Thrillerdrama 'Paradise Highway' mit Binoche und Freeman im ZDF








Das ZDF wiederholt ein selbst mitproduziertes US-Thrillerdrama, das mit Topstars wie Juliette Binoche, Morgan Freeman und in einer Nebenrolle mit Veronica Ferres besetzt ist. Viel PS auf der Straße, doch gut geölt wirkt das nicht.
Liebeskomödien stützen sich oft auf das schwache Gerüst, dass man zwei eigentlich klar füreinander Vorbestimmte über lange Zeit dabei beobachtet, wie sie sich noch nicht finden – bis zum erlösenden Happy-End-Kuss. Actiondramen bauen sich nicht selten ähnlich auf: Es besteht die Hoffnung, es könnte beim berühmt-berüchtigten "letzten Mal" doch noch gut ausgehen – bis dann alles anders kommt. So startet auch der hochkarätig besetzte Thriller "Paradise Highway – Straße der Angst", der 2022 beim Filmfest von Locarno vorgestellt wurde und nun im ZDF zu später Stunde wiederholt wird.
Das Zweite hat das aus den USA, Deutschland und der Schweiz finanzierte Star-Vehikel, das im Milieu der nordamerikanischen Überland-Lastwagen-, Gangster- und Mädchenhändler-Welt spielt, mit auf die Straße gebracht. Die Oscar-Preisträger Juliette Binoche und Morgan Freeman sieht man gern. Schade nur, dass das Regiedebüt der norwegischen Drehbuchautorin und Regisseurin Anna Gutto inhaltlich ein wenig von der Spur abkommt.
Der US-Weltstar Binoche hat sich in die Rolle einer taffen US-Truckerin einfinden müssen. Mehr oder weniger abgebrüht klemmt ihre Sally sich hinter das Steuer eines wuchtigen Lkw, verbringt Tage und Nächte auf der Piste – mit wenigen Ruhepausen auf abgelegenen, durchaus gefährlichen Rastplätzen. Für ihren Bruder Dennis (Frank Grillo), der im Knast sitzt, übernimmt sie als Familienfreundschaftsdienst immer wieder Zusatzgepäck mit – als Drogen-Kurierfahrerin. Doch dann wird ihr versichert, dass es angeblich nur noch einmal um einen "letzten Job" geht.
Eiskalt abgedrückt
Dieser hat es aber in sich: Zunächst ziemlich entsetzt muss Sally feststellen, dass es sich bei der Geheimfracht um ein junges Mädchen handelt. Die 13-jährige Leila (Hala Finley) allerdings nimmt ihr Schicksal resolut selbst in die Hand. Als sie am vereinbarten Treffpunkt einem Mädchenhändler übergeben werden soll, schnappt sich die junge Frau Sallys Flinte und knallt den Gangster einfach ab.
Die beiden Frauen bilden – zunächst widerwillig, dann immer besser aufeinander eingestellt – ein verschworenes Duo. Rasch haben sie nicht nur die Schergen eines skrupellosen Menschenhändlerrings, sondern auch das FBI auf den Fersen. Doch der alte Ermittler-Fuchs Detective Gerick (Morgan Freeman) ahnt schnell, dass die vermeintlichen Mörderinnen in Wahrheit selbst in der Opfer-Rolle stecken.
Recherche-Tipps vom Star-Filmemacher Paul Schrader ("Taxi Driver")
Die Norwegerin Anna Gutto setzte mit ihrem Debüt-Film eine Idee um, die ihr während des Filmstudiums ihr damaliger Dozent, der Meister-Filmemacher Paul Schrader ("Taxi Driver") angetragen hatte. Er soll ihr geraten haben, sich doch einmal mit der Szene der weiblichen Truckerinnen auseinanderzusetzen. Tatsächlich begab sich Gutto auf Feldstudien. Die Regisseurin und Drehbuchautorin verbrachte mehrere Tage auf dem Beifahrersitz und unbequeme Nächte in der Schlafkoje. Dabei konnte sie viel mit Frauen sprechen, die vom harten, einsamen Leben in einem vermeintlichen Männer-Job erzählten.
Das Insider-Wissen merkt man der Autorin und Jung-Filmemacherin an. Überzeugen kann ihr Werk dennoch nicht wirklich. Zwar ist es ein Vergnügen, Stars wie Binoche und Freeman auf dem Bildschirm wiederzuerleben. Und Veronica Ferres, die zudem eng mit der Produzentin des Films, Claudia Bluemhuber, befreundet ist, spielt in einer Nebenrolle mit – eine kuriose Überraschung, sie im Führerhaus eines tonnenschweren PS-Monsters zu erleben.
Trotzdem wirkt vor allem das Drehbuch des Films arg überladen, und viele Charakterzeichnungen bleiben blutleer und wirken unmotiviert. So versteht man nie ganz, warum sich Sally überhaupt auf die schmutzigen Geschäfte mit ihrem Bruder einlässt. Und der Mix aus Actionfilm, Geschwisterdrama und feministischer Selbstermächtigung blockiert sich gegenseitig mehr, als dass sich die Handlungsstränge ineinanderfügen. Das Motto "Viel hilft viel" hat diesem Debüt-Film sicher nicht geholfen.
– Straße der Angst – Sa. 10.08. – ZDF: 23.30 Uhr
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Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH