Kritik zum ARD-Film

"Wolfsland – Kein Entkommen": Intensives Psychospiel

von Hans Czerny

Psychokrimi, mal anders: Nicht Täter und Opfer sind hier miteinander im Clinch, sondern die Kommissare selbst. Im siebten "Wolfsland"-Krimi leiden Yvonne Catterfeld und Götz Schubert an Verfolgungswahn und wollen einander nicht vertrauen. Bis sie eine klaustrophobische Situation zusammenschweißt.

ARD
Wolfsland – Kein Entkommen
Krimi • 03.12.2020 • 20:15 Uhr

Nicht nur das packende Duell zwischen Täter und Opfer macht die Spannung im siebten Wolfsland-Krimi "Kein Entkommen" nach dem Drehbuch von Sönke Lars Neuwöhner und Sven Poser aus (Regie: Till Franzen). An seinen besten Stellen wird dieser Donnerstagskrimi zum intensiven Psychospiel. Viola Delbrück (Yvonne Catterfeld) und Burkhard Schulz, genannt "Butsch" (Götz Schubert) pflegen dialogisch ihre Ängste und werden in nächtlichen Albträumen verfolgt. Besonders Viola Delbrück schießt da wild um sich, leidet aber auch an der Vorstellung zu töten. Kein Wunder ist es da, dass die beiden sich im Umgang miteinander höchst nervös verhalten.

Einmal aber müssen sie dann doch zueinander finden: Der Mord an einem Mädchen hat sie in den tiefen Kessel einer alten Hefefabrik gelockt, und da sitzen sie nun am Grunde eines tiefen Lochs, abgeschnitten von der Außenwelt. Schreien nützt nichts, die eiserne Luke hoch droben ist verrammelt. Da bleibt nun für Viola und für Butsch viel Zeit, um über allerlei Tatverdächtige nachzudenken: Wer mag Alexandra, die ausgerechnet die Jacke von Butschs alter Bekannten Sandra trug, ermordet haben? Oder war es etwa ein Unfall beim so gern geübten "Escape-Game" im neu eingerichteten Jugendtreff?

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Butsch klammert sich an Sandras Person, die ihm einst bei der Überführung eines Täters half. Es müsse eine Verwechslung und mithin fehlgeleitete Rache gewesen sein. Viola hingegen kann das Wort "Sandra" nicht mehr hören. Ohnehin ist sie allzu sehr mit sich beschäftigt, sie will fort aus Görlitz' dunklen Mauern – einen Versetzungsantrag hat sie bereits eingereicht. Wie gut, dass das tiefe Loch nun doch beide wenigstens auf Zeit vereint und Butsch Viola bittet, doch in Görlitz zu bleiben, zumal ihr gefürchteter Ex-Mann doch längst hinter Gittern sitze.

Die nahe Kamera kriecht im Loch ganz tief in die Gesichter hinein, als gelte es, einen durch und durch ernst gemeinten Psychothriller zu zelebrieren. Es ist aber "nur" ein Regionalkrimi, und so fordert die schöne Görlitzer Stadtkulisse mit ihrem Türmepanorama genauso Tribut wie die Episodenhandlung, die sich – hart an der Wirklichkeit und nicht ungeschickt eingestreut – am offenbar unaufhörlichen Telefonbetrug an älteren Menschen orientiert. – Der zweite der neuen Görlitz-Krimis, "Das Kind vom Finstertor", folgt am 10. Dezember.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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