01.10.2021 "Höhle der Löwen"

Ankerkraut-Gründer ernten bei "DHDL" Shitstorm – warum eigentlich?

von Antje Rehse
Die "Gast-Löwen" Anne und Stefan Lemcke düpierten die anderen Investoren.
BILDERGALERIE
Die "Gast-Löwen" Anne und Stefan Lemcke düpierten die anderen Investoren.  Fotoquelle: RTL / Bernd-Michael Maurer

Das Netz kann unerbittlich sein: Diese Erfahrung mussten nun auch die "Ankerkraut"-Gründer machen, die in der "Höhle der Löwen" als Gast-Investoren dabei waren. Man darf aber schon fragen: Was genau haben sie eigentlich falsch gemacht?

Für Anne und Stefan Lemcke wurde 2016 in der VOX-Gründershow ein Traum wahr. Das Ehepaar präsentierte in der "Höhle der Löwen" seine Gewürzfirma "Ankerkraut". Schließlich bekamen die beiden ein Investement von Frank Thelen – und sind mittlerweile Multi-Millionäre.

Am Montag waren die "Ankerkraut"-Gründer erneut in der Sendung zu sehen, diesmal aber als Gast-Investoren. Anne und Stefan Lemcke mischten die vierte Folge ordenlich auf und schnappten sich am Ende zwei Deals. Erfahrene Löwen wie Ralf Dümmel und Georg Kofler hatten das Nachsehen. Auch, weil das "Ankerkraut"-Duo clever argumentierte. Immer wieder brachten die beiden ihre eigenen Erfahungen als Start-up zur Sprache, schafften so mit den Gründern eine Begegnung auf Augenhöhe. Ganz nach dem Motto: Wir standen auch mal dort, wo ihr jetzt steht und das ist gar nicht so lange her. Wir wissen, wo der Schuh drückt. "Wir haben eine Handvoll Investments, um die wir uns alle persönlich kümmern", brachte Stefan Lemcke einen weiteren Trumpf ins Spiel.

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Eigentlich eine völlig legitime Taktik, aber was sowohl die Gründer von "Holy Pit" (Deo) als auch die von "Veggie Crumbz" (Gemüsepanade) überzeugte, kam bei vielen Zuschauern gar nicht gut an. Überheblich, herablassend, unsympathisch, so das knallharte Urteil vieler Twitter-Kommentatoren über den Auftritt der Lemckes. Auf dem Instagram-Profil von "Ankerkraut" mussten sogar einige Kommentare gelöscht werden.

"Wow, die #Ankerkraut People haben es wohl geschafft noch unsympathischer zu sein als die Standard-Löwen. Das will schon was heißen. #dhdl #InsEigeneKnieGeschossen", twitterte ein User. "Ich sag mal so: gute PR für #Ankerkraut war das heute nicht. Bitte keine Experimente mit Gastlöwen mehr. #dhdl"

Es gab aber auch andere Stimmen. So meinte eine Userin: "Was ich nicht verstehe - warum sollte #ankerkraut sich demütig verhalten? Die sind nicht in der Sendung, um zu kuscheln, sondern um als Löwen aufzutreten. Das ist das Konzept der Sendung. (Kommentare löschen ist trotzdem blöd, aber das Auftreten war es mMn nicht.) #DHDL"

Kofler: "Das mit den Gäste-Löwen ist keine gute Idee"

Viele Zuschauer hätten sich von den beiden mehr Bescheidenheit gewünscht, vor allem im Auftreten gegenüber den etablierten "Löwen". Nur ist das eben nicht das Konzept der Sendung. Die "Löwen" kämpfen um Deals und müssen entsprechend selbstbewusst auftreten. Die "Ankerkraut"-Gründer waren für den ein oder anderen Zuschauer offenbar etwas zu forsch und Sympathie ist ohnehin sehr subjektiv. Dass die Twitter-Gemeinde während der Sendung aber den "armen" (weil angeblich respektlos behandelten) Groß-Investoren zur Seite sprang, entbehrt dann doch nicht einer gewissen Ironie.

Georg Kofler, der bislang in dieser Staffel übrigens erst einen Deal an Land gezogen hat, der zudem im Nachhinein platzte, befand am Ende der Folge: "Das mit den Gäste-Löwen ist keine gute Idee." Was als Scherz gemeint war, würden viele Zuschauer offenbar genauso unterschreiben, zumindest wenn man nach den Reaktionen auf Social Media geht.

Dass ein Auftritt in "Die Höhle der Löwen" auch nach hinten losgehen kann, mussten zuletzt schon die Erfinder von "Pinky Gloves" feststellen. Sie stellten bei "DHDL" pinkfarbene Einweg-Handschuhe vor, mit denen Frauen ihr Tampon wechseln und ihn dann geruchsarm verschließen können, bis der nächste Mülleimer bereitsteht. Ein vermeintlicher Problemlöser für ein vermeintliches Frauenproblem, entwickelt von zwei Männern. Die beiden Gründer, die sich in der Sendung als noch als "Frauenversteher" präsentiert hatten, ernteten einen heftigen Shitstorm. Mittlerweile haben sie das Produkt vom Markt genommen. 

"Ich hätte niemals gedacht, dass ein Pitch bei 'Die Höhle die Löwen' sich in so viel Hass umwandeln kann. Weg von meiner Person – am meisten damit zu kämpfen hatte ich mit dem Hass, der im Netz verbreitet worden ist und sich an die beiden Gründer richtete", sagte Ralf Dümmel, der in das Start-up investiert hatte, später in einem Interview

Dümmel selbst gab sich auf Twitter übrigens als fairer Verlierer. "Ihr habt das ganz, ganz toll gemacht. Ihr habt stark argumentiert", sagte er, an Anne und Stefan Lemcke gerichtet, in einem Video. "Es ist legitim, dass sich Gründerinnen und Gründer auch mal nicht für mich entscheiden." Eben!

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