Auch eine Gefahr für die Raumfahrt?

Taucher entdecken "Challenger"-Trümmer im gefürchteten Bermudadreieck

18.03.2023, 12.46 Uhr
von Aylin Rauh

Vor mehr als 36 Jahren sah die ganze Welt zu, als die Raumfähre "Challenger" kurz nach dem Start vor laufenden Kameras explodierte. Nun fanden Taucher ein Stück des Wracks – ganz in der Nähe des berüchtigten Bermuda-Dreiecks. Wir haben mit einem der Taucher gesprochen.

28.Januar 1986: Genau 73 Sekunden nach dem Start explodierte das Space Shuttle "Challenger", alle sieben Besatzungsmitglieder kamen bei dem Unglück ums Leben. Die Live-Bilder der Katastrophe gingen um die Welt und hielten viele Millionen Menschen in Atem. Ursprünglich wurde die Raumfähre als Plattform für Bodentests gebaut, bevor sie später für Einsätze im Weltraum umgerüstet wurde. Zwischen April 1983 und Januar 1986 wurden damit zehn Raumflüge absolviert. Nun wirft ein Zufallsfund ein neues Licht auf die Ereignisse von damals: Bei Dreharbeiten für eine Doku-Serie mit dem Titel "Mysterium Bermudadreieck stießen Taucher auf ein großes Wrackteil der Raumfähre – mitten im berüchtigten Bermudadreieck. So kommt es, dass die "Challenger" in "Mysterium Bermudadreieck" die "Challenger-Katastrophe" eine Hauptrolle spielt. Die sechsteilige Hochglanzproduktion wird ab Mittwoch, 22. März, 20.15 Uhr, auf The History Channel ausgestrahlt.

Eigentlich war das Expertenteam Anfang März 2022 vor der Küste Floridas auf der Suche nach mutmaßlichen Wracks, man hoffte, Überreste eines PBM Martin Mariner-Rettungsflugzeugs oder von fünf Torpedobombern der US Navy zu finden. Nur zufällig sind die Taucher dann aber auf ein "Challenger"-Wrackteil gestoßen. Nach einer zweiten Expedition im Mai 2022 und Gesprächen mit der NASA wurde der Verdacht, ein Überbleibsel der explodierten Raumfähre gefunden zu haben, bestätigt. Es handelt sich um eines der ersten größeren Teile des Space Shuttles, das seit 1996 gefunden wurde.

Einer der Taucher, der bei der Expedition dabei war, ist Jimmy Gadomski. Schon seit längerem ist er auf das Auffinden von Flugzeugwrackteilen spezialisiert. Aber mit der Raumfahrt hatte er bislang wenig am Hut, sagt der Mann, dem im Gespräch die Faszination des Erlebten durchaus noch anzumerken ist. "Wir schreiben hier Geschichte", erklärt er nun im Interview. "Das ist etwas, das das Leben vieler Menschen beeinflusst hat." Zu Beginn, so erinnert sich Gadomski in dem Telefonat, "wussten wir nicht, was es war. Wir haben nach etwas völlig anderem gesucht. Aber ich wusste gleich, dass wir auf etwas Bedeutsames gestoßen sind."

Nah am "Teufelsdreieck"

Für Gadomski sei der Fund ein "sehr emotionaler Moment" gewesen, "an den sich viele der Beteiligten immer erinnern werden". Dass die Challenger-Katastrophe nun im Rahmen der Doku thematisiert wird, begrüßt der Taucher, der bei der Expedition Teil eines Teams aus Unterwasserforschern und Meeresbiologen war. "Ich hoffe, dass die Dokumentation jetzt auch die Menschen aufklärt, die die Explosion nicht miterlebt haben", erläutert er. Zudem solle sie "ergänzend zu anderen Dokumentationen" sein, "die sich diesem Thema und den Astronauten widmen, die in diesem Space Shuttle saßen."

Schon seit jeher gilt das Bermudadreieck als berühmt-berüchtigter Meeresabschnitt – es ist ein Mythos, der sowohl fasziniert als auch verängstigt. Unzählige Schiffe und Flugzeuge gelten seit der Überquerung dieser Gewässer als auf rätselhafte Weise verschollen, viele Abstürze und Untergänge konnten nie restlos aufgeklärt werden. Nicht umsonst wird das Bermudadreieck auch "Teufelsdreieck" genannt. Tatsächlich diente dieses Seegebiet bereits als Inspiration für teilweise recht bizarre Erklärungsversuche, die Grundlage für viele literarische Werke und Filme wurden.

Hatte das Team um Gadomski denn keine Angst vor den Horrorgeschichten? "Nein, wir haben keine Angst", antwortet der Taucher cool. Sein Team sei technisch bestens ausgerüstet und sehr erfahren, was die Expeditionen in dem Gebiet betreffe. Gadomski: "Wir wollen beweisen, dass es sich nicht nur um ein großes Mysterium handelt, sondern dass den Schiffen und Flugzeugen wirklich etwas Erklärbares passiert ist, als sie dieses Seegebiet überquert haben."

"Dort kann vieles passieren"

Für den Profitaucher seien all die mysteriösen Storys nur Theorien, um das Verschwinden der Schiffe und Flugzeuge einfacher zu erklären. Dennoch ist sich der Amerikaner über die möglichen Gefahren im Bermuda-Dreieck bewusst: "Es ist ein signifikantes Gefahrengebiet – wegen des Wetters und aufgrund der Tatsache, dass dort viel Verkehr herrscht. Dort kann so vieles passieren. Die Verhältnisse dort können sich schlagartig ändern." Auch während der Dreharbeiten zog plötzlich ein Sturm auf, mit dem der Trupp nicht rechnete. Neugierde und der Wille, über diese Katastrophen aufzuklären, seien die Gründe, weshalb Gadomski an solchen Expeditionen teilnehme. Und nun? – "Wir wollen herausfinden, was damals passiert ist. Warum die Wrackteile dort sind."

Was also geschieht jetzt mit dem "Challenger"-Wrackteil? Das entscheide allein die NASA, weil der Fund nun offizielles Eigentum der Bundesbehörde für Raumfahrt und Flugwissenschaft ist. Gadomski sagt, er sei sehr gespannt darauf, was sein Fund nach sich zieht. "Ich hoffe, dass wir mit involviert werden", wünscht er sich.

Wie es in früheren Medienberichten hieß, wurden seit dem Unglück "Challenger"-Trümmer mit einem Gesamtgewicht von 107 Tonnen geborgen. Man gehe von etwa 47 Prozent des gesamten Raumfahrzeugs aus. Das auf dem Meeresgrund im Bermudadreieck geborgene Wrackteil soll mindestens 4,5 mal 4,5 Meter groß sein, hieß es im vergangenen Jahr, nachdem das Kennedy Space Center der Nasa die Entdeckung bekannt gegeben hatte.

Eine gesamte Folge der Serie "Mysterium Bermudadreieck" widmet sich dem spektakulären Fund. Sie gewährt detailreiche Einblicke in die Nachforschungen, unter anderem werden auch die Gespräche der Experten mit der NASA analysiert. Welche weiteren Wrackteile das Eliteteam während der Dreharbeiten noch gefunden hat, wird in den restlichen fünf Folgen gezeigt, die immer wöchentlich zu sehen sind. Nach der Erstausstrahlung bei The History Channel sind die Episoden auf den Video-on-Demand-Plattformen, etwa via Sky oder Vodafone, abrufbar.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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