Mini-Serie bei ARTE

"Frieden": Stunde null in der Schweiz nach dem Zweiten Weltkrieg

von Eric Leimann

In der Schweiz brach die Mini-Serie "Frieden" Quotenrekorde. In der Serie geht es um Nazis, die durch Politik und Industrie gedeckt werden. Und um KZ-Überlebende, die nicht besonders herzlich empfangen werden. Jetzt ist "Frieden" bei ARTE zu sehen.

ARTE
Frieden
Mini-Historienserie • 25.03.2021 • 21:10 Uhr

Die Schweiz, das politisch neutrale Heimatland glücklicher Menschen. So sieht man die Eidgenössische Republik meist im Ausland, so sehen sich viele Schweizer auch immer noch gerne selbst. Die sechsteilige Miniserie "Frieden", vom staatlichen Fernsehsender SRF produziert, schlug im November 2020 jedoch einen derben Keil in das althergebrachte Image des Landes. Und das obwohl die Handlung aus einer Schweiz im Sommer 1945 – also kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs – berichtet. Im Mittelpunkt stehen drei junge Menschen: Die ausgebildete Lehrerin und Fabrikantentochter Klara (Annina Walt) kümmert sich im Flüchtlingsheim um jugendliche KZ-Überlebende aus Buchenwald. Ihr Verlobter Johann (Max Hubacher) soll nach dem Rückzug von Klaras Vater (Urs Bosshardt) bald zum neuen Chef der Tuchfabrik aufsteigen. Johanns Bruder Egon (Dimitri Stapfer) jagt als Polizist Nazis, die sich in der Schweiz verstecken.

Im Verlauf der sechsmal 50 Minuten – ARTE zeigt an diesem Donnerstag drei Folgen am Stück und die restlichen am Donnerstag, 1. April, 20.15 Uhr – wird den jungen Schweizern der Stunde null klar, dass auch ihr Land nicht als strahlender Held aus dem Ende des Nazi-Regimes im großen Nachbarland hervorgeht. Wohlhabende Wirtschafts- und Politikkreise decken flüchtige Nazis. Und auch bei Flüchtlingen wird geschaut, wer mehr und wer weniger "wertvoll" für die neue Heimat werden könnte. Zudem widmet sich ein Erzählstrang den Verstrickungen zwischen Schweizer und Deutscher Wirtschaft während des Krieges. Geschrieben wurde "Frieden", ein Format, das in der Schweiz fast durch die Bank weg sehr gute Kritiken erhielt, von Petra Volpe ("Heidi"-Verfilmung von 2015, "Die göttliche Ordnung").

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Bereits zum Auftakt der linearen Ausstrahlung – in der Schweiz sendete man an drei Primetime-Abenden Doppelfolgen – sahen knapp ein Drittel aller Schweizer zu. Dazu kam sehr viel mehr Publikum, das die Mini-Serie über die Mediathek des Senders genoss. Tatsächlich wirft das Schweizer Nachkriegs-Epos einen neuen, kritischen Blick auf die Rolle der Schweiz im und direkt im Anschluss an den Zweiten Weltkrieg. "Wenn man Geld hat, findet man hier bei euch Schweizern doch immer Freunde", legt ein überführter Deutscher, der sich in der Schweiz als Knecht und Pseudo-Deserteur versteckte, nach seiner Verhaftung den Finger in die Wunde der Eidgenössischen Gesellschaft.

Es sind Sätze wie diese, die das Werk von Regisseur Michael Schaerer, dessen Abschlussfilm "Warmth" ihm den Studenten-Oscar einbrachte und der auf dem Filmfestival in Venedig lief, interessant machen. Erzählerisch und in seiner Bildsprache bleibt sein Film konventionell, historisch und in seiner Figurenzeichnung wirkt er jedoch präzise.

In den Hauptrollen sind durchweg Schweizer Schauspieler zu sehen. Für deutsche Fernsehzuschauer bietet dies eine willkommene Abwechslung, da einem hier mal nicht die üblichen Verdächtigen im großen Historien-TV die Vergangenheit erklären. Annina Walt, 24-jährige Hauptdarstellerin der Serie, ist allerdings längst halbe Berlinerin: Nicht nur, dass der kommende Schweizer Schauspielstar in der deutschen Hauptstadt lebt, sie gehörte auch 2020 zur Abschlussklasse der örtlichen, hochrenommierten Schauspielschule "Ernst Busch".

Frieden – Do. 25.03. – ARTE: 21.10 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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