Marlene Morreis im Interview

"Dänemark-Krimi": eine Streifenpolizistin mit Ecken und Kanten

14.10.2021, 09.24 Uhr
von Sarah Schneidereit
Ida Sörensen (Marlene Morreis).
Ida Sörensen (Marlene Morreis).  Fotoquelle: ARD & Degeto

Marlene Morreis spielt im Dänemark-Krimi "Rauhnächte" die Polizistin Ida Sörensen, die nach einem Fehltritt mit einer Mordserie konfrontiert wird.

Sie haben nordische Philologie studiert. Was hat Sie dazu bewegt?

Ich habe mit 16 an einem Schüleraustausch teilgenommen und war für drei Wochen in Schweden. Das war eine tolle Zeit. Und aus jugendlichem Leichtsinn heraus habe ich mich bei der Studienwahl dann für Skandinavistik entschieden.

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Was macht man beruflich mit so einem Fach?

Ich habe auf die Frage immer mit "Taxi fahren" geantwortet (lacht). Wir waren kein großes Institut. Wenn es hochkommt, haben sich vielleicht zehn Leute pro Semester für dieses Studium entschieden.

Haben Sie das Gelernte denn später noch einmal gebraucht?

Nicht wirklich. Also ich kann bis heute Schwedisch noch ganz gut lesen, mit dem Sprechen ist es etwas schwieriger, aber ich hätte jetzt nicht unbedingt fünf Jahre Skandinavistik studieren müssen, um einen Film wie "Rauhnächte" zu drehen. Land und Leute kann man auch in einem Urlaub ganz gut kennenlernen. Generell fasziniert mich der Norden.

Was hat Sie an "Rauhnächte" gereizt?

Ida Sörensen ist keine allwissende Kommissarin, sondern eine ganz normale Streifenpolizistin mit Ecken und Kanten. Sie macht zu Beginn einen großen Fehler und versucht diesen dann wieder gut zu machen. Deswegen steht auch nicht nur der Fall beziehungsweise die Suche nach dem Mörder im Mittelpunkt, sondern vor allem der innere Konflikt dieser Frau, die ihre Arbeit liebt und nur schwer damit umgehen kann, nicht ihr Bestes gegeben zu haben.

Wie realistisch ist es, dass eine Polizistin ein Opfer eines Verbrechens nicht von einer Betrunkenen unterscheiden kann?

Ich hoffe, wir zeigen im Film deutlich genug, dass da an dem Abend viel los war auf der Wache. Es war Land unter vor lauter Feiernden, Betrunkenen und Problemen mit einem Drogendealer. Zumal es sich bei den Rauhnächten um eine Art Halloween für Wikinger handelt – da passt die als vermisst gemeldete, misshandelte Frau leider zu gut ins Bild.

"Rauhnächte" greift auf Nordic Noir-Stilmittel zurück. Ist das eine Möglichkeit, die ohnehin schon große Krimi-Landschaft zu ergänzen?

Es gibt mittlerweile so viele Krimis – jeder hat sicher seine Daseinsberechtigung, die Einschaltquoten sprechen für sich. Die Skandinavier sind Meister in ihrem Genre, wenn wir mit "Rauhnächte" irgendwo in die Nähe dieser Klasse kommen, ist das schon ein großes Kompliment. Wodurch "Rauhnächte" auch besticht, ist das Zusammenspiel von meiner Figur mit der von Katharina Heyer: zwei Frauen in einem von Männern dominierten Arbeitsumfeld, die sich auf ihre Art jeweils behaupten müssen. Dieser Fokus auf die Figuren, die Emotionen und Geschichten hinter den ermittelnden Personen – das macht den Film aus. Ich glaube, es gibt noch ganz tolle Möglichkeiten, Krimis zu erzählen. Wenn man sich die Zeit nimmt und weggeht von der klassischen Mördersuche, kann man den Zuschauer sicher noch einmal auf eine andere Art begeistern.

Sind Sie privat ein Krimi-Fan?

Das würde ich nicht von mir behaupten. Wenn ich Krimis schaue, dann eher amerikanische, britische oder auch skandinavische. Vielleicht liegt das an meinem Haupt- beziehungsweise den Nebenfächern im Studium (Anglistik, Amerikanistik). Ich schaue auch gerne Sachen aus den 1930er- oder 1940er-Jahren, zum Beispiel Bogart-Klassiker. Meine Mutter ist hingegen total der Krimi-Fan: Im Sommer sitzt sie auf ihrer Liege und liest zu 95 Prozent Krimis.

Was muss ein Drehbuch haben, damit Sie sich für die Rolle interessieren?

Ich brauche einen Zugang zur Figur. Irgendetwas an ihr muss mich reizen. Wenn ich zum Beispiel beim Lesen sofort eine Idee habe, was sie gerne isst oder welche T-Shirts sie tragen würde, ist das ein gutes Zeichen. Natürlich muss auch das große Ganze stimmen – ich mag keine Klischees und versuche sehr unterschiedliche Rollen zu spielen.

Ihre Figur Ida Sörensen hat das Problem, dass sie Berufliches und Privates nicht gut trennen kann. Wie sieht das bei Ihnen aus?

Ich kann das ganz gut trennen. Das ist mir auch wichtig, dass ich abends zu Hause nicht immer noch nur an den Dreh und die Figuren denke. Ich nehme mir auch nie Kostüme mit vom Dreh, die sind dann immer so mit der Rolle behaftet, selbst wenn es der schönste Dreh war und das schönste Kostüm, danach könnte ich de Kleidung nicht mehr tragen.

Schauen Sie sich denn Ihre Filme im Fernsehen an?

Also "Rauhnächte" werde ich noch auf einem Filmfestival in Ludwigshafen auf der großen Leinwand sehen. Deshalb sehe ich ihn mir wohl eher nicht im TV an. Zumal ich die Hauptrolle spiele und ihn für die Pressearbeit bereits gesehen habe. Aber bei kleineren Rollen schaue ich gerne die finale Fassung erst bei der Ausstrahlung im Fernsehen.

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