Für die letzte Staffel seiner Comedy-Serie musste der Medienliebling Bastian Pastewka einige Kritik einstecken. Nun geht "Pastewka" in die neunte Runde. Was wird besser?

Zur Einordnung vorab ein "Oneliner" aus der neuen Staffel. Pastewka sagt hier über seinen Schauspielansatz: "Andere gehen auf die Ernst Mosch, ich studiere das echte Leben." Knallergag! Jedenfalls für all jene, die ihn kapieren. Beim eher jungen Amazon-Publikum dürften das womöglich nicht allzu viele sein. Humorvolle Assoziationen zwischen ehemals Musizierenden aus dem Egerland und einer Berliner Hochschule für Schauspielkunst sind gemacht für ein paar "Nerds". Wobei sie diesen Begriff nie verwenden und ihn durch "Fans" ersetzen würden. Die Comedy-Serie "Pastewka" war seit jeher zum einen Branchenliebling – die Fernsehpreise stapeln sich. Und zum anderen eben auch eine Produktion für TV-Junkies. Also für all die kleinen Pastewkas da draußen, die einen Live-Auftritt der "???"-Synchronsprecher einem von Coldplay oder Muse immer vorziehen würden. Am 25. Januar startet bei Amazon eine neue Staffel der "Sitcom" – so hätte man das früher gesagt.

Es ist immer noch gewöhnungsbedürftig, dass Bastian Pastewka nicht mehr bei SAT.1 läuft. Auch wenn die letzte Erstausstrahlung weit über vier Jahre zurückliegt. Seither wiederholte der Privatsender fleißig alte Folgen, an einer Fortsetzung bestand nach insgesamt sieben Staffeln jedoch kein Interesse mehr. Pastewka verabschiedete sich vom linearen Fernsehen und ging zu Amazon, wo Anfang des vergangenen Jahres die achte Staffel lief. Der VoD-Anbieter feierte sie als "besten Comedystart aller Zeiten". Vor allem die alten Fans sahen es aber auch mit Bedauern und erwarben ein paar Wochen später die DVD. Was Bastian Pastewka über den Unterschied zwischen Privatfernsehen und Streamingdienst sagt, hat er uns im Interview erzählt.

Noch kritischer indes wurde bei den sozialen Medien die stilistische Neuausrichtung des Formats gesehen. Zwar wurde goutiert, dass alle lieb gewonnenen Figuren der Serie zurückkehrten. Doch die Wandlung weg von einer klassischen Sitcom hin zu einer sogenannten horizontalen Erzählweise stieß vielen sauer auf.

Tatsächlich hatte die achte Staffel eher den Charakter eines überlangen Spielfilms. Die augenzwinkernde Beschreibung des Alltags, die der professionelle Menschenstudierer Pastewka perfektioniert hatte, gab es kaum noch. Die Probleme des Anti-Helden waren nicht mehr die kleinen Tücken der Gegenwart. Es ging nicht ums kleine Scheitern beim Amt, sondern ums große im Leben. Pastewka rutschte in Staffel acht quasi in die Gosse, verlor seine Beziehung und sein Heim. Die Tragödie war wichtiger als die Komödie, Situationskomik blieb bisweilen auf der Strecke.

Zehn neue Folgen bei Amazon Prime Video

Zum Start der neunten Staffel, die wiederum zehn Folgen umfasst, wurden der Presse zwei neue Folgen zur Verfügung gestellt. Erste Erkenntnis: An der fortlaufenden Erzählweise wurde festgehalten. Es gibt weiterhin keine inhaltlich wirklich abgeschlossenen Episoden, sondern einen groß angelegten Handlungsstrang. Aber: Die übergroße Tragik ist verschwunden. Mit dem zurückgekehrten Selbstbewusstsein der Hauptfigur ist auch der großartige Humor früherer Zeiten wieder da. Hohe Gagdichte, unzählige Branchenanspielungen, beste Selbstironie. Und eine Vielzahl von Gaststars, die auf geradezu brillante Weise eigene Klischees bedienen. Von Markus Lanz bis Hugo Egon Balder, von Heino Ferch über Anke Engelke bis zu Chris Tall.

Staffel neun setzt ein halbes Jahr nach der achten an: Bastian Pastewka hat nationalen Ruhm durch seine live im TV übertragene Geburtshilfe erhalten. Auf einem auf der Autobahn fahrenden Lkw hatte er seiner verhasste Schwägerin (Bettina Lamprecht) dabei geholfen, ein gesundes Baby namens Mafalda zur Welt zu bringen, was ihn sogar auf die Titelseite von "Stern" und "Brigitte" brachte. Doch sonst läuft es für ihn eher bescheiden. Er lebt heimatlos in einem Hotel, deutlich über seine Verhältnisse, wie sich zeigt, und hat seine große Liebe Anne (Sonsee Neu) seither nicht mehr gesehen. Bastians Halbbruder Hagen (Matthias Matschke) und Schwägerin Frau Bruck haben sich derweil auf einen riesigen Biohof aufs Land zurückgezogen. Hagens Tochter Kim (Cristina do Rego) macht Musikkarriere.

Auf Bastians Konto sieht es derweil mau aus. Angebote wie das von Hugo Egon Balder, der ihm "Das große Promibumsen" anbietet, sind nicht nach seinem Gusto. Und auch die neue Krankenhausserie mit dem Arzt Dr. Robert Engel wäre es nicht. Doch dann erfährt Pastewka, dass eben diese Produktion direkt bei jenem Krankenhaus entsteht, bei dem seine Ex Anne arbeitet. Er will sie zurück, klar, und sagt zu ...

Produziert wird die Serie weiterhin von Brainpool TV. Hinzukommt auch diesmal der Joint-Venture-Partner Minestrone TV, was bedeutet: Bastian Pastewka gehört weiterhin selbst mit seiner Firma zu den Mitproduzenten der Serie. Zusammen mit Sascha Albrecht und Erik Haffner verfasste er die Drehbücher, Haffner und Tobi Baumann sind die Regisseure.


Quelle: teleschau – der Mediendienst