Dystopische Fortsetzung

"The Testaments: Die Zeuginnen" setzt "The Handmaid's Tale" fort

08.04.2026, 12.33 Uhr
"The Testaments: Die Zeuginnen" auf Disney+ führt die Erzählung von "The Handmaid's Tale" fort. Im Mittelpunkt stehen Gileads höhere Töchter, die gegen Unterdrückung kämpfen.

34 – so viele Jahre liegen zwischen Margaret Atwoods 1985 erschienenem Sci-Fi-Klassiker "Der Report der Magd" (1985) und der Romanfortsetzung "Die Zeuginnen". Deutlich kürzer ist der Abstand zwischen ihren jeweiligen Serienadaptionen: Neun Jahre nach dem Start von "The Handmaid's Tale – Der Report der Magd" erzählt nun "The Testaments: Die Zeuginnen" die im Terrorstaat Gilead angesiedelte Geschichte um Unterdrückung und Freiheitstreben weiter.

Im Zentrum stehen nicht mehr wie in "Der Report der Magd" die den Männern aus der Führungselite dienenden Mägde, sondern die höheren Töchter der Gesellschaft. 15 Jahre nach den Ereignissen in der Vorgängerserie lernen wir die fromme Agnes (Chase Infiniti aus "One Battle After Another") kennen, Tochter eines privilegierten Commanders und Stieftochter der latent bösartigen Paula, gespielt von "Sweet Tooth"-Darstellerin Amy Seimetz.

Agnes besucht die Erziehungsschule von Gilead, wo sie zu einer mustergültigen Ehefrau und einer Edelhausfrau erzogen werden soll. Sticken, Törtchen verzieren und Blumengestecke basteln gehören zum Lehrplan der Anstalt, in die bald auch Daisy (Lucy Halliday) aufgenommen wird. Fans von "Der Report der Magd" wird dieser Charakter genauso ein Begriff sein wie die dritte Hauptfigur: Tante Lydia (Ann Dowd), die sadistische Leiterin der Mädchenschule, die nun von einer neuen Seite gezeigt wird. Von welcher, das soll genauso ausgespart bleiben wie eine nähere Ausführung Daisys. Nur so viel: Beide, Lydia und Daisy, und mit ihnen Agnes sind Teil einer Entwicklung, die Gilead in seinen Grundfesten erschüttern wird.

Margaret Atwoods Antwort auf die Weltsicht eines Donald Trump

"Die Zeuginnen" spielt in ferner Zukunft, doch wie in "Der Report der Magd" ankert auch hier die Zukunft fest in der Gegenwart. "Wir leben noch nicht in Gilead, aber es gibt Entwicklungen wie in Gilead", sagte Atwood 2017 mit Blick auf die damals gerade begonnene erste Amtszeit von US-Präsident Donald Trump, mit dem die Diskriminierung von Minderheiten, von Schwarzen und von Frauen salonfähig wurde. "Make Atwood fiction again", stand bezeichnenderweise auf Plakaten jener Frauen, die bei der Amtseinführung Trumps auf die Straße gegangen waren. Die Dystopien Atwoods sollten bitte wieder Fiktion werden.

Es blieb eine Wunschvorstellung. Auch deswegen, weil die Verhältnisse nicht besser, sondern schlimmer wurden, ließ die kanadische Autorin vor sieben Jahren die Fortsetzung ihres Klassikers folgen. Weil der Lauf der Welt immer wieder "Richtungswechsel" vollziehe – und dazu zählt sie auch und besonders die Wahl Trumps – hätte sie entschieden, "Die Zeuginnen" zu schreiben. Denn, so Atwood 2020 in einem Interview mit dem "Spiegel": "Wir bewegten uns nicht mehr länger weg von den Szenarien in "The Handmaid's Tale", sondern eher darauf zu."

Dass die Probleme wie Repressalien gegenüber Frauen heute virulenter sind, als sie es selbst bei Erscheinen der Buchvorlagen waren, zeigt nicht nur das Vorhandensein von "The Testaments: Die Zeuginnen", der Serie, die der Streaming-Dienst Disney+ ab 8. April anbietet. Deutlich wird das auch an der Dauerpräsenz von "The Handmaid's Tale – Der Report der Magd". Obwohl die Serie 2025 beendet wurde, ist sie gefragt wie eh und je. Bei den Streaming-Diensten Prime Video, Magenta TV und MGM+ ist sie nach wie vor abrufbar. Auch das ein Zeichen für die Relevanz von Stoff und Themen, die Atwoods Bücher wie auch die Serienadaptionen behandeln.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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