Packendes EM-Spiel

Spannung pur: Türkei und Georgien liefern bisher bestes EM-Duell

20.06.2024, 08.52 Uhr
von Martina Borgschulze

Auf dem Papier ist es die schwächste EM-Gruppe – doch Türkei und Georgien liefern das beste Spiel der EM. Selbst die RTL-Kommentatoren sind sprachlos.

In Dortmund herrscht dem Fritz sein Wetter. Übersetzt für alle Nachgeborenen heißt das: Es schüttet wie aus Eimern. Aber anders als die Saarbrücker Stadtverwaltung haben die Wasserbeauftragten des Westfalenstadions ihre Drainagen nicht auf dem Flohmarkt erstanden. Der Rasen ist bespielbar. Ist ja schließlich EM und nicht DFB-Pokal. Und auch Marco Hagemann und Steffen Freund sind bereit. Letztgenannter meint: "Ich bin noch ein bisschen feucht." Um das mal mit den Worten des Kaisers zu kommentieren: "Ja, gut, äh."

Im Studio ist Johannes B. Kerner vor Rührung den Tränen nahe, dass sich Georgien überhaupt für die EM qualifiziert hat. Und dass rund 6.000 Fans im Stadion sind: "Ein Flug von Tiflis nach Frankfurt dauert fünfeinhalb Stunden", hat er recherchiert. "Ohne Gegenwind!"

Ex-Trainer glaubt an die Türkei

Michael Ballack darf dann ein wenig über Georgiens Trainer Willy Sagnol plaudern, den er noch aus gemeinsamen Bayern-Zeiten kennt. Ob Sagnol denn damals schon gezeigt habe, dass er über Trainer-Qualitäten verfüge, will Kerner wissen. Dazu Ballack: "Franzosen sind generell sehr meinungsstark." Stimmt natürlich. Und ist auch gut so. Haben auch Mbappé und Co. in den vergangenen Tagen schließlich unter Beweis gestellt, als sie sich ganz unverblümt für Toleranz und Demokratie starkgemacht haben.

Bevor Johannes B. Kerner dann Marco Hagemann und Steffen Freund von der Leine lässt, schaltet er noch kurz zu Stefan Kuntz. Der hat offenbar eine Wette verloren und muss den Abend mit Elton im "RTL EM-Studio" verbringen. Als Experte, schließlich kennt er die türkische Nationalmannschaft gut, er hat sie von 2021 bis 2023 trainiert. "Das Herz klopft noch?", fragt Kerner. "Klar", mein Kuntz. "Das kann man nicht einfach abschneiden und irgendwie in die Kiste treten."

Niederlage gegen die Türkei? Matthäus kann sich nicht erinnern

Kuntz hat, darauf wird man mit Nachdruck hingewiesen, 1996 den bislang letzten EM-Titel für Deutschland geholt. Zusammen mit – auch darauf wird man mit Nachdruck hingewiesen – Steffen Freund. Der kann denn auch nicht aufhören, den Ex-Kollegen für seine Arbeit in der Türkei zu rühmen. "Er hätte nicht entlassen werden dürfen", schimpft er und erklärt, dass alles, was die Türkei zu leisten imstande ist, ausschließlich auf Kuntz' Vorarbeit zurückgeht. Daraus lässt sich folgern: Sollten wir Europameister werden, ist das zu 100 Prozent Hansi Flick zu verdanken.

1996 nicht dabei, aber dafür diesmal: Lothar Matthäus. Der ist vor dem Spiel so aufgeregt, dass er sich nicht mehr daran erinnert, wie die letzte Begegnung der Türken mit der DFB-Auswahl ausging: Schlugen sie Deutschland 3:2? Oder doch 2:0? Für alle, die wie er das Spiel vorsichtshalber verdrängt haben: Es war ein 3:2 für die Türkei. Und Havertz gab damals den Linksverteidiger.

Nach Freund-Dauerplauderei: Hagemann hat "gerade keine Lust mehr"

Bis zu diesem Moment musste man befürchten, der frühe Fußball-Abend könnte einen ähnlichen Unterhaltungswert haben wie eine Partie Halma gegen das eigene Spiegelbild. Oder, noch schlimmer, wie das Spiel Serbien gegen England. Dann aber wird die Partie angepfiffen, und sofort brennt das Stadion, obwohl ein Feuer bei den ganzen Wassermassen, die da vom Himmel kommen, doch eigentlich unmöglich sein müsste. Aber es brennt auf dem Platz, auf den Tribünen und in der Kommentatorenkabine. "Kann gar nicht sprechen", japst Steffen Freund nach einer knappen Viertelstunde hingerissen. Ist natürlich gelogen. Freund kann immer reden. Auch ohne Luft zu holen. Auch 45 Minuten am Stück.

Das wird irgendwann sogar Marco Hagemann zu viel: Als Jungstar Arda Güler in der 65. Minute den Ball ins Tor streichelt, fährt er dem Kollegen über den Mund: "Sei mir nicht böse, ich habe gerade gar keine Lust auf analytische Dinge!" Da wünscht man sich sogar als unparteiischer Fan, dass Klein-Güler noch so fünf bis zehn Dinger auf den Kasten bringt.

Cristiano Ronaldo oder Elton – das ist hier die Frage

Am Ende eines Spiels, das wahrhaftig so packend gewesen ist, dass man sich nicht einmal in der Halbzeit traute, ein zweites Bier zu holen, gewinnen die Türken 3:1. "Die ganze Mütze verrutscht im Regen von Dortmund, aber es hat sich gelohnt!", jubelt Freund und lobt anschließend die Fans, die so viel Stimmung gemacht hätten und so friedlich gewesen wären. Da war er vermutlich noch beim Haareföhnen, als die Polizei eine Schlägerei zwischen Türken und Georgiern auf den Rängen unterbinden musste. Und er hat auch offenbar kein Problem damit, wenn man die Nationalhymne des Gegners niederpfeift. Wenn das sogar die Engländer machen, muss das ja in Ordnung sein ...

Dann geht es zur Kurzanalyse zurück zu JBK und Michael Ballack ins Studio. Abschließend stellt Kerner das Fernsehpublikum vor die Wahl: bei RTL bleiben und das "EM Studio" mit Elton schauen, oder bei MagentaTV das Spiel Portugal gegen Tschechien einschalten. Als Entscheidungshilfe werden Bilder von Elton und Cristiano Ronaldo eingeblendet. Auf die RTL-Quoten darf man gespannt sein ...


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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