Evelyn Hamann

Lesermeinung
Geboren
06.08.1942 in Hamburg, Deutschland
Gestorben
28.10.2007 in Hamburg, Deutschland
Sternzeichen
Biografie
Sie war mehr als "die bessere Hälfte" von Vicco von Bülow alias Loriot, der die versierte Bühnenschauspielerin 1976 zu seiner Filmpartnerin erkoren hatte und damit treibende Kraft für Hamanns Film- und Fernsehkarriere wurde.

Zu diesem Zeitpunkt blickte die Tochter einer Hamburger Musikerfamilie bereits auf eine Theater-Laufbahn mit Stationen in Hamburg, am Deutschen Theater Göttingen, an den Städtischen Bühnen Heidelberg und am Theater der Freien Hansestadt Bremen zurück. Und auch ohne Loriot an ihrer Seite hat Hamann ihre Film-Karriere fortgeführt und dabei diverse Auszeichnungen erhalten. Für ihre wohl populärste Rolle als kriminalistisch-eigenwillige Sekretärin Adelheid Möbius in "Adelheid und ihre Mörder" (1993-2007) wurde die komödiantisch veranlagte Schauspielerin 1997 mit dem Bayerischen Fernsehpreis und dem TeleStar ausgezeichnet.

Ironie und (tragische) Komik, gepaart mit weiblicher Intuition, Glaubwürdigkeit und der Liebe zum Detail zeichneten die Rollen der Hamann aus. Dabei verfiel sie nie in Klamauk. Ihre Frauen-Figuren kämpfen letzten Endes für eine bessere Welt, lassen sich nicht unterkriegen. Selbst wenn sie die verknöchert-tumbe oder gedehmütigte Hausfrau spielte, blieb Platz für versöhnlichen Humor und Hoffnung. So wandelte sie sicher auf dem Grad zwischen Lachen und Weinen. Hamann, die komische Moralistin.

Als berufstätige, einfallsreiche Mutter, die bei der Postenvergabe untergebuttert wird, sehen wir sie in "Wut im Bauch" (1998). In "Ehemänner und andere Lügner" (2000) etwa spielt sie die betrogene Ehe- und Hausfrau Gerda Förster, die sich auf ihre bescheidenen Qualitäten besinnt und noch zu großer Form aufläuft. Doch in den frühen Sketchen neben "Loriot" (1976) und in seinen Spielfilmen wird sie bekannt. In "Ödipussi" (1987) spielt sie das aufgedonnerte Frauenzimmer Margarethe Tietze, in das sich das 56-jährige Mamasöhnchen Paul Winkelmann (Loriot) verliebt. In "Pappa ante portas" (1990) ist sie die gebeutelte Pensionärsgattin Renate Lohse, die mit den skurrilen Launen ihres Frühpensionärs, Ex-Einkaufsdirektor Heinrich Lohse, fertig werden muss.

Im Serienfach erlebten wir Evelyn Hamann als attraktiv herausgeputzen Passagier auf dem "Traumschiff" (1981), in der "Schwarzwaldklinik" (1981, 1985), im "Landarzt" oder in den heiter-menschlichen "Geschichten aus dem Leben" (seit 1993). Evelyn Hamanns viele Gesichter und Masken darin dienten der liebevollen Zeichnung ihrer Figuren. Deren Leid und Schläue, Kampflust und Glückssehnsucht, Bockigkeit und Opferbereitschaft rührten und machten Spaß. Serienrollen hatte sie auch in "Polizeifunk ruft" (1965), "St. Pauli Landungsbrücken" (1979), "Roncalli" (1986) und "Glückliche Reise - Mexiko" (1992).

Privat blieb Evelyn Hamann verschlossen. Bei ihren seltenen Gesprächen mit Journalisten gab sie in den vergangenen Jahren nur wenig preis: Sie sei einmal kurz verheiratet gewesen, liebe Katzen und Wagner-Musik, lese oder male zur Entspannung und spiele Klavier. Hanseatisch zurückhaltend eben. Evelyn Hamann starb im Alter von nur 65 Jahren nach kurzer und schwerer Krankheit.

Weitere Filme: "Vier Stunden auf Elbe 1" (1968), "Ida Rogalski" (1969), "Der Pfingstausflug" (1978), "Was wären wir ohne uns" (1979), "Felix und Oskar" (1980), "Gute Reise" (1981), "Wer spinnt denn da, Herr Doktor?" (1981), "Piratensender Powerplay" (1982), "Nesthäkchen" (1983), "Norddeutsche Geschichten" (1986), "Segeln macht frei" (1986), "Tatort - Tod im Elefantenhaus" (1987), "Evelyn und die Männer" oder "Wie Hund und Katz" (1987), "Kein pflegeleichter Fall" (1990), "Der Millionenerbe" (1993), "Alles nur ein Spiel" (1993), "Der Alte - Die Akte" (1992), "Vater braucht eine Frau" (2001), "Die Schwarzwaldklinik - Die nächste Generation" (2005).

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