Christliche Abtreibungsgegner im "Polizeiruf 110": Gibt es solche Gruppen in Deutschland?
Einen passenderen Sendetermin hätte die ARD für den neuen Magdeburger "Polizeiruf 110" kaum finden können. Der 8. März ist der Weltfrauentag. Da wirkt die Folge "Your Body My Choice" bestens aufgehoben. Schließlich geraten im Krimi mit Claudia Michelsen als Magdeburger Ermittlerin Doreen Brasch christliche Abtreibungsgegner unter Tat-Verdacht. Haben die Aktivisten den Tod einer Praxis-Mitarbeiterin verursacht?
Ein Thema von gesellschaftspolitischem Format also mal wieder. Aber gibt es Proteste vor Schwangerschaftsabbrüchen vornehmenden Arztpraxen tatsächlich, wie der Film sie darstellt?
Zutreffend ist: Es gibt in Deutschland organisierte Abtreibungsgegner. Sich selbst bezeichnen die Aktivisten als Lebensschutz- oder Lebensrechts-Bewegung. Der Dachverband heißt Bundesverband Lebensrecht (BVL) und beherbergt insgesamt 15 Lebensschutz-Gruppen.
Aktivesten organisieren jährlich den "Marsch für das Leben"
Die treten öffentlich gegen Schwangerschaftsabbrüche, Sterbehilfe und bestimmte Reproduktionsmedizin auf. Jährlich wird in Berlin ein "Marsch für das Leben" organisiert, zuletzt auch in Köln. Verankert ist die kleine, aber gut organisierte Gruppe insbesondere im konservativ‑christlichen Spektrum verankert.
Neben Protestmärschen und politischer Lobbyarbeit sind auch Mahnwachen vor Praxen und Kliniken üblich – ganz so, wie der Magdeburger "Polizeiruf 110" es darstellt. Gruppen mit Namen wie "40 Tage für das Leben" versammeln sich regelmäßig vor Einrichtungen, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen oder Frauen darüber beraten. Dabei wird oft gebetet.
Dass Schwangere oder medizinisches Personal offen bedroht werden, wird hingegen nicht berichtet. Auch hier hält sich der ARD-Krimi mit Claudia Michelsen also an ein weitgehend realitätsgetreues Szenario.
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Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH