ZDF-Reihe

"Tonio & Julia – Nesthocker": zwischen Priesterseminar und Dirndlladen

von Wilfried Geldner

Dorfpfarrer Tonio (Maximilian Grill) und Therapeutin Julia dürfen auch im siebten Film der Reihe nicht zueinander finden, weil es das Zölibat verbietet. Dafür aber einer Mutter und ihrem in Schwierigkeiten steckenden Sohn helfen.

ZDF
Tonio & Julia – Nesthocker
Komödie • 29.03.2020 • 20:20 Uhr

Herrgottszeitensakrament! – Es könnte so schön sein, das Leben im Tölzer Land. Vorne der Kirchturm und hinten die Berge. Zwei wirklich nette Menschen: der junge Herr Pfarrer, so schön und schwarzhaarig, und die resche Therapeutin mit ihrem wild gelockten Haar. Doch Julia (Oona Devi Liebich) und Tonio (Maximilian Grill) sind wie zwei Königskinder, sie können nicht zueinander kommen, denn das Wasser des Zölibats und der Isar, es war so tief.

Mit diesem "Dornenvögel"-Thema spielen die Sonntags-Herzkino-Macher des ZDF (Produktion: studio.tv, Tochter von ZDF-Enterprises) in der Reihe "Tonio & Julia" so anhaltend und spießig augenzwinkernd, dass man meinen möchte, es gebe kein Morgen – geschweige denn ein Heute. Allenfalls durch die Blume (Maiglöckchen?) dürfen sie sich ihre Liebe zueinander bekennen, die Dorhelfer in den Diensten der Kirche: Pfarrer Tonio und die Therapeutin Julia.

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Die Darsteller Maximilian Grill und Oona Devi Liebich geben unter der Regie von Bettina Woernle jedesmal wieder ihr Bestes, wenn sie sich unausgesprochen ihre Liebe gestehen und der Toni zur Juli sagt: "Du hast recht gehabt. Ich bin dir ausm Weg gegangen!" Die Julia weiß dann immer: "Es ging nicht anders", und er weiß, dass sie es weiß.

Liebäugelnd mit der Entscheidung für oder wider die Zölibatskirche, geht das so hin, inzwischen bald geschlagene acht Folgen lang (Folge acht am 05.04.). Im Anblick der ersten Folge 2018 hätte man das nicht für möglich gehalten. Zu herzig das alles, zu Geierwally-mäßig und zu heimatverliebt strahlte das Oberbayern-Grün, und die Therapie-Auftritte der Gastspieler wirkten schon damals recht trivial. Wegziehen oder bleiben? Diese Frage stellt sich Julia immer mal wieder, und der Toni weiß nicht so recht, ob er sich vom Herrn Generalvikar als Ausbilder ins Priesterseminar stecken lassen soll.

Zwei namens Tanja und Andi, Mutter und Sohn, sind diesmal die Episodengäste. Andi tanzt Tanja (Therese Hämer) auf der Nase herum. Er hat seinen Job verloren und Mietschulden gemacht. Die Mutter, Besitzerin eines Dirndlladens, blecht für ihn. Aber die Geschichte geht dann so weiter, dass der Andi beim Schreiner Werkzeuge klaut und sie im Trödelladen verkauft, um der Mutter das Geld zurückzugeben. Weil die Trödlerin (Franziska Schlattner) die Hehlerei im Beichtstuhl gesteht, greift Pfarrer Toni unter Vernachlässigung des Beichtgeheimnisses ein und rettet den schon bekehrten Andi auf seiner Flucht nach Rosenheim.

Mag sein, Eskapismus ist für so eine Serien-Maiandacht ein zu großes Wort. Aber muss das sein, dass man sich so weltflüchtig davon stiehlt aus der Gegenwart, hinein ins Biedermeier des 19. Jahrhunderts? – Toni, der Pfarrer, hat sich in der Folge mit dem Titel "Nesthocker" dann gegen das Lehramt im Priesterseminar entschieden. Weil er nicht weiß, "ob das überhaupt noch sinnvoll ist". Da ist der Toni gewissermaßen aus dem Biedermeierbild herausgehüpft und hat dem Vikar die Meinung gegeigt. Ob so was auch schon der neuen Bischofskonferenz gefällt?

Tonio & Julia – Nesthocker – So. 29.03. – ZDF: 20.20 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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