Vegane Kochkunst

Maya Leinenbach: Erfolgreiche Foodbloggerin und Unternehmerin im Interview

09.03.2026, 08.57 Uhr
Maya Leinenbach, bekannt als "Fitgreenmind", ist mehr als eine Social-Media-Persönlichkeit. Mit ihrer neuen ARD-Doku "Better than Beef by Maya Leinenbach" zeigt sie, wie spannend die pflanzenbasierte Küche sein kann. Im Interview spricht sie offen über persönliche Herausforderungen und ihre Liebe zu Mallorca.

Maya Leinenbach gehört zu den bekanntesten deutschen Foodbloggerinnen. Unter ihrem Social-Media-Namen "Fitgreenmind" erreicht die 21-Jährige bis zu sieben Millionen Follower. Doch die junge Frau aus dem Saarland ist weit mehr als eine Internet-Persönlichkeit: Sie ist Kochbuchautorin, Unternehmerin und leidenschaftliche Köchin. In dem neuen ARD-Format "Better than Beef by Maya Leinenbach" (ab Mittwoch, 11. März, in der ARD-Mediathek verfügbar) lädt sie den ehemaligen Fußballtorwart René Adler ein, die kulinarischen Schätze der mallorquinischen Küche zu entdecken. Das Besondere dabei: Wie immer setzt Maya Leinenbach ausschließlich auf pflanzenbasierte Gerichte. Im Interview schildert die junge, sympathische Frau offen, wie sie nach einem frühen Burnout wieder zu sich selbst fand und warum sie hasserfüllte Reaktionen im Netz nicht wirklich tangieren.

prisma: Seit Ihrem 14. Lebensjahr leben Sie plant-based. Was hat Sie damals inspiriert?

Maya Leinenbach: Meine ältere Schwester ist schon Jahre vor mir Vegetarierin geworden. Ich konnte das nie verstehen. Für mich war das lange unvorstellbar. Oft dachte ich: Wann wird sie wohl bekehrt, damit sie Omas Frikadellen mitessen kann (lacht)? Auch Veganismus erschien mir extrem, ich habe nicht nachvollziehen können, warum man so lebt. Für ein Schulprojekt musste ich mich jedoch damit beschäftigen, wie unsere Ernährung die Umwelt beeinflusst. Dabei bin ich auf Zahlen gestoßen, die mich überrascht haben, etwa wie viel virtuelles Wasser in Rindfleisch steckt und wie hoch die CO₂-Produktion ist. Das hat mich so beeindruckt, dass ich beschloss, es einfach auszuprobieren und von einem Tag auf den anderen auf tierische Produkte zu verzichten. Seit ich diese Entscheidung getroffen habe, bin ich dabei geblieben.

prisma: Gibt es Momente, in denen Sie Heißhunger auf etwas haben, das nicht pflanzlich ist?

Leinenbach: Heißhunger habe ich eigentlich nicht. Alles, was herzhaft ist, lässt sich sehr gut plant-based zubereiten. Nur auf der Pizza fehlt mir noch eine wirklich überzeugende Alternative, vor allem ein Käse, der gut schmilzt. Trotzdem bin ich der Meinung, dass man auch dann plant-based leben kann, wenn man Käse liebt. Man muss nicht alles nur in Schwarz und Weiß sehen. In der plant-based Szene gibt es immer wieder Stimmen, die das anders sehen und sehr streng urteilen. Das ist nicht so meine Einstellung.

"Auf meinem Kanal geht es um Gesundheit, Nachhaltigkeit und auch um mentale Gesundheit"

prisma: Auf Instagram sind Sie unter dem Namen "Fitgreenmind" aktiv. Wie sind Sie auf diesen Namen gekommen?

