Die sechsteilige A&E-Dokumentation "Wir sind Jane" begleitet eine 28-jährige Amerikanerin, die unter einer dissoziativen Identitätsstörung leidet. In Jane existieren insgesamt neun Persönlichkeiten, an deren Leben der Zuschauer über viereinhalb Stunden teilnimmt.

Der auf Biografien und Dokumentationen spezialisierte Pay TV-Sender A&E hat vom 23. bis 25. März (jeweils 20.15 Uhr) eine Dokumention im Programm, wie man sie so wohl noch nicht gesehen hat: "Wir sind Jane" (im amerikanischen Original: "Many Sides of Jane) schildert über drei Doppelfolgen das Leben der 28-jährigen Jane Hart aus Boise, Idaho. Die alleinerziehende Mutter zweier Jungs leidet an einer dissoziativen Identitätsstörung (DIS). Vor allem in Stresssituationen nimmt sie insgesamt neun unterschiedliche Persönlichkeiten an, hinter denen ihr "normales Ich" dann komplett verschwindet.

Fast alle Persönlichkeiten tragen Namen, sie weisen ein unterschiedliches Alter auf (von sechs bis 28 Jahren) – und sie haben völlig unterschiedliche Eigenschaften. Das Einfangen der "many sides of Jane" mit der Kamera war wohl nur möglich, weil die Protagonistin der Langzeit-Doku viele Situationen mit einer privaten Kamera in ihrer Wohnung filmte.

Der besondere Twist des Projekts über die doch recht üppige Dokuzeit von viereinhalb Stunden ist, dass Jane, drei Jahre nach Diagnose ihrer Krankheit, sich gemeinsam mit den Filmemachern auf die Suche nach dem Auslöser für ihr Leiden macht. Dabei kommen neben Jane auch Familienmitglieder, Partner, Freunde sowie Wissenschaftler und Therapeuten zu Wort.

Etwas gewöhnungsbedürftig ist das Programm trotz seines interessanten, höchst ungewöhnlichen Themas dennoch. "DIS-Patienten werden von ihrer Umwelt oft abgelehnt", sagt ein Experte in Folge eins, "weil man denkt, die Leute spielten einem ständig etwas vor." So gesteht ein Partner Janes, dass die Beziehung darunter leide, wenn seine Freundin plötzlich sechs oder zehn Jahre alt wäre und "höchstens Umarmungen" als Körperkontakt zugelassen würden. Auch mit "Madison", einer 28-jährigen Homosexuellen, die durchsetzungsstark feministische Züge aufweist, hat der Freund ein Problem. "Madison" ist eine der erwachsenen Persönlichkeiten Janes.

Auch auf den Zuschauer überträgt sich jene Skepsis, über die der Wissenschaftler spricht. Jeder, der mit Trash-Programmen und "scripted reality" Erfahrung gesammelt hat, wird bei "Wir sind Jane", das zudem auf sehr amerikanische Art auf die Karte Emotion setzt, irgendwo im Hinterkopf daran zweifeln, ob "die Zustände" Janes zu 100 Prozent realistisch sind. Denn selbst, wenn die A&E-Doku hochseriös sein mag, ihre ungewöhnliche Protagonistin und wie sie in Szene gesetzt wurde, lassen natürliche Zweifel am Bildmaterial aufkommen. Leider – wie der Experte in Folge eins bereits sagte – ein Nebeneffekt der Krankheit, über die man in der XXL-Beobachtung Janes aber dennoch eine Menge erfährt.


Quelle: teleschau – der Mediendienst