ARTE-Doku

"Whitney – Can I Be Me": Der tiefe und tragische Fall einer Ikone

von Eric Leimann

Die Doku zeichnet den Abstieg der supertalentierten und erfolgreichen Sängerin Whitney Houstin bis hin zum Drogentod mit 46 Jahren nach.

ARTE
Whitney – Can I Be Me
Dokumentarfilm • 17.07.2020 • 22:05 Uhr

Als Jugendliche war sie ein erfolgreiches Model. Mit 19 unterzeichnete das schöne Mädchen mit der großen Stimme seinen ersten Plattenvertrag. Entdecker Clive Davies, einer der großen Strippenziehner des amerikanischen Music Biz, wusste damals bereits, dass er mit einer künftigen Ikone arbeitet. Alle Faktoren stimmten – und der Erfolg Whitney Houstons war dann auch größer, als alle Showkarrieren schwarzer amerikanischer Frauen zuvor: 170 Millionen verkaufte Tonträger, Filmruhm mit "Bodyguard" und Grammys ohne Ende. Doch Houston bleibt auch als Popstar im Gedächtnis, an dessen Abstieg die Welt immer mehr staunend teilnahm. In der schwarzen Community war ob des poppigen Sounds, der ihr verpasst wurde früh, von Ausverkauf die Rede. Das Mädchen mit dem Sauberimage hatte immer mehr Mühe, ihrem von Drogen und Verzweiflung gezeichneten Leben noch so etwas wie eine Restfassade glücklicher Professionalität anzuheften.

Der britische Filmemacher Nick Broomfield ("Kurt & Courtney") zeichnet über 100, oft quälende Minuten den Abstieg dieses Superstars nach. Besonders stark ist sein Film, für den weder Ex-Ehemann Bobby Brown noch die überstrenge Mutter Cissy Houston Interviews gaben (die Mutter gab ihren Segen einem anderen biografischen Filmprojekt) – wenn der Regisseur auf Bilder des Österreichers Rudi Dolezal zurückgreift, der Houston während ihrer Welttournee 1999/2000 sehr nah mit der Kamera begleitete. Dolezal, der als Co-Regisseur Broomfields genannt wird, liefert die besten Bilddokumente des Films, wenn er während der Konzerte, Backstage oder im Hotel ganz nah an das Mienenspiel der Sängerin heranzoomt und man deren Ekstase und Verzweiflung intensiv wie in kaum einem anderen Dokumentarfilm über eine berühmte Person unverstellt ablesen kann.

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Doch warum lag Whitney Houston mit 46 Jahren tot in der Badewanne? Ein Zustand, auf den enge Vertraute – wie es im Film von einer Interviewten heißt – mindestens zehn Jahre lang gewartet haben. Die Liebe und Ehe zu Sänger Bobby Brown, einem Paar, das in Co-Abhängigkeit mit intensivem Drogen- und Alkoholmissbrauch lebte, war ein Grund. Weitere waren: die überehrgeizige, strenge Mutter oder der Finanzstreit mit dem geliebten, sterbenden Vater. Und nach dem Ausstieg ihrer engen Freundin, Lebensbegleiterin und auch zeitweise Geliebten Robyn Crawford aus dem Houston-Tross auch immer mehr: fehlende Freunde. Dazu kam ihr Problem, mit dem Weltruhm umgehen zu müssen, was dem klugen Mädchen aus New Jersey nun post mortem die Film-Titelzeile "Why Can I Be Me" einbrachte.

Der 2018 veröffentlichte Dokumentarfilm läuft bei ARTE als deutsche Erstaufführung im Rahmen des "Summer of Dreams". Um Träume geht es in diesem harten Abstiegsdokument eher am Rande. Houston, die von ihrer Mutter früh in die Rolle einer Karriere gedrängt wurde, die diese selbst gern als Sängerin gemacht hätte, zog öffentlich die Showmaske meist ihrem echten Gesicht vor. Solange, bis es in der Spätphase der Karriere nicht mehr ging. Mit der extra-nahen Beobachtung seines Objekts – zahlreiche private Videos sind ebenfalls Teil des Trips – ist "Whitney – Can I Be Me" eher ein Albtraum von einem Leben, als ein Traum.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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