Leinenbach: Ich war auf der Suche nach einem Instagramnamen, der noch frei ist. Als ich den Kanal gestartet habe, ganz spontan, habe ich einige Namen ausprobiert, doch sie waren alle schon vergeben. Abends saß ich mit meiner Familie auf der Couch, und wir haben gemeinsam überlegt. Schließlich entstand die Idee: "Fit steht für Gesundheit, Green für die Umwelt – und Mind passt ebenfalls gut dazu und klingt stimmig." So ist der Name entstanden. Ich finde ihn nach wie vor sehr passend. Er ist vielseitig und bringt alles auf den Punkt. Auf meinem Kanal geht es um Gesundheit, Nachhaltigkeit und auch um mentale Gesundheit.

prisma: Glauben Sie, dass Social Media allein ausreicht, um solche Botschaften wirkungsvoll zu vermitteln?

Leinenbach: Das ist schwierig. Es kommt stark auf die jeweilige Social Media-Plattform an. Auf YouTube hat man mehr Zeit, und auch in einem Podcast kann man deutlich tiefer in ein Thema einsteigen. Beim Shortform-Content, der derzeit boomt, ist es dagegen schwer, komplexe Inhalte ausführlich zu behandeln, weil die Aufmerksamkeitsspanne sehr gering ist. Man muss versuchen, die Zuschauer mit klaren Einstiegen und schneller Interaktion zu fesseln. Deshalb braucht es verschiedene Medien, um einem Thema wirklich Aufmerksamkeit zu verschaffen und es umfassend zu vermitteln.

"Es macht frei, den eigenen Wert nicht an einen Instagramaccount oder an Zahlen zu knüpfen"

prisma: Sie erreichen auf verschiedenen sozialen Medien bis zu sieben Millionen Menschen ...

Leinenbach: Es ist unglaublich schwer, diese Zahl wirklich zu begreifen. Für mich bleibt sie abstrakt. Wenn ein Video von mir zum Beispiel zwei Millionen Aufrufe hat, dann entspricht das mehreren vollbesetzten Stadien. Das kann man sich kaum vorstellen. Wenn ich allein zu Hause in meiner Küche mit dem Handy und der Kamera filme, denke ich nicht daran, wie viele Menschen mich später sehen werden. Einen Moment, in dem mir das bewusst wird, erlebe ich eher, wenn mich jemand auf der Straße anspricht. Dann merke ich plötzlich, dass mich tatsächlich viele Menschen kennen.

prisma: Wie ist das für Sie?

Leinenbach: Ich freue mich jedesmal sehr, weil ich in solchen Momenten wirklich merke, wie viele Menschen ich erreiche. Manche möchten ein Foto machen, oft wollen sie mir einfach sagen, dass ihnen meine Rezepte gefallen und sie schon einiges nachgekocht haben. Neulich hatte ich einen lustigen Moment in der Deutschen Bahn. Ich habe mir im Bordbistro etwas gekauft, da schaute mich ein Mann an, zeigte auf sein Handy und fragte: "Kann es sein, dass du Rezepte auf Instagram postest?" Er hatte einen kleinen Fanmoment und hat mir später sogar noch geschrieben. Solche Begegnungen zeigen mir, dass ich wirklich etwas bewirke. Das bedeutet mir viel und fühlt sich einfach schön an.

prisma: Haben Sie manchmal das Gefühl, dass Ihre Identität zu stark mit "Fitgreenmind" verknüpft ist?

Leinenbach: Da hatte ich wirklich Schwierigkeiten. 2024 habe ich mit meinen Geschäftspartnerinnen eine GmbH gegründet. Davor habe ich mich stark mit "Fitgreenmind" identifiziert. Die Marke war und ist eng mit meiner Person verbunden. Gleichzeitig ist es mein Ziel, "Fitgreenmind" größer zu machen als mich selbst, etwa durch weitere Projekte, die auch unabhängig von mir funktionieren. Im Jahr 2024 und 2025 fiel es mir jedoch schwer, ein Stück Kontrolle abzugeben und nicht mehr alles ausschließlich an meine Person zu knüpfen. Dieses Loslassen war ein Prozess.

prisma: Wie ist das heute?

Leinenbach: Heute ist das anders. Ich bin stolz, diesen Schritt gegangen zu sein. Es macht frei, den eigenen Wert nicht an einen Instagramaccount oder an Zahlen zu knüpfen. Es war ein Prozess, und vielen Influencern und Content Creatorn geht es ähnlich. Man neigt dazu, sich stark über die eigene Arbeit zu definieren. Bis zu einem gewissen Punkt ist das hilfreich, doch man muss darauf achten, sich dabei nicht selbst zu verlieren.

prisma: Was hat Ihnen geholfen, sich von dem Gedanken zu lösen, dass Ihr Wert von Zahlen oder Ihrer Arbeit abhängt?

