Serie bei Amazon Prime

"Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast": ein Remake im Serien-Format

von Andreas Fischer

Amazon hat den Slasher-Klassiker "Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast" für das Publikum des 21. Jahrhunderts gründlich renovieren lassen. Das Blut spritzt aber immer noch.

Sie tanzen, vögeln, dröhnen sich zu – und bauen auf dem Heimweg einen folgenschweren Unfall. Ihre Highschool-Abschlussparty wird für fünf Freunde in der Kleinstadt Wai Huna zu einem Albtraum, den sie schnell vergessen wollen. Die Leiche im Meer entsorgen, Schwamm drüber und alles wird gut? Vorerst hilft das Schweigen. Doch ein Jahr später erreicht der Horror die Idylle auf Hawaii, und ein unbekannter Mörder eröffnet die Jagd auf die Freunde: Mit "Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast" bekommt ein mäßig erfolgreicher Teenie-Slasher aus dem Jahr 1997 bei Amazon Prime Video eine Neuauflage im Serienformat. Die ersten vier Episoden sind ab 15. Oktober verfügbar, die restlichen vier folgen freitags im Wochentakt.

Eine Freundesgruppe, ein Mörder und ein dunkles Geheimnis: Schon 1973 zog der Roman "Ich weiß was du letzten Sommer getan hast" von Lois Duncan Thriller-Fans in den Bann. 1997 folgte dann eine von der Kritik im besten Fall belächelte Kino-Adaption mit Jennifer Love Hewitt, Freddie Prinze Jr., Sarah Michelle Gellar und Ryan Phillippe.

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Mit beiden Vorlagen hat die Amazon-Serie lediglich den Handlungsrahmen gemein. Showrunner Sara Goodman versucht sich an einer modernen Erzählweise, bei der soziale Medien und Diversität eine Rolle spielen. Amazon ließ ihr in ihrem zeitgemäßen Teenager-Porträt sogar erstaunlich viel Sex, Drogen und Gewalt durchgehen.

Im Mittelpunkt steht Lennon (Madison Iseman), der Fixpunkt im Freundeskreis. Sie ist eine komplizierte Heldin, die nicht nur unter den Schuldgefühlen wegen des Unfalls leidet. Der Selbstmord ihrer Mutter hat die Beziehung zu ihrem Vater Bruce (Bill Heck) und ihrer Zwillingsschwester Alison (ebenfalls Iseman) ruiniert. Bei ihr lässt sich gut beobachten, was die Zerrissenheit zwischen Schuld und Verantwortung mit einem Teenager macht, dessen erwachsenes Leben schon vorbei ist, bevor es begonnen hat.

Lennons Kampf mit dem Monster in ihr und den Dämonen ringsum hält die Serie zusammen. Das tut auch Not, denn ihre Freunde sind etwas oberflächlicher gezeichnet: Margot (Brianne Tju) selbstverliebte Influencerin, Riley (Ashley Moore) als "Tough Girl" aus dem Trailerpark, Johnny (Sebastian Amoruso) als der nette Schwule und Dylan (Ezekial Goodman) als nachdenkliches Gewissen. Spannender sind die Nebenfiguren, die nicht nur für das Sittengemälde der Kleinstadt wichtig sind, sondern auch die Handlung vorantreiben.

Denn nicht nur die fünf Freunde haben ein dunkles Geheimnis, jeder hat etwas zu verbergen. Durch den erweiterten Fokus gibt es mehr Handlungsmöglichkeiten, mehr unverhoffte Wendungen, aber auch mehr Verwirrung. Gestorben wird natürlich auch, und der Killer ist weder subtil in seinem Wirken noch wählerisch bei den Opfern. Die fünf Freunde sind jedenfalls nicht die Einzigen auf seiner To-Do-List.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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