Der Dortmunder Tatort ermittelt zwischen Zechenromantik und Reichsbürger-Szene. Teils trostlose, teils stimmungsvolle Mischung aus Ruhrpottromantik und Kriminalkomödie. 

"Hey, Leute! Wir trinken jetzt erst mal alle gemütlich ein Pils, ja, und warten auf Andreas", versucht Kneipenbesitzerin Frederike Kropp (Mona Kloos) ihre Kundschaft zu beruhigen. Doch Andreas Sobitsch (Daniel Fritz), der wird nicht mehr kommen. Denn den haben Peter Faber (Jörg Hartmann) und seine Kolleginnen kurz vorher aus einem Kanal in Dortmund gezogen. Mausetot. Und als Ralf Tremmel (Thomas Lawinky) und die Kumpel, die sich da in der Kneipe von Frederike getroffen haben, um über Entschädigungen für Bergbauschäden an ihren Häusern zu beraten, das erfahren, da hilft auch kein Pils mehr. Da muss Schnaps her.

Doch nicht nur bei den Kumpel herrscht dicke Luft, im Kommissariat sieht es nicht besser aus. Faber hängt immer noch an diesem alten Fall um Markus Graf, den Vergewaltiger, der ihn schon so manche schlaflose Nacht gekostet hat. Und Martina Bönisch (Anna Schudt) schlägt sich nicht nur mit ihrem Chef rum, sondern auch mit dem immer schärfer werdenden Konflikt zwischen Nora Dalay (Aylin Tezel) und Jan Pawlak (Rick Okon) – und mit Rückenschmerzen. Da hilft auch kein Schnaps mehr. Da muss Reiki her.

Der Rest dieses Falls ist eine teils trostlose, teils stimmungsvolle Mischung aus Ruhrpottromantik und Kriminalkomödie. Zwischen leisen Tönen und recht vordergründigem Humor pendelt Regisseur Andreas Herzog ebenso hin und her wie zwischen dem üblichen Dortmunder Gepolter und bodenständiger Tragik.

Besonders die Momente, in denen es Herzog und vor allem Hartmann zulassen, dass wir hinter Fabers Fassade gucken, sind beeindruckend. Und auch den Plot, der sich schon bald nicht mehr nur um Bergbauschäden und Pilskneipen, sondern auch um Reichsbürger und Ermittlungen des Verfassungsschutzes dreht, treibt das Drehbuch klug und mit gutem Tempo voran.

Wie konsequent der Dortmunder Tatort es dabei schafft, die Hoffnungen der Zuschauer auf eine Läuterung Fabers immer wieder aufs Neue zu enttäuschen, wie es ihm gelingt, die Sympathien für einzelne Charaktere, allen voran Nora Dalay wie auf Knopfdruck ein- und auszuknipsen, wie er Sentiment einbaut, wo man es am wenigsten erwartet, nur um es uns allen und seinen Figuren gleich im nächsten Augenblick wieder um die Ohren zu hauen, das ist gelungenes, sauberes Krimihandwerk.

Und auch, wie dieser Tatort das übliche Verfassungsschutz-Problem umgeht, dass niemals ein einfacher Kripo-Beamter dem Staatsschutz ans Bein pinkeln kann, macht Spaß – auch weil Bibiana Beglau die Rolle der Klarissa Gallwitz so süffisant und großspurig ausfüllt und ihr trotzdem hin und wieder gestattet, dass ihr die Contenance entgleitet.

Dass das Ganze am Ende eine Spur zu theatralisch gerät, ist noch die größte Schwäche. Doch durch sie hat dieser Tatort auch einige wirklich packende Momente. Und einen Faber, den man fast zu mögen beginnt. Aber zum Glück nur für einen ganz kurzen Moment.