Leinenbach: Ich journale viel, reflektiere regelmäßig und hinterfrage meine eigenen Glaubenssätze. Das hat mir persönlich sehr geholfen.

"Da hatte ich schon immer eine dicke Haut"

prisma: Haben Sie schon einmal negative oder hasserfüllte Reaktionen in den sozialen Medien erlebt?

Leinenbach: Glücklicherweise habe ich eine sehr liebe Community und bekomme kaum Hass. Natürlich tauchen manchmal blöde Kommentare auf, vor allem wenn Videos viral gehen und auch Menschen erreichen, die mir noch nicht folgen. Meistens richten sie sich eher gegen Veganismus oder Tofu. (lacht) Ich sehe solche Kommentare so, dass sie mehr über die Verfasser selbst aussagen als über mich. Da hatte ich schon immer eine dicke Haut.

prisma: Beobachten Sie insgesamt eine Entwicklung im Netz, wenn es um das Thema Hass geht?

Leinenbach: Ich glaube, dass durch die vielen aktiven Menschen auf Social Media und die höhere Posting-Frequenz sich der Hass einfach summiert. Das trägt dazu bei, dass viel mehr Negativität im Netz herrscht. Wenn diese negative Stimmung dann noch Zustimmung findet, gibt das den Leuten zusätzlichen Antrieb. Dazu kommt eine gewisse Skandalgeilheit: Negative Schlagzeilen werden oft eher angeklickt als positive.

prisma: Nach dem Abitur sind Sie direkt in die Selbstständigkeit gestartet. Fragen Sie sich manchmal, wie Ihr Leben verlaufen wäre, hätten Sie einen anderen Weg gewählt?

Leinenbach: Letztes Jahr hatte ich so etwas wie ein Mini-Burnout, da ging es mir gesundheitlich nicht gut. In dieser Zeit habe ich vieles hinterfragt, auch die Entscheidung, direkt nach dem Abi als Gründerin zu starten. Mittlerweile bin ich fest davon überzeugt, dass es richtig war. Natürlich gab es auch Momente, in denen ich mich gefragt habe, ob ich etwas verpasse. Sollte ich nicht doch lieber studieren? Anfang 20 ist man sich einfach noch nicht sicher, was man wirklich will – vor allem, wenn man seit sieben Jahren nichts anderes macht als "Fitgreenmind".

prisma: Was hat Ihnen nach Ihrem Burnout geholfen, wieder nach vorne zu blicken?

Leinenbach: Für mich hatte zunächst die körperliche Erholung Priorität. Wenn es einem nicht gut geht und man keine Energie hat, kann man auch mental nicht fit sein. Zwar hatte ich vorher eine Struktur in meinem Arbeitsalltag, aber sie fühlte sich endlos an. Das ist ein typisches Problem im Social-Media-Bereich: Es gibt immer etwas zu tun. Man kann ständig DMs beantworten oder neue Inhalte hochladen. Ich habe mir inzwischen feste Grenzen gesetzt. Meine Wochenenden sind wirklich Wochenenden, und ich gönne mir regelmäßig kleine Auszeiten. Meinen Urlaub trage ich früh genug ein, damit ich ihn auch wirklich nehme. Manchmal lege ich mein Handy in einen anderen Raum, um der Versuchung zu entgehen, ständig daran zu gehen. Mir hat es sehr geholfen, Leben und Arbeit nicht so stark zu vermischen.

prisma: Das hat direkt geklappt?

Leinenbach: Anfangs hatte ich natürlich ein schlechtes Gewissen, wenn ich mal nichts gemacht habe. Ich hatte das Gefühl, dass andere mehr leisten. Dann habe ich mir bewusst gemacht, dass ich mich nicht ständig pushen kann. Ich muss mir auch Zeit für mich nehmen, um danach wieder voll durchstarten zu können. Das musste ich erst lernen.

