Hal Ashby

Einer der wichtigsten Regisseure Hollywoods: Hal Ashby Vergrößern
Einer der wichtigsten Regisseure Hollywoods: Hal Ashby
Hal Ashby
Geboren: 02.09.1929 in Ogden, Utah, USA
Gestorben: 27.12.1988 in Malibu, Kalifornien, USA

Mit Filmen wie "Harold und Maude" (1971), "Shampoo" (1974) und "Coming Home - Sie kehren heim" (1977) gehört Hal Ashby zeitweilig zu den wichtigsten und erfolgreichsten Regisseuren von Hollywood. "Willkommen, Mr. Chance", die Tragikomödie um einen vom unmäßigen Fernsehen verblödeten Gärtner, der zum Präsidentenberater aufsteigt, hat gar Kultcharakter und zeigt Peter Sellers in einer seiner letzten und besten Rollen.

Dem kalifornischen Staatsdepartement für Arbeitslose verdankt der junge Ashby eine Anstellung im technischen Büro der Universal Studios. Das geschieht so: Er beginnt in dem väterlichen Milchflaschen-Abfüllunternehmen, ist die Arbeit aber bald satt und geht nach Kalifornien. Doch dort fließen für ihn nicht Milch und Honig. Er friert erbärmlich, hat Hunger, keinen Pfennig Geld und nur eine Parkbank als Nachtlager. Und das Arbeitsamt? Es vermittelt ihn ausgerechnet nach Hollywood! Ob man nicht im Filmgeschäft einen Job habe, hat er nur ironisch gefragt, und bei der Universal suchte man eine Art Mädchen für alles. Natürlich entdeckt man nicht gleich sein Talent: Er stapelt Drehbücher, sortiert, ordnet ein - und dabei erkennt er bald: Man muss nur etwas schreiben, das Eindruck macht.

Drei Jahre dauert es, bis sich Ashbys Situation etwas ändert. Anfangs ist es nicht viel, bei Byron Haskins "Kaptän Sindbad" (1963) ist er Cutter-Assistent. 1964 schneidet er Tony Richardsons "Tod in Hollywood", ein Jahr später er bereits ein Cutter-Diplom in der Hand. Und jetzt tritt sein Förderer in Erscheinung: Norman Jewison, Regisseur von "In der Hitze der Nacht" (1966) kümmert sich von Anfang an um den jungen Mann. Ashby schneidet bei ihm seinen ersten Film, "Cincinnati Kid" (1965). Western-Legende Sam Peckinpah hatte den Film in Schwarzweiß begonnen, dann warf der Produzent das schwierige Genie raus und übergab Jewison die Regie. Später gesteht der in einem Interview, dass ihm die Situation sehr peinlich war.

Immerhin wird dann aber doch ein guter Film daraus, und Jewison ist durchaus der Ansicht, dass sein neuer Cutter allerlei Verdienst daran hat. Jewisons nächster Film, "Die Russen kommen! Die Russen kommen!" (1965), eine Satire auf den Kalten Krieg, wird ein riesiger Erfolg und bringt Ashby seine erste Oscar-Nominierung ein. Noch erfolgreicher wird 1967 "In der Hitze der Nacht". Der Film bekommt fünf Oscars, darunter auch einen für den Schnitt. Ashbys letzte Schnittarbeit war "Heißes Pflaster Chicago" (1969). Norman Jewisons Pech wird 1970 für Hal Ashby zur Chance. Jewison kommt aus einem Vertrag nicht heraus. Er ist an der Vorbereitung von "Anatevka" und will sein Projekt "Der Hausbesitzer" mit Beau Bridges zurückziehen. Doch das geht nicht. Da bekommt Ashby den Auftrag, den Film zu drehen und nutzt die Chance.

