Neue Folge "Angezählt"

"Billy Kuckuck": Boxen als Lebenshilfe

von Wilfried Geldner

Gerichtsvollzieherin Billy Kuckuck trifft in ihrem neuen Fall auf einen Boxlehrer. Der Ex-Weltmeister ist für seine Schützlinge viel mehr als "nur" ein Trainer. Doch leider hat er hohe Schulden.

ARD
Billy Kuckuck: Angezählt
Komödie • 01.10.2021 • 20:15 Uhr

Eigentlich müsste die Gerichtsvollzieherin Billy Kuckuck (Aglaia Szyszkowitz) beim Boxschulen-Betreiber Kai Burdenski (Ralph Herforth), einem veritablen Ex-Weltmeister, überall einen "Kuckuck" draufkleben. Burdenski ist schwer verschuldet, alleine die Stromrechnung geht in die Tausende. Weil die sympathische Gerichtsvollzieherin aber schnell merkt, dass Burdenski mehr als nur linke Haken und rechte Geraden beherrscht und mit Verstand seine jugendlichen Schützlinge auch in ihrem Alltag betreut, will sie gerne helfen. Kuckucks vierter Fall, "Angezählt" (Regie: Thomas Freundner), zelebriert die Kunst der Selbstverteidigung, ohne in die Klischees üblicher Boxerfilme zu verfallen.

Mit Understatement und viel Geschick werden hier alle Boxfilm-Klischees umschifft. Boxen kommt lange Zeit nur in Form von Boxbirnen-Bearbeitung vor, und im Ring wird gleich das Neueste aus dem Biologieunterricht mit vermittelt. Da wirkt es nicht weiter befremdlich, dass die junge afghanische Asylbewerberin Samy (Saron Degineh) im Eifer des Gefechts dem Stromabsteller gleich mal eins auf die Nase gibt. Die sympathische Kuckuck weiß den Überschwang der Gefühle zu schlichten – als Zeugin hat sie einfach nichts gesehen.

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Weder Gutmensch noch boxender Bösewicht

Indessen verfällt der Ex-Champion Burdenski, den sie einst den "Amboss" nannten, auf die lebensgefährliche Idee, zur Begleichung seiner Schulden trotz seines vorgerückten Alters noch einmal in den Ring zu steigen. Ralph Herforth, kampferprobt seit Lars Beckers "Schattenboxer", macht als Betreuer seine Sache gut, er ist weder Gutmensch noch boxender Bösewicht. Dass ihn die Tochter samt Enkel einst wegen seines unwirschen Wesens verlassen hat, ist jetzt ein Glück: Für Billy Kuckuck wird der vorenthaltene Enkel zum Pfand, um den "Amboss" vom fatalen Revival abzuhalten. Zudem kann der Altmeister dem Kleinen – arg nett – die Boxkunst erklären.

Aber auch für die von der Abschiebung bedrohte Samy gibt's ein Happyend, das augenzwinkernd das Leitmotiv aller Sportlerfilme zitiert: Du schaffst es! Das Märchenhafte ist bei "Billy Kuckuck" ja schon im Wahnsinnstitel angelegt. Beim fälligen Entscheidungskampf hilft eine wackelnde Kamera geschickt über mangelnde Boxtechnik der Protagonistin hinweg. Erinnerungen an das "Million Dollar Baby" der Hilary Swank kommen da glücklicherweise gar nicht erst auf.

Am Rande der Dreharbeiten im Oktober 2020 stimmten fast alle Darsteller in ein Lob des Boxens ein. Aglaia Szyszkowitz' Sohn boxt in München gar beim TSV 1860, wo sich der Trainer Ali Cukur seinerseits in der Jugendbetreuung übt. "Schattenboxer" Herfoth findet Boxen "eines der besten Rundum-Fitnesstrainings überhaupt" und Gregor Bloeb, Kuckucks Polizistenbruder im Freitagsfilm, bekennt schlichtweg: "Ich verehre den Boxsport." Auf der Bühne hat er lange Zeit im Jugendstück "Zigeunerboxer", den Sinto Rukeli Trollmann gespielt, der im KZ Neuengamme 1944 von den Nazis ermordet wurde. – Bei so viel individueller Boxleidenschaft und -kenntnis ist es fast schon erstaunlich, mit wie viel Leichtigkeit das Thema "Boxen als Lebenshilfe" hier rüber kommt. Ein echtes Programmschwergewicht unter den Komödien am Freitagabend!

Billy Kuckuck: Angezählt – Fr. 01.10. – ARD: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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