinem Tod als Wohltäter wie ein Heiliger verehrt wurde. Wie ordnen Sie diese schillernde Figur ein?

Thomas Schmauser: Das Volk verehrt ja immer die gefallenen Helden. Im Nachhinein ist man sehr schnell mit dem Verehren. Aber während Moshammer gelebt hat, hat er es nicht leicht gehabt. Man hat ihn, den Mann mit dem Hündchen im Arm und der Mutter an seiner Seite, verlacht und nicht ernst genommen. Man hat ihn auch gerne vorgeführt – typisch für unsere Gesellschaft.

prisma: Haben Sie Sympathien für ihn?

Schmauser: Ja. Ich mochte ihn schon immer. Ich habe ein großes Faible für Leute, die quer zur Gesellschaft existieren, die einen eigenen Traum von sich entwickeln, die nicht im Mainstream schwimmen – das beeindruckt mich sehr.

prisma: Kannten Sie den Laden in der Maximilianstraße?

Schmauser: Ich war ja schon vor meiner Zeit an der Falckenberg-Schule, also in den Neunzigern, ab und zu in München unterwegs. Wenn man da am Laden vorbeiging, guckte man in eine andere Zeit, in eine bizarre Welt. Man sah einen König, um den herum eine besondere Kulisse existierte. Man wusste natürlich nicht, woher dieser Reichtum kam, womit Moshammer das Geld verdiente.

prisma: Wie war es, diesen König mit der Luwig II-Frisur, den manche ja ein "wandelndes Neuschwanstein" nannten, zu spielen?

Schmauser: Es geschah alles komischerweise ganz unbewusst. Alles war auf einmal da beim Casting. Ich habe mich absichtlich nicht zu sehr vorbereitet, um bei einer Ablehnung nicht enttäuscht zu sein. Ich wusste gar nicht, wie die Produzenten auf mich gekommen sind. Erst beim Schminken, mit der Maske, war auf einmal der Charakter da, er kam so plötzlich wie ein Gespenst.

prisma: Wie viel Humor erlaubten Sie sich bei der Interpretation? Während die meisten Figuren um Sie herum eher satirische Züge tragen, lassen Sie Moshammer seine Würde unter der Maske. Auch das wunderbare Ladenmädchen Evi, von Lena Urzendowsky gespielt, die Unschuld vom Lande, hat eine große eigentümliche Würde ...

Schmauser: Der Film ist ja keine Satire. Satire geht einen Schritt weiter, sie ist bizarrer, wie etwa bei Dietl in "Kir Royal". Ich sehe den Film eher als eine poetische Komödie – komödiantisch, aber nicht grell. Weil Moshammer nicht mehr lebt, finde ich es auch viel fairer, so umzugehen mit diesem Leben.

prisma: Gewisse Seiten sind ausgeklammert, der Film zentriert sich sehr stark ums Geschäft, um Moshammer, das Verkaufstalent, und seine heiß geliebte Mutter, die Hannelore Elsner spielt. Der Mord von 2005, die Homosexualität als gesellschaftliches Problem – all das fehlt ...

Schmauser: Ich behaupte, das spielt doch sehr mit, wenn man da genau hinsieht. Aber ich wollte nicht, dass diese intime Seite, so wie Moshammer selbst ja auch, in der Öffentlichkeit zur Schau gestellt wird. Es wäre falsch, hätten wir einen Film über sexuelle Eskapaden gemacht, über die wir nichts wissen. Er führte ja auch ein zurückgezogenes, heimliches Leben. Die Art, wie er im Film andere Männer beobachtet und mit ihnen umgeht, verrät eine Art Sehnsucht. Sie wird aber nicht szenisch ausgelebt.

prisma: Die Wohltätigkeit gegenüber Obdachlosen hat das Bild Mooshammers nach seinem Tod in der Öffentlichkeit weitgehend mitbestimmt. War das echt oder doch nur Staffage?

Schmauser: Ich glaube, er wollte eigentlich gar keine Presse darüber haben. Es war ihm ein ganz geheimes Anliegen. Zur Öffentlichkeit wurde er von anderen verführt. Er neigte zum großen Gefühl, er war kein Mensch, der so etwas glücklich kommunizieren konnte. Aber es war ihm ernst mit der Hilfe für Arme und Obdachlose, davon bin ich überzeugt.

prisma: Sie sind gebürtiger Oberfranke, kommen aus Burgebrach in der Nähe des Steigerwalds, und leben jetzt verheiratet seit vielen Jahren in München, wo Sie am Theater spielen. Fühlen Sie sich als Münchner? Den Moshammerschen Dialekt sprechen Sie im Film geradezu perfekt ...

Schmauser: Ich bin ein glücklicher Münchner. Die Schauspielschule war für mich das Tor zu einer anderen Welt. Nach der Lehre bei der Sparkasse Bamberg bedeutete München für mich die große Welt. Das ist heute noch in mir drin. Im Übrigen definiere ich mich nicht als Bayer oder Franke, ich war ja elf Jahre in Hamburg am Thalia-Theater, ich habe mich nie über Städte oder Regionen definiert. München mag ich vor allem wegen der Umgebung, wegen seiner Nähe zum Süden.

prisma: Wie war der Schritt vom Banklehrling zur Schauspielschule?

Schmauser: Es war eher eine komplizierte Zeit. Ich hab' da noch fränkischen Dialekt gesprochen, die wollten mich wieder rausschmeißen deswegen. In der Dieter-Dorn-Zeit bin ich da sehr angeeckt. Ich wusste, ich würde einen harten Weg vor mir haben. Ich habe dann den Dialekt beiseitegeräumt und habe mir dieses komische Hochdeutsch zurechtgeschnitzt, damit ich in der großen, weiten Schauspielerwelt bestehen kann. Aber mein fränkischer Dialekt wird immer noch gepflegt.

prisma: Dem großen Publikum wurden Sie ja vor allem als Kommissar im Frankenkrimi bekannt, in dem der Dialekt eine wichtige Rolle spielt.

Schmauser: Leider wurde der Frankenkrimi zum großen "Tatort" umgepolt. Dabei finde ich kleinere, intimere Projekte viel spannender als Filme, die von vornherein auf eine große Publikumsfläche zielen. Aber ich spiele gerade im neuen HR-"Tatort" in einer Art Polizeiapokalypse mit Ulrich Tukur einen Menschenfresser. Ich habe also die Seite vom Kommissar zum Täter gewechselt. Im richtigen Leben bleibe ich aber ein Menschenfreund – und ein großer Pferdeliebhaber bin ich im Übrigen auch. Gerade schaue ich meinem Pferd beim Fressen zu, es ist sehr entspannend.


Quelle: teleschau – der Mediendienst