Deutsche Netflix-Komödie

"Spieleabend" bei Netflix: Ein Spiel eskaliert

19.07.2024, 14.44 Uhr
von Eric Leimann

In der deutschen Netflix-Komödie "Spieleabend" muss ein frisch verliebtes Paar (Janina Uhse und Dennis Mojen) im ehrgeizigen Freundeskreis bestehen. Die Eskalation zwischen Romantik-Komödie und Katastrophenfilm ist trotz vorhersehbarer Muster unterhaltsam.

Die Siedler von Katar

"Möge der Beste gewinnen – und möge ich der Beste sein!" – Wenn der nette Berliner Kiez-Fahrradladen-Inhaber Jan (Dennis Mojen) das Motto der Spieleabend-Treffs seiner neuen Freundin Pia (Janina Uhse) im Vorfeld gekannt hätte, vielleicht hätte er noch einen Rückzieher gemacht. Bis zu jenem Abend, an dem Pia auf jeden Fall verhindert sein wird, läuft es in der taufrischen Liebe der beiden wie im Märchen. Über ihre Hunde haben sich die beiden Anfang-Dreißiger im Park kennengelernt. Sie eine Existenzgründerin als Fotografin, er betreibt mit Kumpel Alex (Edin Hasanovic) das besagte Bikegeschäft. Dass in der deutschen Netflix-Komödie "Spieleabend" (ab 12. Juli) nicht alles auf rosa Wolken gebettet bleibt, gibt das Genre jedoch vor. Als Pia Jan kurzfristig bittet, ihn ins feine Grunewald zum Treff mit Jugendfreundin Karo (Anna Maria Mühe) und deren Mann Oliver (Axel Stein) zu begleiten, denkt sich Zweirad-Jan erst mal nichts Böses. Doch kaum ist man in der Auffahrt zur Villa von Karo und Oliver angekommen, wird ihm klar: Dieser Treff wird kein Zuckerschlecken.

"Welche Spiele spielst du denn so?", fragt der von Status und Leistung besessene Oliver den Neuen in der Runde? "Ich habe früher mal 'Die Siedler von Katar' gemocht", fabuliert sich der Nichtabiturient in der Runde zusammen. Spätestens von nun an ist Jan das Gespött der Besserverdiener und Besserwisser aus dem Grunewald. Es ergänzen die Runde: Sheila (Taneshia Abt), die auf selbstzerstörerische Art ihrer Freundin hinterhertrauert und Kurt (Max Bretschneider), der seltsame Mitbewohner von Karo und Oliver, den man offensichtlich nicht aus der Villa entfernen kann.

Pias und Jans Endgegner klingelt aber erst ein wenig später an der Tür: Zahnarzt Matthias (Stephan Luca), ebenfalls extrem wettbewerbsorientiert, ist Pias Ex-Verlobter und kommt überraschend dazu: an einen Spieltisch, der über Wort- und Sachgefechte bald zum kulturlosen Schlachtfeld mutiert.

Alles, was schiefgehen kann, soll hier schiefgehen

Ensemblekomödien mit Kammerspielcharakter und eingeflochtener Gesellschaftskritik liegen derzeit im deutschen Trend. Das bewiesen unter anderem Sönke Wortmanns Kinoerfolge "Der Vorname" und "Der Nachname". In beiden Fällen stammte das Drehbuch von Claudius Pläging, der nun auch "Spieleabend" (Regie: Marco Petry, "Mein Freund, das Ekel") zu Papier brachte. Was der 1975 geborene Autor (Grimme-Preis 2021 für "Die Carolin Kebekus Show") mit dem Film vorhat, ist schnell zu erraten. Im Haus der gutbetuchten Arschgeigen wartet auf Jan eine Eskalationsspirale zwischen RomCom und Katastrophenfilm. Alles, was schiefgehen kann, soll hier schiefgehen – sowohl auf sozialer wie auch auf Slapstick-Ebene. Als vorläufiger Höhepunkt des Abends steht an: ein Tischtennis-Duell zweier nackter Männer. Eine Szene, in der – sanfte Brechung des Klischees – auch mal mit Sympathieträger Jan das Testosteron durchgeht.

Figuren, Plot und Drehbuchkniffe von "Spieleabend" bedienen gängige Komödien-Procedere eher, anstatt sie klug zu brechen oder weiterzuentwickeln: Im Rahmen seines sicheren Erfolgskonzeptes macht dieser deutsche Comedy-Zeitvertreib aber dennoch Spaß. Tiefgründige Figuren-Exploration und mega-schlaue Gesellschaftskritik sollte man vom kompakten Unterhaltungsfilm (92 Minuten) nicht erhoffen. Und doch hat das Ganze ein bisschen doppelten Boden: Vielleicht sieht man nach dem Film den eigenen Freundeskreis inklusive verkappt wettbewerbsorientierten Treffs ein wenig kritischer. So könnte man am Ende doch noch über dieses deutsche Netflix-Komödchen in Nachdenken geraten.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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