Joanne Woodward

Joanne Woodward an der Seite ihres verstorbenen
Mannes Paul Newman Vergrößern
Joanne Woodward an der Seite ihres verstorbenen Mannes Paul Newman
Joanne Gignilliat Woodward
Geboren: 27.02.1930 in Thomasville, Georgia, USA

Der offene Blick aus Joanne Woodward grünen Augen hat nichts katzenhaft-gefährliches, nichts beunruhigendes, er ist sanft, vielleicht ein wenig irritierend, keinesfalls aber unangenehm. Ihr Spieltalent, ihre Schönheit, die Energie und ihr Charisma kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass Joanne Woodward, seit dem 29. Januar 1958 Mrs. Paul Newman, immer die Frau neben dem großen Star bleibt.

Sie selbst aber äußert immer wieder, dass sie das überhaupt nicht stört. Jedenfalls hat es der immer noch andauernden Ehe von stolzen 50 Jahren nichts anhaben können. Und Joanne pflegt in solchen Fällen immer schelmisch zu sagen, dass ihr Oscar, ihre Nominierungen, ihre Preise und Erfolge für sie genügend Beweise seien, dass sie hinter Paul Newman nicht zurückstehen müsse - er sei ja schließlich auch der Schönere von ihnen. Mitschüler Joanne Woodwards von der High School schwärmen bereits von ihrem Spieltalent, ihrer Wandlungsfähigkeit, ihrer Kameradschaftlichkeit. Nach dem Schulabschluss geht sie an die Louisiana State University, wo sie Theatergeschichte und Schauspielwissenschaft studiert; nach einem Zwischenspiel als Sekretärin kehrt sie wieder zur MacLaine Theatertruppe ihrer Schulzeit zurück, und nach einem "Gastspiel" an einem Sommertheater in Massachusetts macht sie eine Schauspielausbildung bei Sanford Meisner am Neighborhood Playhouse in New York.

Danach folgt die große Nachfrage beim Fernsehen: Joanne spielt neben Stars wie Robert Montgomery und Gregory Peck. Am Theater agiert sie 1952 als "Understudy"-Actor (zweite Besetzung) für den Broadway-Erfolg "Picnic" und dort lernt sie den männlichen "Understudy" Paul Newman kennen. Dick Powell schließlich sieht sie im Fernsehspiel "Interlude" und verschafft ihr einen Sieben-Jahres-Vertrag bei der 20. Century Fox, die sie die ersten Jahre noch an andere Firmen ausleiht. Ihr Kinodebüt gibt Joanne in einem Western: "Zähl bis drei und bete" von George Sherman (1955) zeigt sie an der Seite von Van Heflin. Ein Publikumserfolg wird der nächste Film: Neben Janet Leigh und Robert Wagner spielt sie in "Kuss vor dem Tod" von Gerd Oswald. Danach hat sie noch einen erfolgreiches Interim am Broadway in dem Stück "The Lovers".

Bereits der nächste Film, Jean Negulescos "Eva mit den drei Gesichtern" (1956), bringt ihr den Oscar als beste Darstellerin. 1957 dreht Martin Ritt mit ihr und Tony Randall "Fenster ohne Vorhang", ein Jahr später den ersten Film mit Paul Newman und Joanne Woodward "Der lange heiße Sommer". William Faulkner schrieb die Romanvorlage, ein glänzendes Star-Vehikel. Joanne Woodward fasziniert in ihrer zurückhaltenden Weiblichkeit; die ausgeglichene Art ihrer Bewegungen und Blicke geben ihr einen ganz eigenwilligen Reiz. So sanft diese Frau hier zwischen dem Titanen Orson Welles, dem schwächlichen Bruder (Anthony Franciosa) und dem schönen jungen Mann mit den blauen Augen (Paul Newman) einen Ausgleich schafft, Bestimmtheit und Ruhe ausdrückt, so exaltiert, ja geradezu exhibitionistisch wirkt sie 1960 neben Anna Magnani und Marlon Brando in Sidney Lumets Tennessee-Williams-Verfilmung "Der Mann in der Schlangenhaut". Außerdem spielt sie in Martin Ritts Musikfilm "Paris Blues" erneut an der Seite ihres Mannes.

1968 beginnt ihr eigentlicher Aufstieg als Charakterdarstellerin in ihrer Kinokarriere: Paul Newman dreht mit seiner Frau "Rachel, Rachel - Die Liebe eines Sommers". Noch einmal wird sie für den Oscar nominniert. Großen Eindruck macht sie als jene vereinsamte Frau, deren Lebenslust durch eine große Liebe wiedererwacht. 1969 dreht sie erneut mit ihrem Ehemann das Actiondrama "Indianapolis". Für die Rolle der neurotischen Witwe Beatrice in Paul Newmans "Die Wirkung von Gamma-Strahlen auf Ringelblumen" (1972) erhält sie den Darstellerpreis in Cannes, danach wählt sie die amerikanische Gesellschaft für Film und Fernsehen zur besten Schauspielerin des Jahres.

1973 wird sie als Ehefrau Rita Walden in Gilbert Cates' Melodram "Sommerwünsche, Winterträume" für den Oscar nominiert. Danach arbeitet Joanne Woodward vor allem fürs Fernsehen. 1984 entsteht wieder unter Newmans Regie "Harry & Sohn". Danach erklärt Joanne, keinen Kinofilm mehr drehen zu wollen. Doch sie wird - glücklicherweise - wortbrüchig: 1987 dreht sie - unter Newman - "Die Glasmenagerie". Hier glänzt Joanne Woodward in einem wunderbaren Ensemble, brillant fotografiert von Michael Ballhaus. Und 1990 ist sie in "Mr. und Mrs. Bridge" (Regie: James Ivory) an der Seite ihres Mannes Paul Newman eine duldsame Rechtsanwaltsgattin. Für diese Rolle wird sie wiederum für den Oscar nominiert.

Der TV-Film "Blind Spot - Tödliche Sucht" (1993) von Michael Toshiyuki Ono erreicht hohe Einschaltquoten, der Film aus dem gleichen Jahr, "Foreign Affairs" von Jim O'Brien, in dem sie eine amerikanische Professorin in London spielt, kommt allerdings hierzulande nur als Video heraus. 1993/94 spielt sie in Jonathan Demmes Aids-Film "Philadelphia", rund zehn Jahre später sah man sie auch in dem TV-Vierteiler "Empire Falls". Für ihre TV-Arbeiten erhält sie mehrere Emmy-Awards. Gemeinsam mit Newman engagiert sie sich für zahlreiche politische und soziale Anliegen. So gründen die Newmans eine Ferienstadt für krebskranke Kinder, sind in der Friedens- und Abrüstungsbewegung tätig. Die geschäftlichen Tätigkeiten - gemeinsam mit dem Schriftsteller A. E. Hotchner stellen sie unter dem Titel "Newman's Own" Soßen und Popcorn her - haben rein karitativen Zweck, die Einnahmen fließen in soziale und politische Töpfe.


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