"Ich höre auf meinen Körper"

prisma: Mitte letzten Jahres haben Sie begonnen, in einem Café zu arbeiten. Wie läuft es?

Leinenbach: Im Februar musste ich leider kündigen, einfach weil es zeitlich nicht mehr gepasst hat – vor allem, weil mein Business nach meiner Krankheitspause im letzten Jahr wieder voll angelaufen ist. Es war trotzdem eine wertvolle Erfahrung für mich. Auch der zwischenmenschliche Teil im Service hat mir unglaublich Spaß gemacht. Ich habe auf jeden Fall mit einem lachenden und einem weinenden Auge gekündigt.

prisma: Träumen Sie davon, irgendwann ein eigenes Café oder Restaurant zu eröffnen?

Leinenbach: Irgendwann wäre das schon cool. Durch meinen Job im Café konnte ich aber schon Erfahrungen sammeln und bin jetzt nicht mehr ganz so naiv, was das angeht. Dahinter steckt einfach unglaublich viel. Zuerst möchte ich mit Pop-up-Projekten starten, die nicht so viel Risiko und Arbeit mit sich bringen.

prisma: Vor einiger Zeit haben Sie auf Instagram viele Beiträge zum Laufen geteilt. Inzwischen ist davon weniger zu sehen. Haben Sie das Laufen aufgegeben?

Leinenbach: Krankheitsbedingt habe ich eine Sportpause eingelegt. Auch heute mache ich noch nicht besonders viel Sport, sondern höre auf meinen Körper. Laufen macht mir trotzdem unglaublich viel Spaß, und zufällig habe ich einen Platz für den Berlin-Marathon bekommen. Ich werde mal schauen, wie ich mich fühle.

prisma: Wer Ihnen schon länger folgt, weiß, dass Mallorca Ihr Wohlfühlort ist. Was macht diesen Ort für Sie so besonders?

Leinenbach: 2014 habe ich mit meiner Familie dort meinen ersten richtigen Sommerurlaub erlebt. Vom ersten Moment an war ich verzaubert. Die Gerüche auf der Insel, die Wärme, das Meer und die köstliche Küche – dieses mediterrane Leben hat sich tief bei mir eingeprägt. Jedesmal, wenn ich auf der Insel bin, spüre ich diese Nostalgie an jenen ersten richtigen Sommerurlaub mit meiner Familie.

"René ist auch privat ein richtig netter Typ"

prisma: In der neuen ARD-Doku "Better than Beef by Maya Leinenbach", die auf Mallorca gedreht wurde, versuchen Sie, René Adler davon zu überzeugen, dass die plant-based mallorquinische Küche genauso überzeugend sein kann wie die nicht rein pflanzliche. Wie haben Sie die Zusammenarbeit mit dem ehemaligen Fußballer erlebt?

Leinenbach: Es hat total viel Spaß gemacht. Wir haben sogar zusammen gekocht, und René ist auch privat ein richtig netter Typ. Vorher war ich schon aufgeregt. Zum einen, weil ich selbst ein kleiner Fan bin, und zum anderen, weil ich zeigen wollte, was ich kann und dass es auch schmeckt. Bis zum Schluss war ich mir nicht sicher, ob es ihm wirklich gefällt. Meine Familie ist zwar an meine Küche gewöhnt, aber für jemanden zu kochen, der so etwas noch nie probiert hat, ist schon etwas anderes.

prisma: Wie kam es überhaupt dazu?

Leinenbach: Es war ein etwas längerer Prozess. Die ersten Gespräche fanden sogar noch 2024 statt. Ich bin immer offen für neue Challenges, und wir hatten auch vor, andere Medien als Social Media auszuprobieren, um nicht zu abhängig von Social Media zu werden. Durch viel Brainstorming, Gespräche und einige Zufälle ist das Projekt schließlich zustande gekommen.

prisma: Werden jetzt weitere Teile folgen?

Leinenbach: Das hängt von der Resonanz ab. Es wird aber schon darüber nachgedacht, ob es vielleicht eine Fortsetzung geben könnte. Dann allerdings nicht mit René, sondern mit jemand anderem.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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