Sein Spielfilmdebüt ist eine böse Satire auf die US-Gesellschaft. Die weiße Mittelklasse zeigt sich hier als degenerierte Horrorgesellschaft. Wie in allen Ashby-Filmen geht es auch hier um Personen, die zum radikalen Überdenken ihrer Situation gezwungen werden, oder aber sie müssen sich auf ein konventionelles Weiterleben beschränken. Jetzt ist Ashby Regisseur, und "Harold und Maude" (1971) ist sein erster Kultfilm. Mit Ironie, Spott, Hohn und Trauer betrachtet Ashby das Land der unbegrenzten Möglichkeiten: Harold ist 20 und lebt mit seiner exzentrischen Mutter im Herrenhaus, Maude ist 80 und haust in einem Eisenbahnwaggon voller Plunder, Trödel und Erinnerungsstücke. Beide haben eine Vorliebe für Begräbnisse und beginnen eine bizarre Liebesbeziehung.

Harold, der sich mit perfekt inszenierten Selbstmord-Spielereien abseits hält, findet bei Maude Mut und Kraft, anders zu sein. Ruth Gordon als Maude ist eine lebhafte alte Dame voller Witz und Turbulenz, Bud Cort spielt überzeugend den kauzig-traurigen Harold. Als Maude stirbt, beginnt Harold, zu verstehen und findet seinen eigenen Weg. Dagegen lässt Ashby die Menschen neben seinem seltsamen Liebespaar zu Fratzen erstarren. Eine Militärkomödie um Dienstaufsicht, Kameradschaft und persönlichen Mut ist "Das letzte Kommando" (1973). Oscarnominierungen gibt es für Hauptdarsteller Jack Nicholson, Nebendarsteller Randy Quaid und Drehbuchautor Robert Towne. Doch alle gehen letztendlich leer aus. Towne ist auch - gemeinsam mit Warren Beatty - 1975 für das Drehbuch von Ashbys "Shampoo" nominiert, wieder erfolglos, aber immerhin erhält Lee Grant den Preis für die beste weibliche Nebenrolle.

"Dieses Land ist mein Land" (1976) ist die Filmbiographie des amerikanischen Folksängers Woody Guthrie, der 1967 starb. Während der Depression in den Dreißiger Jahren war Guthrie von Texas nach Kalifornien gegangen und hatte gemeinsam mit den unterdrückten Landarbeitern gegen die Ausbeutung gekämpft. Hal Ashby gibt ein eindringliches Porträt des Sängers und Kämpfers, hat jedoch das sozialkritische Engagement zurückgedrängt. Es gibt einen Oscar für die Kamera von Haskell Wexler, einen weiteren für die Musik von Leonard Rosenman. Für "Coming Home - Sie kehren heim", dem Vietnam-Film von 1977, gibt es noch einmal drei wichtige Oscars: für das Originaldrehbuch von Nancy Dowd, Waldo Salt und Robert C. Jones, sowie für die beiden Hauptdarsteller Jane Fonda und Jon Voight.

"Willkommen, Mr. Chance" (1979) ist noch einmal eine bissige Satire auf die Macht der Medien. Erstaunlicherweise bekommt Peter Sellers für seine hervorragende Darstellung des Protagonisten nicht den Oscar, für den er nominiert ist. Dafür wird Melvyn Douglas für die beste Nebenrolle ausgezeichnet. Die letzten Filme enttäuschten zum Teil: Die platte Komödie "Herzen aus zweiter Hand" (1980) kommt gar nicht erst über den Teststart hinweg und wird in Europa als Video oder TV-Movie verhökert. "Rocks Off - die US-Tour der Rolling Stones" (1981) ist immerhin ein großes Vergnügen für die Fans. Die annehmbare Spielerkomödie "Der Zocker" (aka "Zwei in der Tinte",1983) und der dürftige "Die Frau des Profis" (1985) blieben an den Kinokassen erfolglos. Sein letzter Film dagegen, "8 Millionen Wege zu sterben" (1986, mit Jeff Bridges und Rosanna Arquette) bietet solide Krimispannung.


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