Jonathan Demme

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Wie der nette Junge von nebenan: Jonathan Demme
Fotoquelle: cinemafestival/shutterstock.com
Jonathan Demme
Geboren: 22.02.1944 in Baldwin, New York City, USA

Mit "Stop Making Sense" bringt Regisseur Jonathan Demme 1984 neue Maßstäbe in den Musikfilm. Er zeigt ganz schlicht, aber dennoch eindrucksvoll eine Kombination von drei Konzerten der "Talking Heads". Der Film machte nicht nur Jonathan Demme bekannt, auch den "Talking Heads" half Demmes Werk sehr. Demme unterstreicht in der Art des Schnittes den Charakter der Band. Er dreht für sie auch Musikvideos, ebenso für UB40, New Order ("Perfect Kiss", 1985) und die Fine Young Cannibals ("Ever Fallen in Love?"). Diese wirkten teilweise auch bei dem Soundtrack für Demmes Thriller-Komödie "Gefährliche Freundin" (1986) mit, für den hauptsächlich Laurie Anderson und John Cale tätig waren.

Als "Stop Making Sense" entsteht, ist Demme schon über zehn Jahre im Filmgeschäft. Er begann zunächst als Musik-Koordinator für "Sudden Terror" (1970) und als Drehbuchautor. Er schrieb die Bücher zu "Angels Hard As They Come" (1971), "The Hot Box" (1972) und "Frauen in Ketten" (1972), bei dem auch die Original-Story von ihm stammt. Bei "The Hot Box" ist er auch Regisseur der Second-Unit, ebenso wie bei "Fly Me" (1972). Nachdem er 1973 bei der Eröffnungs-Sequenz "Secrets of a Door-to-Door Salesman" Regie geführt hat, folgt mit dem derben Frauenknast-Film "Caged Heat - Das Zuchthaus der verlorenen Mädchen" 1974 sein Regiedebüt nach eigenem Drehbuch. Danach drehte er "Verrückte Mama" (1975) mit den damals noch völlig unbekannten Dennis Quaid und Bill Paxton, "Mach' ein Kreuz und fahr' zur Hölle" (1976 - wiederum nach eigenem Drehbuch) mit seinem Freund Peter Fonda in der Hauptrolle.

In "Flotte Sprüche auf Kanal 9" (1977) beobachtet Demme komödiantisch das bunte Treiben eines Piratensenders. Hier taucht auch erstmals Russ-Meyer-Darsteller Charles Napier auf, der fortan in fast allen Demme-Filmen - oft auch ungenannt - eine Rolle spielt. Fürs amerikanische Fernsehen inszenierte Demme - wie vor ihm auch Steven Spielberg - die köstliche Columbo-Episode "Columbo - Mord à la Carte" (1978) und anschließend entsteht der selbstironischen Thriller "Tödliche Umarmung" (1979). Mit "Melvin und Howard" (1980) liefert Demme eine kauzige Howard-Hughes-Paraphrase mit Jason Robards, gefolgt von dem TV-Film "Who Am I This Time?" (1981).

Nach "Stop Making Sense" drehte Demme "Swing Shift - Liebe auf Zeit" (1984) mit dem Ehepaar Goldie Hawn und Kurt Russell und "Gefährliche Freundin" (1986) mit Jeff Daniels und Melanie Griffith. In dem dreistündigen Monolog "Nach Kambodscha schwimmen" (1987) gibt der Schauspieler und Performance-Künstler Spalding Gray seine Erfahrungen über die Dreharbeiten zu dem Film "Killing Fields - Schreiendes Land" preis. Anschließend inszenierte Demme die Thriller-Komödie "Die Mafiosi-Braut" (1988) mit Michelle Pfeifer und Matthew Modine. Danach dauerte es drei Jahre bis Demme mit "Das Schweigen der Lämmer" und dieser durchaus auch zwiespältig zu sehende seinen absoluten Blockbuster fertigstellte. Dieser oscar-gekrönte Thriller machte aus dem bescheidenen Jonathan Demme über Nacht einen großen Hollywoodregisseur.

Dabei wirkt der nette Junge von nebenan in Turnschuhen, Schlabberhose und Flanellhemd eher wie ein Student, der mal gerade mit der Amateurkameras herumfuchtelt. Er hatte an der Universität von Florida eigentlich Chemie studiert, war in den Tagen der Low-Budget-Filmer aus Spaß in der Produktionsküche von Roger Corman gelandet, dem er wie viele große Hollywoodkünstler von Coppola bis Scorsese seinen Erfolg verdankt. Der Regie-Oscar wie die anderen Akademiepreise für "Das Schweigen der Lämmer", die Star-Besetzungen seiner Filme haben ihn nicht verändert: Jonathan Demme ist sch selbst treu geblieben. 1991 sagt er in einem Interview mit dem Spiegel: "Ich bin noch immer ein 12-jähriger Junge, ich gehe gerne ins Kino, weil ich hungrig nach den Schocks und den Schaudern bin. Und wenn ich drehe, stelle ich mir vor, daß das Publikum aus lauter solchen Halbwüchsigen besteht."

Nach seinem Mega-Erfolg drehte Demme den eher unscheinbaren Dokumentar-Streifen "Cousin Bobby" (1992), gefolgt von dem erfolgreichen und ebenfalls oscar-prämierten Aids-Film "Philadelphia" (1993) und außerdem war er Co-Regisseur von Bruce Springsteens Video zu dem Soundtrack-Hit "Streets Of Philadelphia". Mit "The Complex Sessions" entstand 1994 ein weiterer Musikfilm. Nach einer kleinen schöpferischen Pause inszenierte Demme 1997 eine Episode für die ambitionierte TV-Serie "Subway Stories" und begann gleich anschließend mit den Dreharbeiten zu "Menschenkind", der 1998 fertig gestellt wurde. Ebenfalls 1998 versucht Demme mit "Storefront Hitchcock" das dokumentarisch einzufangen, was die Show von Robyn Hitchcock ausmacht.

Die Fortsetzung zu "Das Schweigen der Lämmer" mit dem Titel "Hannibal" hatte sich Jonathan Demme für das Jahr 2000 vorgenommen, legte dann aber aufgrund des grottenschlechten Drehbuchs die Regie nieder, so dass Ridley Scott den Film abdrehte. Außerdem betätigte sich Demme häufig als Produzent wie etwa für George Armitages Thriller "Miami Blues" (1990) oder Tom Hanks' Spielfilm-Regiedebüt "That Thing You Do! - Wir landen in den Charts" (1996). Ein guter Wurf war auch seine Regiearbeit "Der Manchurian Kandidat", der 2004 in die deutschen Kinos kam. Bemerkenswert: Jonathan Demmes Neffe Ted Demme ist mittlerweile ebenfalls ein bekannter Regisseur.


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